JeKi geht ins 4. Jahr

Oberbürgermeister Peter Jung lauscht der JeKi-Posaunen-Gruppe unter Leitung von Holger Havemann (Foto: Uta Plehwe)
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Oberbürgermeister Peter Jung lauscht der JeKi-Posaunen-Gruppe unter Leitung von Holger Havemann (Foto: Uta Plehwe)

Ein voller Erfolg: So lautet die einhellige Bilanz zum Pilotprojekt "Jedem Kind ein Instrument", kurz JeKi.

Sechs Wuppertaler Grundschulen haben sich an dem musikalischen Experiment beteiligt, das als Modell-Projekt des Lands nur dem Ruhrgebiet vorbehalten war, das aber dank der Unterstützung durch die Jackstädt-Stiftung in Höhe von 312 000 Euro auch in Wuppertal angeboten werden konnte. Im Schuljahr 2007/2008 gingen sechs Grundschulen in sechs unterschiedlichen Stadtbezirken an den Start - JeKi als Kooperationsprojekt zwischen der Bergischen Musikschule und den jeweiligen Grundschulen.

Vier Jahre sind für die Pilotphase eingeplant, im vierten Jahr sollen insgesamt 600 Kinder bei JeKi mit dabei sein, so die Vereinbarung mit der Stiftung. "Im kommenden Schuljahr beginnt das vierte und letzte Jahr der Pilotphase. Auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen beginnt schon jetzt die Planung, in welcher Form JeKi in Wuppertal weitergeführt und ausgeweitet werden kann", so Kulturdezernent Matthias Nocke. "Für alle am Pilotprojekt Beteiligten - die Kinder, Lehrkräfte, Organisatoren und Leitungen der Grundschulen und der Bergischen Musikschule - stellt das JeKi-Projekt eine reizvolle Herausforderung dar, die die Bildungslandschaft in dieser Stadt in jedem Fall bereichert."

Viele Grundschulen würden gerne so schnell wie möglich in das JeKi-Projekt einsteigen. "Jetzt, so Nocke, gelte es Mittel und Wege zu finden, "wie ein solches Projekt langfristig nicht nur etabliert, sondern auch ausgeweitet werden und dabei bezahlbar bleiben kann."

Erklärtes Ziel aller an der Pilotphase Beteiligten: Jedes Kind, das ein Instrument erlernen möchte, soll die Möglichkeit dazu haben - ungeachtete des familiären oder sozialen Hintergrundes. Wichtige Voraussetzung ist deshalb zum Beispiel, dass die Kosten für die Eltern möglichst gering bleiben. Zudem, so die Forderung, sollten auf die Eltern keine zusätzlichen Belastungen in Bezug auf Wege und Zeiten zukommen. Der Unterricht findet in der Schule statt, in der die Kinder sowieso schon sind. Die Schule reserviert in Absprache entsprechende Schulstunden im Rahmen der Stundentafel für diesen Musikunterricht. Der Unterricht soll qualifiziert und kontinuierlich stattfinden, damit er nachhaltig und langfristig positiv ist. Darum arbeiten nur hoch qualifizierte Lehrkräfte in dem Projekt, und darum ist mit den jeweiligen Grundschulen eine langfristige Zusammenarbeit angestrebt.

"Die Gestaltung von JeKi-Stundenplänen stellt eine Herausforderung für Grundschule und Musikschule dar, die nicht immer reibungslos gemeistert werden kann. Sie setzt ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft voraus, die bei den beteiligten Partnern im Pilotprojekt in hohem Maße vorhanden ist", erklärt Sarah Semke, bei der Bergischen Musikschule für das Projekt zuständig. "Es ist nicht leicht, ausreichend gut qualifizierte Lehrkräfte zu finden für den großen Bedarf. Wuppertal steht aber auf Grund der qualifizierten musikpädagogischen Ausbildung an der hiesigen Musikhochschule zum Glück gut da."

Zum Projekt gehört auch, dass jedes Kind ein Instrument für zu Hause zur Verfügung gestellt bekommt und so kontinuierlich üben kann. Der Teilnahmebeitrag beinhaltet deshalb auch die Miete für ein Instrument. Die Kinder der ersten Klasse erhalten einmal wöchentlich eine Schulstunde JeKi-Musikunterricht.

Der Unterricht im ersten Jahr findet in großen Gruppen statt (entweder in halber Schulklassenstärke, 10-15 Kinder) oder aber in Klassenstärke gemeinsam mit einer Tandem-Lehrkraft der Grundschule. Dabei soll JeKi keinesfalls den regulären Musikunterricht in der Grundschule ersetzen, sondern begleitend hinzukommen", betont Sarah Semke. In ihrem ersten Jahr lernen die Kinder eine so genannte "elementare Grundmusikalisierung". "hier wird vor allem gesungen, gerappt, sich zur Musik bewegt, Rhythmus mit Hilfe von Body-Percussion, Rhythmussprache und percussivem Spiel erlebt, Musik gehört, selbst erfunden und gestaltet und schließlich notiert", erklärt Semke.

Im zweiten Drittel bildet eine praxisorientierte Instrumentenkunde den Schwerpunkt des Unterrichts: Hier erfahren die Kinder viel über Bau, Funktionsweise und Klangerzeugung von Zupf-, Streich-, Blas-, Tast- und Schlaginstrumenten, indem sie diese intensiv ausprobieren, mit diesen experimentieren und musikalisch gestalten. Vor den Osterferien treffen die Kinder dann die Wahl für drei mögliche Lieblingsinstrumente.

Im letzten Drittel des ersten Jahres werden die Erfahrungen, Fertigkeiten und Kenntnisse aus den ersten beiden Abschnitten des Schuljahres vertieft und eine Abschlusspräsentation in der Schule vorbereitet und durchgeführt. In der zweiten Klasse erhalten die Kinder in der Schule einmal pro Woche Instrumentalunterricht in Gruppen von vier bis acht Kindern, hier steht also weiterhin das gemeinsame Musik machen im Vordergrund, diesmal auf einem bestimmten gewählten Instrument, wobei Elemente wie Singen, Rappen, Body-Percussion und Rhythmussprache weiterhin den Unterricht bereichern.

Am Ende des Jahres präsentieren sich auch die JeKi-II-Kinder wieder bei einem Konzert. Die Kinder der dritten Klassen erhalten weiterhin eine Schulstunde pro Woche Instrumentalunterricht, es kommt aber eine zweite Stunde Ensemble- oder Orchesterspiel gemeinsam mit den anderen Instrumentalgruppen hinzu. Auch hier sind Konzerte im Laufe oder gegen Ende der beiden Schuljahre selbstverständlich vorgesehen.

"Natürlich möchten wir das Projekt gerne fortführen und haben auch Ideen für weitere Projekte", so Semke. Vorstellbar sei es zum Beispiel, JeKi so zu erweitern, dass Kinder ihre Stimme als Instrument begreifen oder in einem JeMu-Projekt - Jedem Kind Musik - unterschiedliche Kooperationsprojekte zusammen zu fassen - also zum Beispiel Musik-Projektwochen oder ein halbjährliches Musiktheaterprojekte.