Wuppertal / Denkmalliste

Denkmalliste

Details

Zur Düssel 2
Adresse Zur Düssel 2
Stadtbezirk Vohwinkel
Denkmalnummer 3958
Eintragungsdatum 08.07.1996
Schutzumfang gesamtes Gebäude
Klassifizierung Denkmal
Beschreibung
Bei dem Objekt Zur Düssel 2 / Gut Schöller handelt es sich um das Gut Schöller mit Wohnhaus, ehemalige Scheunengebäude, Remise (offen zum Hof), Toreinfahrt und Durchgang zur Kapelle. Der Name Schöller wird seit dem 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Eine befestigte Anlage war das Gut Schöller im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit vermutlich nicht. Seit 1697 befindet sich das Gut durch Erbfolge im Besitz der Grafen von Schaesberg. "Die Familie von Schöller scheint schon Mitte des 17. Jahrhunderts nicht mehr in Schöller gewohnt zu haben, auch die Grafen von Schaesberg waren - von einer Ausnahme abgesehen - nicht in Schöller wohnhaft. Das Gut war schon im 17. Jahrhundert verpachtet, die Gutsgebäude sollen im ersten Viertel des 18. Jahrhundert verfallen gewesen sein. Angeblich hat Graf Friedrich von Schaesberg, *1705, + 1775, die alten Gebäude, den Turm ausgenommen, abtragen lassen, um ein neues Haus an derselben Stelle errichten zu können, welches Vorhaben aber durch seinen Tod hinfällig geworden sein soll." (Kießling, Haus Schöller, In: Adelssitze, Burgen Feste Häuser im Wuppertal, Wuppertal 1975, S. 17-18) Eine Zeichnung von ca. 1770 und Grundmauern im Erdreich östlich des heutigen Hofgebäudes sprechen für die überlieferte These. Das Gut erfuhr offenbar in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Renaissance. Das Wohnhaus wurde wahrscheinlich 1884 neu errichtet. Art und Material (dunkel gebrannter Backstein) sprechen dafür, dass die Scheunengebäude aus derselben Zeit stammen. Die Hofeinfahrt wird durch Sandsteinpfeiler mit aufgesetzter Kugel flankiert. Das ehemalige Eisentor liegt zur Zeit in der Remise. Zwischen dem 2 1/2 geschossigen Wohnhaus und dem erstmals 1586 erwähnten Turm (Denkmal -Nr. 1440) befindet sich ein torartiger Durchgang. Er dient als Zugang zur katholischen Kapelle, die spätestens 1713 von der katholischen Herrschaft im ansonsten evangelisch-reformierten Schöller eingerichtet wurde. Über dem spitzbogigen Tor mit zweiflügeligem Türblatt (mit Füllungen in Fischgrätmuster und schmiedeeisernen Beschlägen) befindet sich ein zweistufiger Treppengiebel, dessen Spitze mit einem schmiedeeisernen Kreuz verziert ist. Mittig, oberhalb des Torbogens deutet eine sandsteinerne Konsole auf eine fehlende Figur (Marien-Figur?). Die Zwickel sind durch Wappenschilde geschmückt, welche links das Wappen von Schaesberg und recht das Erbauungsdatum "1884" zeigen. Das vermutlich zur selben Zeit errichtete Wohnhaus wurde in Backstein ausgeführt und wird durch neugotische Stilelemente geprägt. Über dem hohen Sockel -er gleicht den Geländeversprung nach Osten aus- geht ein fünfachsiges Gebäude auf. Die Fassade ist symmetrisch angelegt. In der mittleren Achse, die als Risalit leicht vorgezogen ist, befindet sich der Eingangsbereich mit vorgelagerter einläufiger Treppe. Die Achse setzt sich in Höhe des Dachgeschosses in einem neugotisch geformten Stufengiebel fort, dessen fialenartige Spitze durch ein schmiedeeisernes Schmuckelement verziert ist. Alle Fensteröffnungen der Schauseite sind gemauert und weisen einen flachen Segmentbogen auf. Zwischen Erd- und Obergeschoss verläuft ein Gurtband mit Schränkschicht. Die Fensteröffnungen des 1. Obergeschosses treten in spitzbogigen Blendrahmen hinter die Wandfläche zurück und besitzen in den Tympani gemauerte Kreuze. In den Zwickeln zwischen den Bögen finden sich kunstvoll geschmiedete Maueranker. Die Fassade schließt nach oben mit einem Traufgesims ab, welches in derselben Weise gestaltet ist wie das bereits erwähnte Gurtgesims. Der Eingangsbereich weist eine Fensteröffnung mit feststehendem Oberlicht und einflügeligem Türblatt auf. Dieses Türblatt (fünf Kasetten) entspricht in seiner Gestaltung den Inntüren des Objektes. Die darüber liegende Fensteröffnung ist einfach gehalten. In Höhe der Traufe, die durch den Risaliten durchbrochen wird, befindet sich ein kleines Zwillingsfenster mit eingestellter Sandsteinsäule und darüber dann das in die Mauer eingelassenen Kreuz. Die südliche Giebelwand und die Rückseite mit Treppenhausvorbau (und später zugefügtem Wintergarten) wurden nach dem 2. Weltkrieg verputzt und waren -wie auch heute noch an der nördlichen Giebelwand zu sehen- backsteinsichtig. Im Inneren haben sich von der alten Ausstattung insbesondere die Türen und das Treppenhaus erhalten. An die nördliche Giebelwand ist ein Stallgebäude angebaut, welches in jüngerer Zeit zu Wohnzwecken umgebaut wurde. Dem Wohnhaus gegenüber liegen die Scheunengebäude mit L-förmigem Grundriss, die dadurch den Hofcharakter betonen. Die Scheunen sind -je nach ursprünglicher Nutzung - ein- (Nordseite) oder zweigeschossig (Westseite). Das westlich gelegene Objekt mit Walmdach weist rechts und links zwei große Scheunentore mit Schiebetoren auf. Der nördlich gelegene Teil der Wirtschaftsgebäude mit Satteldach ist weitgehend zweigeschossig und diente offensichtlich als Stall. Gusseiserne Maueranker sind Zierelement auf dem ansonsten vollkommen schmucklosen, mit diversen Tür- und Fensteröffnungen versehenen Gebäude. Eine zum Hof hin offenen Remise schließt das Ensemble ab. Das Gut Schöller präsentiert sich nach den Um- und Neubauten des letzten Jahrhunderts als großzügiges, klar landwirtschaftlich orientiertes Gut. Die Wahl des Baumaterials und die Anordnung der Gebäude lassen vermuten, dass auf niederrheinische Vorbilder zurückgegriffen wurde, was angesichts der Herkunft der Familie von Schaesberg nahe liegt. Das Gut Schöller stellt trotz der relativ jungen Bebauung den "sinnstiftenden" Mittelpunkt der Ortschaft Schöller dar: das heißt ohne ein Gut Schöller wäre die Ortschaft Schöller nie entstanden. Erhaltung und Nutzung liegen daher gemäß § 2 (1) DSchG aus wissenschaftlichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf die gesamten Gebäude (Wohnhaus, ehemalige Scheunengebäude), Remise (offen zum Hof), Umfassungsmauer, Einfahrt (samt Tor) und Durchgang zur Kapelle. (Haltaufderheide)