Wuppertal / Denkmalliste

Denkmalliste

Details

Pumpenhaus Untere Herbringhauser Talsperre - (Theodor-Schröder-Weg 10)
Adresse Theodor-Schröder-Weg 10
Stadtbezirk Langerfeld-Beyenburg
Denkmalnummer 4213
Eintragungsdatum 22.11.2004
Schutzumfang gesamte technische Anlagen
Klassifizierung Denkmal
Beschreibung
Begründung I Geschichte Unter der Regie der Barmer Stadtwerke und nach Entwurf der technischen Abteilung des Barmer Wasserwerks wurde 1926/1927 die Untere Herbringhauser Talsperre errichtet. Als Nebenanlage der Oberen Herbringhauser Talsperre war es Aufgabe der 1928 in Betrieb genommenen Anlage, mit ihrem Fassungsvermögen von 181.700 cbm die Wassermengen zurückzuhalten, die im oberhalb gelegenen Staubecken nicht gefasst werden konnten, sowie das bei Filterreinigungsarbeiten an der Oberen Herbringhauser Talsperre eingesetzte Wasser aufzufangen und nutzbar zu machen. Wenn in der Hauptsperre der Stauinhalt soweit zurückgegangen war, dass die Trinkwasserversorgung Barmens nicht mehr zu gewährleisten war, sorgte die Pumpstation Kemna dafür, dass die in der Unteren Anlage gespeicherten Wassermengen in die Obere Herbringhauser Talsperre zurückgepumpt werden konnten. II Beschreibung 1. Bei der Stauanlage der Unteren Herbringhauser Talsperre handelt es sich um einen Erddamm mit einer größten Höhe von 18,47m, einer Kronenlänge von 103 m, einer Kronenbreite von 3,5 m und einer Sohlenbreite von 56 m. Die Erdschüttung wird gesichert durch einen scheibenförmigen Betonkern. Diesem ist wasserseitig eine Lehmstampfung vorgeblendet, zur Luftseite hin befindet sich eine in der Stärke nach oben abnehmende, zur Krone der Betonmauer hin geneigte Steinpackung. Die Wasserseite der Dammschüttung war ursprünglich durch eine Trockenpflasterung geschützt. Die Sperre nutzte ein Einzugsgebiet von 3,48 qkm und staute den Herbringhauser Bach auf ca. 0,2 Mio. cbm an. Der Stausee erreichte eine Fläche von ca. 40000 qm. In der Mittelachse des Sperrdammes liegt südöstlich das architektonisch und technisch unerhebliche Schieberhaus, das wohl in den 1950 er Jahren erneuert worden ist. 2. Als denkmalwerter Anlagenteil befindet sich weiter westlich das 3 zu 4 Achsen mesende Pumpenhaus. Eckrustizierungen in Werkstein Rahmen dessen glattgeputzte Wandflächen. Unter dem pfannengedeckten Walmdach befinden sich Fenster- und Türöffnungen unter rustizierten Werksteinstürzen. Südlich wurde dem Gebäude ein schlichter jüngerer Werkstattanbau angefügt. Das Pumpenhaus birgt 2 Pumpensötze der Hallenser Firma Weis & Söhne, die von Schorchelektromotoren angetrieben werden. Die Motorennummern sind 127648/1, respektive 1127649/1. Die Wand und Bodenverfliesung ist original. Der Rohrkeller zeigt die vom Sperrdamm kommende Verrohrung. 3. Weiteres erhaltenes Element mit Denkmaleigenschaft ist der am nordöstlichen Talhang angeordnete Überlauf in Gestalt einer achtstufigen Kaskade mit Böschungsmauer in Bruchsteinwerk. 4. Unterhalb des Pumpenhauses befindet sich die Beckenanlage des Messwehres mit dem mehrfach abgewinkelten, mit Bruchsteinmauerwerk gesicherten Zulauf zur Wupper. 5. Östlich des Messwehres befindet sich eine kreisförmige Brunnenanlage der 1950er Jahre, die ein im Zusammenhang mit Talsperren geläufiges Gestaltungselement darstellt. III Bewertung Bei der Unteren Herbringhauser Talsperre handelt es sich im unter II, 1-5 beschriebenen Umfang (ausgenommen das unter 1. erwähnte Schieberhaus) um ein Denkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 DSchG NW. An der Erhaltung und Nutzung der Anlage besteht ein öffentliches Interesse. Sie ist bedeutend für die Geschichte der Menschen sowie der Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse. Für Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor. Technik- und damit wissenschaftsgeschichtlich stellt die Anlage der Unteren Herbringhauser Talsperre eine Fortschreibung technischer Erkenntnisse im Sinne einer Optimierung der wasserbaulichen Verhältnisse dar. Der Fortschritt manifestiert sich in der Erkenntnis, dass im Zusammenwirken mit der Hauptsperre im Verlauf des Herbringhauser Baches durch die Untere Sperre die Sammlung einer größtmöglichen Wassermenge ermöglicht und der Verlust durch den Filterbetrieb minimiert werden konnte. Dem geringen Ausmaß der Bachsperrung gemäß griff man zur bewährten Technik der Dammschüttung mit Massivkern. Die nötigen Hilfseinrichtungen wurden zwischen 1927 und den 1950er Jahren werkgerecht und in guter gestalterischer Qualität her- bzw. wiederhergestellt. Auf konzentriertem Raum nimmt der Betrachter hier die verschiedenen Elemente des Talsperrenbetriebs wahr: die Sperre selbst, den Überlauf, das Pumpenhaus als Hinweis auf den mit der Oberen Sperre verzahnten Betrieb und den Rundbrunnen (als Springbrunnen ausgebildet) als traditionelles Motiv vor Sperrmauern. Die Untere Herbringhauser Talsperre mit den beschriebenen Anlageteilen stellt damit ein in sich geschlossenes Technikdenkmal aus der Ausbauphase der für das Bergische Land essentiell wichtigen Geschichte der Wasserversorgung mittels Talsperren dar. Sie ist auch nach Außerbetriebnahme als technische Schauanlage unverzichtbarer Bestandteil der siedlungs und technikgeschichtlichen Entwicklung Barmens bzw. Wuppertals. Erhaltung und Nutzung liegen daher gemäß § 2 (1) DSchG NW aus städtebaulichen, wissenschaftlichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf die in obigem Umfang beschriebene Anlage.