Wuppertal / Denkmalliste

Denkmalliste

Details

Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum, Gebäude 10
Adresse Arrenberger Str. 20
Stadtbezirk Elberfeld-West
Denkmalnummer 3831
Eintragungsdatum 15.12.1995
Schutzumfang gesamtes Gebäude
Klassifizierung Denkmal
Beschreibung
Bei dem Objekt Arrenberger Straße 20, Ferdinand-Sauerbruch-Klinikum handelt es sich um die ehemals städtischen Krankenanstalten der Stadt Elberfeld. Die einzelnen Häuser der Krankenanstalten bilden einen zusammenhängenden Komplex und wurden immer als Einheit verstanden, wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten erbaut. BAUGESCHICHTE IM ÜBERBLICK 1858 - 1863 Haus 1 und Haus 2 (Vorgängerbau) 1878 Umbau Haus 2 1891 - 1898 Umbau und Erweiterung Haus 1: Innere - Haut- und Geschlechtskrankheiten Haus 2: Abriss und Neubau = Chirurgie Haus 9: Neubau = Infektion Haus 10: Neubau = Irrenhaus Haus 11: Leichenhaus mit Kapelle 1904 Ausbau des Dachgeschosses von Haus 9 (Infektion) 1905 Erweiterung und Aufstockung des Leichenhauses 1911 - 1913 Neubau der Häuser 3, 4, 5, 7, 8, 19 Den ältesten Teil der Krankenanstalten bildet das Haus 1. Das Objekt wurde am 01.12.1863 eröffnet und war der erste städtische Krankenhausneubau der Stadt Elberfeld. Architekt des Gebäudes war der Elberfelder Baumeister Loefke, er plante für das auf 250 Betten projektierte Krankenhaus entsprechend der zeitgenössischen Vorgabe einen dreigeschossigen Zentralbau. 1870 - 1875 entsteht die so genannte Pavillonbauweise für Krankenhäuser, sie setzt sich allerdings im Rheinland erst viel später durch. (vgl. Murken 383). Sehr wohl ist aber der Umbau des Klinikums im Jahre 1878 auf diesem Hintergrund zu verstehen. Hier wird nämlich die Infektionsabteilung aus dem Zentralgebäude herausgenommen und in das damalige Haus 2 verlegt, um die Gefahr der Infektion für andere Kranke zu minimieren. 1891 - 1898 erfolgt ein groß angelegter Ausbau der städtischen Krankenanstalten, der einhergeht mit der Diversifizierung der medizinischen Leitung, es gibt erstmals 3 Oberärzte. Gemeinsam ist den Neubauten von 1891 - 1898, dass sie in gelbem Backstein mit roten Zierelementen errichtet wurden. Nach längerer Debatte wurde entschieden, dass eine umfangreiche Erweiterung der Kliniken am vorhandenen Standort geschehen sollte. Dies führte in den Jahren 1911 - 1913 zu der Art der Ausführung. Einerseits galt es das Pavillonsystem als das medizinisch beste Prinzip umzusetzen, andererseits ließ der begrenzte Platz keine großzügige Anlage zu und so entstanden einzelne, in sich relativ große, insbesondere mehrgeschossige Bauten auf dem westlich der bisherigen Anlage hinzugekauften Grundstück. Es wurde also versucht, die Gestaltungselemente der Pavillonbauweise auf minimierten Platz zu verwirklichen und eine parkähnliche Landschaft zu schaffen. Der nächste große Bauabschnitt erfolgte in den Jahren 1911 - 13, als die Häuser 3, 4, 5, 7, 8 und 19 errichtet wurden. Dies führt zu Umstrukturierungsmaßnahmen im gesamten Klinikbereich. Die Häuser 4 und 5 wurden die neuen Infektionshäuser, Haus 3 diente zur Unterbringung von Privatpatienten. Das heutige Haus 7 war für die Behandlung Tuberkulosekranker bestimmt und das Haus 8 diente als "Ärzte- und Schwesternhaus". Im Haus 19 befand sich die Desinfektionsanstalt. Friedrich Ruppel, Baurat in Hamburg und Architekt der 1902 -1905 ausgeführten Aachener Pavillonanlage im Stil des als vorbildliche geltenden Städt. Krankenhauses in Hamburg - Eppendorf (1885 - 1888), wurde mit dem Entwurf von Vorprojekten für die Neubauten betraut und 1911 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die einzelnen Gebäude - außer dem direkt an der Simonsstraße liegenden Haus 19 - gruppieren sich um eine lang gestreckte, in der Mitte des Grundstückes angelegte Grünanlage, wobei nur Haus 4 und 5 sowie Haus 7 bezüglich der Anordnung der Baukörper symmetrisch aufeinander bezogen sind. Zudem weist das Gelände von der Arrenberger Straße zur Simonsstraße hin Gefälle auf, so dass die Häuser 4 und 5 auf höheren Niveau liegen als die Grünanlage, von deren Mitte eine kleine Treppe auf den Haupteingang des wiederum tiefer liegenden Hauses 7 zuführt. Die Grünanlage wird an der östlichen Längsseite von einer originalen Stützmauer mit Brüstung begrenzt, und im Zentrum ist die Einfassung eines großen, längsrechteckigen Wasserbeckens erhalten. Die Gebäude sind in zeittypischer Formensprache errichtet, die sich sowohl dem Neobarock als auch dem Reformierten Bauen verpflichtet weiß. Es sind - bis auf das dreigeschossige Haus 3 - zweigeschossige Putzbauten mit rustiziertem, hohem Sandsteinsockel und Mansarddächern. Die Fensteröffnungen sind rechteckig, haben Sohlbänke sowie meist originale, z. T. auch farbig verglaste Rahmen und wirken durch geschossübergreifende, flache Blendfelder als vertikales Gliederungselement. ... [Die Beschreibung der einzelnen Häuser des Klinikums findet sich in separaten Detailansichten, jeweils zwischen dem allgemeinen historischen Überblick und der denkmalpflegerischen Bewertung] ... Das Klinikum Elberfeld ist als gesamte Anlage ein Denkmal, da die einzelnen Bauten einen engen Sachzusammenhang sowie einen überzeugenden inneren Zusammenhang bilden. Der historisch schützenswerte Gesamtzusammenhang der Klinikanlage wird durch die unterschiedliche Entwicklung der einzelnen Bereich nicht entkräftet, sondern vielmehr unterstrichen. Die einzelnen Gebäude und Flächen unterliegen einer einheitlichen gestalterischen Konzeption, die zu einer Aufeinanderbezogenheit der einzelnen Gebäude in der Weise führt, dass sie als eine optisch wahrnehmbare Einheit erscheinen. Diese Einheit ist heute noch erlebbar und in ihrer Zielvorstellung nachvollziehbar. Die Krankenanstalten sind bedeutend für die Geschichte der Menschen, da sie als Krankenhausgebäude von Zeugniswert sind für historische Entwicklungsphasen des Krankenhausbaues von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Anstalt ist bedeutend für die Stadt Wuppertal, deren historischen Werdegang und städtebauliches Wachstum sie dokumentiert. Für die Erhaltung und Nutzung der Gebäude liegen wissenschaftliche, insbesondere architektur- und ortshistorische Gründe vor, die eine Geschichte des Krankenhausbaues in anschaulichen, qualitätvollen architektonischen Zeugnissen vermitteln. Auf der einen Seite handelt es sich um die Bauten des 19. Jahrhunderts mit ihrem Korridorsystem und auf der anderen Seite um die - durch den medizinischen Fortschritt entwickelten - Pavillonbauten mit der ihnen vorgelagerten Freifläche. Die Notwendigkeit von Erweiterungsbauten zu Beginn des 20. Jahrhunderts spiegelt zudem die Bedeutung des damals noch selbständigen Elberfeld wider, das, zum bedeutenden Handels- und Industriezentrum avanciert, auch bevölkerungsmäßig expandierte, so dass die in sozialer Verantwortung stehende Kommune für eine adäquate Verbesserung auch der medizinischen Versorgung Sorge tragen musste. Auch sind Aspekte des Wetteifers der Schwesterstädte Elberfeld und Barmen nicht auszuschließen, ließ doch Barmen zur selben Zeit ein vollständig neues Klinikum, nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in Pavillonbauweise errichten. Erhaltung und Nutzung liegen daher gemäß § 2 (1) DSchG aus städtebaulichen, wissenschaftlichen, insbesondere architektur- und ortshistorische sowie typologischen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf die o. g. gesamten Gebäude und die Grünanlage.