Wuppertal / Denkmalliste

Denkmalliste

Details

Am Unterbarmer Friedhof 16 - Grabstätte Riedel-Goschin/ Grabmal mit Sphinx
Adresse Am Unterbarmer Friedhof 16
Stadtbezirk Barmen
Denkmalnummer 3885
Eintragungsdatum 16.12.2011
Schutzumfang gesamte Grabanlage mit ihrer historischen Einfriedung
Klassifizierung Denkmal
Beschreibung
Für die o.g. Grabstätte liegen die gesetzlichen Tatbestandsmerkmale zur Begründung der Denkmaleigenschaft vor. Sie ist zugleich Bestandteil der ebenfalls Denkmaleigenschaft aufweisenden Gesamtanlage Friedhof Unterbarmen. Das Grabmal mit den Figuren einer liegenden Sphinx und einem rechterhand aufgestützt stehenden, trauernden Jüngling (Fertigstellung 1911) ist eins von drei nachweislich auf dem Unterbarmer Friedhof erhaltenen Auftragswerken des Düsseldorfer Bildhauers Josef Hammerschmidt (1873-1926). In Sichtweite bilden diese weiteren Arbeiten auf den Grabstätten der Familien Carl Toelle (Nibelungenszene: "Hagen und Volker auf der Wacht") und Hugo Toelle (Zwei weibliche Trauernde mit Urne) den Auftakt zu den im lokalen Sprachgebrauch als "Millionenallee" bezeichneten Grabfeldern des wohlhabenden Barmer Bildungsbürgertums der Stadtgründergenerationen. Die Maße des Denkmales mit Sphinx und trauerndem Jüngling sind kolossal. Das Podest der Figuren erhebt sich auf dem Grundriss eines Kreuzes und ist aus vorgeschlagenen großen Steinquadern zusammengesetzt. Die Form des Kreuzes erfüllt in der Gesamtanlage der Grabstätte gleichermaßen christlich symbolische wie funktionale Aspekte. Sie ergibt sich funktional aus den erforderlichen Auflageflächen für den liegenden Körper der Sphinx und für die Standfläche des Trauernden, die auf der gegenüberliegenden Seite axialsymmetrisch ergänzt ist (und geradezu auf die Aufnahme einer weiteren Figur zu warten scheint, was von Josef Hammerschmidt, der verschiedene Modellversionen in Ton vorfertigte, erwogen war, jedoch für die Endausführung verworfen wurde). Funktional genutzt werden auch die Ansichtsseiten des Kreuzes als Träger der Inschriften und Schriftplatten. Die Liegefläche der Sphinx beträgt 1 m Breite und 3 m Länge. Ihr Kopf erhebt sich bis auf Brusthöhe des stehenden Trauernden, der mit einer Körpergröße von 2,10 m (zumindest für die Entstehungszeit) Überlebensgröße aufweist. Die Gesamthöhe des Denkmales beträgt 2,80 m. Die Figurengruppe ist aus drei vorgesägten unbearbeiteten Rohblöcken aus "Belgisch Granit" gearbeitet. Die Oberflächen der menschlichen Figur sind in der Endbearbeitung fein geschliffen worden, während der Körper der Sphinx mit einer regelmäßig herausgehauenen Scharierung gestaltet wurde, die bei ihrem Kopf- und Kinnschmuck variiert wurde. Die handwerkliche Qualität und die meisterliche Materialbeherrschung bei allen Arbeiten Josef Hammerschmidts ist in der Fachliteratur unumstritten. Im vorliegenden Fall zeigt sich dies insbesondere in Details wie den technisch schwierig zu erarbeitenden Durchbrüchen bei beiden Armen sowie der halb verdeckten linken Gesichtshälfte des Trauernden. Das Grabmal mit der Sphinx ist zweifelsfrei in mehrfacher Hinsicht in seiner Bedeutung ungewöhnlich, wenn nicht gar einzigartig. Zunächst einmal entspricht eine Sphinx nicht annährend den heutigen Erwartungen und Anforderungen an Friedhofskunst. Sie wird als ‚exotisch' wahrgenommen und in dieser Weise auch gerne durch die lokalen und überregionalen Medien präsentiert. Dies hat seine Berechtigung, soweit man die Betrachtung auf eine zeitgenössische Rezeption und räumlich auf die Wuppertaler Friedhöfe beschränkt. Für das Bildungsbürgertum des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts war es jedoch nichts Außerordentliches, sich auch im sepulkralen Bereich mit kulturgeschichtlich bedeutsamen Themen und der Übernahme altägyptischer, -griechischer oder römischer Gestaltungselemente und Motive zu bedienen. Napoleons Ägyptenfeldzug (1798 -- 1801, mit einer von ihm zur Erfassung der alten Kultur Ägyptens beauftragten Schar von 167 Gelehrten) initiierte nicht nur die wissenschaftliche Ägyptologie, sondern geradezu eine "Ägyptomanie", die mit der Entzifferung der Hieroglyphen (durch Jean-Francois Champolion) im Jahre 1822 und der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun (1922 durch Howard Carter) weltweit weitere Höhepunkte erfuhr. Die Grabstätte ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und die Stadt Wuppertal als Zeugnis der Sepulkralkultur des frühen 20. Jahrhunderts. Für ihre Erhaltung liegen wissenschaftliche, insbesondere ortshistorische, kultur- und sozialgeschichtliche sowie künstlerische Gründe vor. Das Grabmal der Familien Riedel-Goschin (ehem. Grote) bildet einen unverzichtbaren Bestandteil des Unterbarmer Friedhofs, der zu den bedeutendsten Begräbnisstätten in Wuppertal zählt. Der Friedhof wurde am 5. Mai 1822 eingeweiht und in mehreren Abschnitten planmäßig erweitert; er stellt mit seinen zahlreichen historischen Grabmalen eine Chronik der Barmer Regionalgeschichte dar. Die Barmer Textilfabrikantenfamilie Grote (Firma H.G. Grote) um den Firmengründer Heinrich Gottfried Grote (1800 - 1897) zählte in vielfacher Hinsicht zu den führenden Kräften des Barmer Großbürgertums in Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Grabmale erhalten die Erinnerung an Personen und Familien lebendig, die einst in der Gemeinde gelebt haben. Sie sind somit Zeugnisse von hohem, sozialgeschichtlichem Wert. Die Gestaltung des Grabmales gibt zudem Auskunft über die gesellschaftliche Stellung der Toten sowie ihrer ethischen, kulturellen und religiösen Anschauungen. Die traditionellem Kunstverständnis folgende Gestaltung der Grabstätte Riedel-Goschin (ehem. Grote), deren Figurenschmuck dem Realismus des um 1900 noch hoch geschätzten Akademiestils verpflichtet ist, stellt ein anschauliches Beispiel für die konservativen Werten verbundene Barmer Gesellschaft der Städtegründerzeit dar. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Grabstätte ein Denkmal im Sinne des § 2 DSchG NW ist. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf die gesamte Grabanlage mit ihrer historischen Einfriedung.