Wuppertal / Denkmalliste

Denkmalliste

Details

Altenberger Str. 25, 27 - Johanneskirche, Notkirche, Notkirchenprogramm von Otto Bartning
Adresse Altenberger Str. 25, 27
Stadtbezirk Elberfeld
Denkmalnummer 1896
Eintragungsdatum 07.06.2004
Schutzumfang Bestandteil des Denkmals ist die Kirche mit Vorplatz (ohne Jugendzentrum).
Klassifizierung Denkmal
Beschreibung
Die Evangelisch-Lutherische Johanneskirche Am Friedenshain auf den Südhöhen Elberfelds ist 1948/49 als sogenannte "Notkirche" nach Plänen des Architekten Otto Bartning errichtet worden. Die schlichte Saalkirche mit 5/8 Chorschluss ist mit einem Satteldach gedeckt und wird durch ein umlaufendes, schmales Fensterband in Traufhöhe belichtet. Die Konstruktion besteht aus Holzleimbindern, die vom Boden bis unter den First laufen und innen sichtbar gelassen sind. Die Gefache sind bis zur Fensterzone mit außen verputztem Backstein gefüllt. Die Giebelfront weist im Erdgeschossbereich 8 hochrechteckige, symmetrisch gruppierte Fensteröffnungen auf, im Giebeldreieck befindet sich ein Rundfenster. An beiden Traufseiten des Baukörpers befinden sich, mit der Giebelfront fluchtend, kleine Anbauten. Der an der östlichen Traufseite dient als Sakristei, über den an der westlichen Traufseite gelangt man in den Kirchenraum. Im Inneren sind die Beleuchtungskörper, die in Höhe des Fensterbandes an den Holzbindern angebracht sind, original erhalten. Die übrige Ausstattung (Bestuhlung, Orgel) stammt nicht mehr aus der Erbauungszeit. Die Johanneskirche in Elberfeld ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und die Stadt Wuppertal als Zeugnis für den Kirchbau der Nachkriegszeit. Für die Erhaltung und Nutzung es Objektes liegen wissenschaftlich, insbesondere architektur- und ortshistorische Gründe vor. Trotz der großen Wohnungsnot unmittelbar nach dem Krieg bemühten sich die Kirchen in dem Bestreben einer "Wiedergewinnung der religiösen Gebundenheit", die zerstörten Gotteshäuser so schnell wie möglich wieder aufzubauen und dort, wo dies nicht mehr möglich war, vorläufige Räumlichkeiten zu schaffen. Auf evangelischer Seite hatte der Architekt Otto Bartning das Konzept eines Notkirchenprogramms entwickelt, das unter anderem vom Weltkirchenrat und dem lutherischen Weltbund gestiftet wurde. Bei den Notkirchen waren die tragende Konstruktion - sie bestand aus Dachbindern aus Stahl oder Holz -, das Kirchengestühl und die Fenster und Türen typisiert und vorgefertigt, während die Außenhaut vor Ort entstand, also durchaus lokale Züge aufweisen konnte. Trümmermaterial sollte Verwendung finden, die Fundamente sollten von der Gemeinde in Selbsthilfe errichtet werden. Die Baukosten betrugen jeweils zwischen 70.000 und 90.000 DM. In der zweiten Hälfte der 1940-er Jahre gelangten Notkirchen vielfach zur Ausführung, u. a. in Aachen, Düsseldorf, Köln, Münster, im Ruhrgebiet und in Wesel. Auch die Johanneskirche Am Friedenshain in Wuppertal-Elberfeld ist im Zuge dieses Notprogramms entstanden. Sie ist ein anschauliches, weitgehend unverändertes Beispiel für den Kirchenbau unmittelbar nach dem Krieg und dokumentiert das Werk des Architekten Otto Bartning. Die Bedeutung Bartnings - 1883 in Karlsruhe geboren, 1959 in Darmstadt gestorben - liegt unbestritten in seinem Beitrag zur Entwicklung des modernen protestantischen Kirchenbaus. Bartning sah den Kirchenbau als klar umrissene Bauaufgabe, ähnlich dem Schul-, Rathaus- oder Theaterbau, und hat sich sowohl mit dessen räumlicher Gestaltung als auch mit der Problematik von Technik und Materialien theoretisch und praktisch auseinandergesetzt. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es sich bei dem obengenannten Objekt um ein Baudenkmal im Sinne des § 2 DSchG NW handelt. Bestandteil des Denkmals ist die Kirche mit Vorplatz. Das 1965 an der westlichen Traufseite angebaute Jugendzentrum bildet keinen Bestandteil des Denkmals. In einem anliegenden Lageplan ist der Schutzumfang des Denkmales farblich näher gekennzeichnet. Erhaltung und Nutzung liegen daher gemäß § 2 (1) DSchG aus städtebaulichen, wissenschaftlichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf das gesamte Gebäude. (Haltaufderheide)