Wuppertal / Denkmalliste

Denkmalliste

Details

Marienstraße 81
Adresse Marienstr. 81
Stadtbezirk Elberfeld
Denkmalnummer 291
Eintragungsdatum 31.01.1985
Schutzumfang gesamtes Gebäude
Klassifizierung Denkmal
Beschreibung
Das Gebäude Marienstraße 81 in Wuppertal ist ein zwischen 1907 und 1909 errichtetes Wohnhaus innerhalb einer geschlossenen Blockrandbebauung der Elberfelder Nordstadt. Es handelt sich um einen verputzten Massivbau mit klar gegliederter Straßenfassade, die sich in Erdgeschoss, drei Obergeschosse und ein Mansardgeschoss sowie in der Breite in drei Achsen unterteilt. Die Fassadenachsen sind unterschiedlich ausgebildet, wobei die beiden äußeren Achsen trotz variierender Fensterteilungen symmetrisch aufeinander bezogen sind. Im Erdgeschoss sind die äußeren Achsen mit gleichartig ausgebildeten Segmentbogenfenstern versehen; in der rechten Achse befindet sich hangbedingt zusätzlich eine Durchfahrt unterhalb des Fensters. In der Mittelachse liegt eine bauzeitliche Holzeingangstür mit dreigeteiltem Oberlicht. Das Erdgeschoss ist durch eine Rustizierung hervorgehoben, während die übrigen Fassadenflächen des Baukörpers glatt verputzt sind. Lediglich zwischen dem zweiten und dritten Obergeschoss verläuft ein breites, mit floralen Motiven des Jugendstils ornamentiertes Gurtgesims, das die horizontale Gliederung der Fassade betont. Die Obergeschosse sind durch eine differenzierte Ausbildung der Fensteröffnungen und -bekrönungen charakterisiert. Die Fenster des ersten Obergeschosses werden von Dreiecksgiebeln mit floraler Ornamentik bekrönt, während die Öffnungen des zweiten Obergeschosses mit flach ausgebildeten Kielbögen und die des dritten Obergeschosses mit Vorhangbögen abschließen. Die charakteristische Verkröpfung der Fensterfaschen im Bereich der Bogenansätze weist darauf hin, dass die Öffnungen ursprünglich durch Metallschabraken ergänzt waren, die sich in ihrer Ausbildung an diese Gliederung anpassten. Die Fensteröffnungen sind regelmäßig in den Achsen eingebunden und tragen zu einem ausgewogenen Gesamtbild bei. Ein Großteil der Holzfenster und Außen- wie Innentüren sind bauzeitlich erhalten. Die Fensteröffnungen verfügen über bauzeitlich korrespondierende Außenjalousien mit Holzlamellen. Diese unterstreichen das historische Erscheinungsbild der Fassade und dokumentieren die bauzeitliche Verschattungstypik, ungeachtet einer möglichen späteren Erneuerung einzelner baugleicher Komponenten. Ein zentrales Gestaltungselement der Fassade bildet die Mittelachse, die durch einen Erker in der Beletage betont wird. Dieser ruht auf zwei massiv geschwungenen Konsolen. Auf dem Erker aufliegend befindet sich im zweiten Obergeschoss ein Balkon mit nachträglich veränderter Brüstung. Im dritten Obergeschoss bestand ursprünglich ein weiterer Balkon, der nicht mehr erhalten ist; seine ehemalige Lage ist jedoch anhand von Putzfehlstellen und einer entsprechenden Türöffnung weiterhin ablesbar. Die vertikale Betonung der Mittelachse bleibt somit nachvollziehbar. Das Mansardgeschoss ist mit Schiefer gedeckt und wird durch drei achsial angeordnete Gauben mit Doppelrundbogenfenstern gegliedert. Die vorhandene Mansard- und Dacheindeckung sowie die Kubatur des Daches wurden nachträglich verändert. Diese Veränderungen beeinträchtigt jedoch nicht die grundsätzliche Denkmalfähigkeit des Objekts, da die maßgeblichen bauzeitlichen Strukturen und Gestaltungsmerkmale weiterhin in hinreichendem Umfang erhalten und ablesbar sind. Die Fassadengliederung folgt insgesamt dem für die Entstehungszeit charakteristischen Prinzip der vertikalen Achsenbildung bei gleichzeitiger horizontaler Schichtung, wodurch die stark rustizierte Sockel- und Erdgeschoßzone, die Regelgeschosse und der obere Abschluss klar voneinander abgesetzt und ablesbar sind. Im Inneren bewahrt das Gebäude in weiten Teilen seine bauzeitliche Grundstruktur sowie wesentliche Ausstattungsmerkmale. Hierzu zählen insbesondere die erhaltene Treppenanlage, bauzeitliche Bodenbeläge, historische Türkonstruktionen einschließlich zugehöriger Beschläge sowie einzelne Stuckelemente im Treppenhaus und in der Wohnung des ersten Obergeschosses. Die überlieferte Substanz ermöglicht eine anschauliche Nachvollziehbarkeit der ursprünglichen Bauweise, der handwerklichen Ausführung sowie der funktionalen Gliederung eines innerstädtischen Wohnhauses der Entstehungszeit. Im Erdgeschoss befinden sich zwei kleine Nutzungseinheiten mit jeweils nur wenigen Räumen, deren ursprüngliche Nutzung als Wohn- oder Gewerbeeinheiten nicht eindeutig zu bestimmen ist. In den darüberliegenden Geschossen ist aktuell hingegen jeweils eine Wohnung ausgebildet, die sich über die gesamte Grundfläche des jeweiligen Geschosses erstreckt. Die rückwärtige Fassade (Hofseite) bietet einen starken Kontrast zur repräsentativen Straßenfront. Während vorne der Prunk herrscht, ist die Rückseite rein funktional und nutzorientiert gestaltet. Im Gegensatz zur straßenseitigen Rustizierung und Ornamentik ist die Hoffassade als glatte, ungegliederte Putzfläche ausgeführt. Prägend für die Rückansicht sind die parallel angeordneten Achsen von übereinanderliegenden Loggien. Diese wurden zum Teil geschlossen und nachträglich durch das Schließen der Brüstung verändert. Die Fensteröffnungen folgen keinem strengen dekorativen Schema, sondern korrespondieren mit der inneren Raumaufteilung (Treppenhaus, Küchen, Nebenräume). Die Schlichtheit der Rückfassade ist ein wichtiges denkmalpflegerisches Zeugnis für die hierarchische Trennung zwischen öffentlichem Repräsentationsanspruch (vorn) und privater Nutzbarkeit (hinten) im Mietshausbau der Jahrhundertwende. An das Gebäude schließt sich ein rückwärtiger Garten in Hanglage an. Insgesamt stellt das Gebäude ein in wesentlichen Teilen authentisch überliefertes Beispiel des städtischen Wohnhausbaus im frühen 20. Jahrhundert dar und ist ein anschauliches Zeugnis für die Expansion, die die Stadt Elberfeld im Industriezeitalter bzw. in der Gründerzeit erlebte und der sich ihre heutige Gestalt wesentlich verdankt. Der rasante Bevölkerungsanstieg führte zu einer gezielten Neuerschließung von Straßen und deren Bebauung mit Geschosswohnungsbau. Bauunternehmer waren hierzu gezielt tätig, so dass in kurzer Zeit geschlossene Straßenzeilen und Stadtviertel für bürgerliche Schichten entstanden. Hierzu stellt das Gebäude einen städtebaulich unverzichtbaren Bestandteil dar. Besonders hervorzuheben ist dabei der außergewöhnlich hohe Anteil erhaltener bauzeitlicher Substanz, insbesondere an Fenstern und Türen, der die ursprüngliche Gestaltung und handwerkliche Ausführung in besonderer Weise anschaulich macht. Seine äußere Gestalt sowie die innere Struktur veranschaulichen die architektonischen und städtebaulichen Leitvorstellungen der Entstehungszeit und tragen zur geschlossenen Wirkung des historischen Straßenzuges bei. Zusammen mit dem benachbarten Gebäude Marienstraße 83 weist es darüber hinaus eine in der Marienstraße seltene Ornamentik des Jugendstils auf. Das Gebäude ist unverzichtbarer Bestandteil der historischen Bebauung eines weitgehend erhaltenen Straßenzuges im Bereich der Elberfelder Nordstadt und somit ein Zeugnis für die Geschichte Elberfelds. Erhaltung und Nutzung liegen deshalb gemäß § 2 (1) DSchG aus städtebaulichen und wissenschaftlichen Gründen im öffentlichen Interesse. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf das gesamte Gebäude.