Beschreibung
Das Objekt Neumarkt 26 ist ein im Jahre 1912 fertig gestelltes Kaufhaus, das in den Jahren 1917 und 1929 erweitert wurde. Das Gebäude weist an zwei Außenseiten noch die ursprüngliche Sandsteinfassade auf, in zwei Bereichen ist eine in den Jahren 1959/60 erstellte, vorgehängte, weitgehend verglaste Rasterfassade sichtbar. Das ursprüngliche Gebäude wurde in den Jahren 1910 bis 1912 nach Plänen des Architekten Prof. Wilhelm Kreis (1873-1955) erbaut, die Pläne für die Umgestaltung 1959/60 lieferte Prof. Hermann Wunderlich (1899-1981).
Die Sandsteinfassade in der Neumarktstraße war ursprünglich völlig symmetrisch aufgebaut. Einen mittleren, sechsachsigen Abschnitt flankierten außen jeweils siebenachsige Fassadenabschnitte. Bei Umbauten in den Jahren 1959/60 wurden die beiden östlichen Achsen, an der Ecke Neumarkt/Neumarktstraße, durch eine Rasterfassade ersetzt. Der mittlere Fassadenabschnitt wird durch Kolossalpilaster gegliedert, vor den Pilastern sind insgesamt fünf etwa lebensgroße Sandsteinfiguren angebracht. Zwischen den Pilastern befinden sich jeweils vierteilige Fensterbahnen. Im Erdgeschoss befand sich im Bereich der beiden mittleren Achsen der ursprüngliche Haupteingang zum Gebäude. In den beiden äußeren Fassadenabschnitten treten die Fensterbahnen im Wechsel mit flachen, sich nur wenig vorwölbenden Erkern auf. Alle diese beschriebenen Gliederungen erstrecken sich über vier Geschosse, über einem durchlaufenden Gurtgesims befindet sich ein weiteres Geschoss, welches in seiner Gestaltung auf den ursprünglichen Mittelgiebel im Dachbereich ausgerichtet war.
Ein massiver Eckpfeiler bindet die Fassade in der Grünstraße an die Hauptschauseite an. Von der ursprünglichen Fassade ist im Bereich der Grünstraße nur noch ein Teil vorhanden. Dabei handelt es sich um den Bereich des Giebels, der auf beiden Schmalseiten des Gebäudes, zum Neumarkt und eben in der Grünstraße, gleichartig gestaltet war. Der eigentliche Flügel in der Grünstraße, der ein Geschoss niedriger war als der Hauptbaukörper, weist heute eine Glas-Raster-Fassade auf, die beim Umbau 1960 entstand. Die schmale Giebelwand des Hauptbaukörpers ist in drei Bereiche unterteilt. In den äußeren Bereichen befinden sich jeweils relativ flache, sich nur wenig vorwölbende Erker, den mittleren Bereich markiert eine sechsteilige Fensterbahn. Diese Gliederung erstreckt sich wiederum auf die unteren vier Geschosse, das fünfte Geschoss ist durch ein Gurtgesims wie auf der Hauptschauseite optisch abgeteilt. Im Bereich der sechsteiligen Fensterbahn durchdringen drei Rampen der zugehörigen Parkhausspindel die Fassade.
In der Neumarktstraße sind im Erdgeschoss zwei Eingänge neu angelegt worden, die symmetrisch zur Mittelachse der Fassade liegen. An den Gebäudeecken zur Grünstraße und zum Neumarkt befinden sich heute ebenfalls Eingänge. In diesen Bereichen sind jeweils Vordächer angebracht worden. Weitere Eingänge am Neumarkt und in der Grünstraße befinden sich jeweils in den Bereichen der späteren Umbauten.
Alle historischen Fassaden des Gebäudes bauen auf dem Grundstock von nur zwei verschiedenen Achsentypen auf, die durch eine entsprechende Anordnung die verschiedenen Bilder der einzelnen Fassadenabschnitte ergeben. Zum einen gibt es den Typus mit Erker, zum anderen die Achse mit den mehrteiligen Fensterbahnen. Die Achsen werden jeweils durch massive Pfeiler voneinander getrennt, die keinerlei Zierwerk besitzen.
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Den oberen Abschluss der gesamten Fassade bildet heute ein profiliertes Kranzgesims, das im Mittelabschnitt der Fassade Neumarktstraße unterbrochen ist. In diesem Bereich, der ursprünglich zum Giebel im Dachbereich überleitete, sind die Fensteröffnungen im vierten Obergeschoss deutlich höher. Ein weiteres Gesims bildet heute hier den Abschluss. Es diente ursprünglich auch als Auflage für den Giebel.
Nach den Kriegszerstörungen von 1943 und den zahlreichen Umbauten zwischen 1950 und 1960 blieben vom ursprünglichen Gebäude nur die Fassaden in der Neumarktstraße und in der Grünstraße übrig. Diese Teile zeigen jedoch anschaulich die wichtigsten Tendenzen des Warenhausbaus um 1910, als dieser Bautypus in Deutschland zu seiner vollen Blüte entwickelt wurde. Zu den damals maßgeblichen Architekten gehörte neben Alfred Messel und Josef Maria Olbrich auch Wilhelm Kreis, der neben dem Elberfelder Haus noch sieben weitere Kaufhausbauten zwischen 1910 und 1914 errichtete.
Kreis versucht, durch das Vor- und Zurückspringen einzelner Bauteile eine Gliederung der ca. 130 m langen Hauptfassade zu erreichen. Dabei verwendet er ausschließlich zwei verschiedene Achsentypen, so dass ein einheitlicher Gesamteindruck gewahrt bleibt. Den ausschließlich vertikal orientierten, relativ schmalen Achsen setzt Kreis einen stark betonten, horizontal orientierten oberen Fassadenabschluss entgegen, der neben den horizontal verlaufenden Gesimsen vor allem mit dem flachen, breit gelagerten Mittelgiebel rechnete. Der Verlust des Giebels, der die langgestreckte Fassade mit dem ursprünglichen Haupteingang zentrierte, lässt heute die Fassade als endlose Abwicklung gleichartiger Motive erscheinen. Auch ist das Verhältnis Höhe zu Breite der Gesamtfassade gestört, auch hier rechnete der Architekt mit dem Giebel und dem ebenfalls zerstörten hohen Dach.
Kreis nimmt in seinem Entwurf zahlreiche Anregungen auf, vor allem von Olbrich, ergänzt diese jedoch durch eigene Ideen und Motive. Im Gegensatz zum weitgehend ungebrochenen Höhendrang bei Olbrichs Bauten versucht Kreis ein Gleichgewicht horizontaler und vertikaler Linien zu erreichen. Die Verwendung von kleinteiligem Zierwerk ordnet er dem Gesamteindruck unter, den die übergreifenden vertikalen und horizontalen Linien ergeben. Im Inneren des Gebäudes übernimmt Kreis die damals ebenfalls weit verbreitete Idee eines Lichthofes als zentralen Raum, variiert diesen Gedanken jedoch, indem er in Elberfeld drei kleinere Lichthöfe entlang der Hauptachse anordnet. Es wird deutlich, dass sich Kreis mit seinem Gesamtkonzept an den damals neuesten Entwicklungen orientierte, dass er mit seinen Variationen teilweise sogar selbst als Vorbild für spätere Beispiele erscheint.
Aus städtebaulicher Sicht erscheint der Kaufhausbau als eines der frühen Beispiele, die eine übergreifende Ordnung in einem weitgehend ungegliederten Bereich der Innenstadt erzielen wollen. Dabei ist die Zusammenlegung kleinräumiger Parzellen zu ausgedehnten Flächen mit entsprechender Bebauung als beispielhaft für die Umgestaltung der Städte zu Beginn des 20. Jahrhunderts anzusehen.
Erhaltung und Nutzung liegen daher gemäß § 2 (1) DSchG aus städtebaulichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Gründen im öffentlichen Interesse.
Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf die historischen Fassadenabschnitte aus der Erbauungszeit in der Neumarktstraße und der Grünstraße.
(Mo)
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