Wuppertal / Denkmalliste

Denkmalliste

Details

Parsevalstraße 35
Adresse Parsevalstr. 35
Stadtbezirk Barmen
Denkmalnummer 3749
Eintragungsdatum 27.09.1995
Schutzumfang gesamtes Gebäude
Klassifizierung Denkmal
Beschreibung
Bei dem Objekt Parsevalstraße 35 handelt es sich um ein 1896 in Massivbauweise errichtetes, zweigeschossiges Wohnhaus mit Satteldach; das Dachgeschoss ist ausgebaut. Das Gebäude weist eine gegliederte und verputzte Fassade auf. Das heißt: 1. Die Fassade gliedert sich in vier Achsen. Die beiden mittleren Achsen werden im Dachbereich durch ein Zwerchhaus zusammengefasst, das von einem Schopfwalmdach abgeschlossen wird. 2. Die Fassade zeigt eine für die Architekturauffassung der Entstehungszeit des Gebäudes typische historistische Ornamentik. Die architektonische Formensprache des Historismus erschöpft sich im Wesentlichen in ihrem repräsentativen Anspruch und findet im Stilzitat ihren Ausdruck. Das Objekt Parsevalstraße 35 zeigt insbesondere Zitate gotischer Stilelemente, die mit ungebundenen Ornamenten kombiniert werden. Die insgesamt zurückhaltende Dekoration findet dabei ihre Höhepunkte in der überaus reichen Gestaltung des Eingangsbereiches sowie in der Fassadengestaltung im Bereich des Zwerchhauses. Das Erdgeschoss erhebt sich über einem glatt verputzten Sockel. Während die erste Achse (von links) dem Eingangsbereich vorbehalten bleibt, befinden sich in der zweiten und dritten Achse von links längsrechteckige, vergitterte Kellerfenster, in der vierten Achse von links eine Garagentür (das heißt die zur Garage umgebaute ehemalige Hofdurchfahrt). ... Der weitgehend im historischen Zustand erhaltene, rundbogenförmig abgeschlossene Eingangsbereich ist gewissermaßen als Gewändeportal mit ornamentierten (d.h. mit Bänderfriesen - Eierstab, Zahnschnittfries - dekorierten) Archivvolten gearbeitet. Unterhalb der gleichfalls profilierten, abgestuften Kämpferplatte zeigt das Gewände jeweils eine in dieses eingeschnittene Nische, die nach oben durch ein Rocaille-Motiv abgeschlossen wird. Auf der Kämpferplatte ruht zudem eine der Wand vorgeblendete, den Eingangsbereich zusätzlich rahmende äußere Dekoration; diese zeigt zunächst eine kielbogenförmige Wandvorlage, die die Bogenform des oberen Eingangsbereichs ergänzt, sowie links und rechts zwei mehrfach gegliederte, vertikale Wandvorlagen mit aufwändig gearbeitetem Schlussstück. Der kielbogenförmigen Wandvorlage ist ein Schriftband vorgeblendet, dessen Schriftzug (Anno 1896) das Jahr der Fertigstellung des Gebäudes anzeigt. .. Rechts und links des Oberlichtes ergänzen wiederum vertikale, gleichsam rahmende Wandvorlagen die Gestaltung. Zwischen diesen spannt sich oberhalb der Fensteröffnung ein profiliertes Gebälkstück, das einen zur Verdachung derselben dienenden Dreiecksgiebel mit dekoriertem (als Dekoration: Zirkel/Dreieck - vermutlich als Freimaurersymbol - und freie Ornamente) Giebelfeld stützt. ... Den gestalterischen Abschluss der Fassade des Zwerchhauses bildet ein Holzverkleidung. Der Dachbereich weist außer dem Zwerchhaus, das die zweite und dritte Achse verklammert, in der ersten wie vierten Achse jeweils eine schlichte Dachgaube auf. Das Objekt Parsevalstraße 35 repräsentiert in seinen Reminiszenzen an die sakrale und profane Architektur des Mittelalters, d.h. in seiner an (neu-)gotischen Stilelementen (unter anderem Maßwerk, Thematisierung des Eingangsbereiches als Gewändeportal, aber auch Wappenornamentik) orientierten Gestaltung, ein anschauliches Beispiel für die Architekturauffassung des Historismus um 1900. Der nachträgliche Einbau moderner Fenster, die Modernisierung der Eingangstür/des Türblattes bleiben in diesem Kontext von untergeordneter Bedeutung und stellen die Denkmaleigenschaft des Gebäudes nicht in Frage. Darüber hinaus ist das Gebäude unverzichtbarer Bestandteil der Parsevalstraße als eines historischen Straßenzuges. Das Objekt gehört zu der historischen Bebauung der unteren Parsevalstraße an der Einmündung derselben zur Rudolfstraße, die in diesem Bereich gleichermaßen noch eine weitgehend gut erhaltene, historische Häuserzeile aufweist. (Historisch erhaltene Zeilenbebauung bedeutet dabei im allgemeinen nicht, dass alle historischen Gebäude aus derselben Zeitspanne stammen und den gleichen Baustil aufweisen müssen; entscheidend ist allein, dass sie in ihrer historischen Erscheinungsform identifizierbar bleiben müssen und nicht in starkem Maße modern überformt sein dürfen). Das Gebäude zeugt mithin nicht nur für die Architekturauffassung seiner Zeit; es ist zudem für die städtebauliche Situation von besonderer Bedeutung und geeignet, Zeugnis abzulegen für die Entwicklung beziehungsweise die Baugeschichte der ehedem selbstständigen Stadt Barmen. Erhaltung und Nutzung liegen daher gemäß § 2 (1) DSchG aus städtebaulichen, wissenschaftlichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf das gesamte Gebäude. (La)