Beschreibung
Das Objekt Zur Waldesruh 30 ist eine freistehende Villa mit Mansarddach, die in Massivbauweise im Jahre 1912 erbaut wurde. Das Gebäude besitzt verputzte Fassaden, das Dach ist verschiefert.
Die Eingangsseite des Gebäudes wird durch einen vorgestellten Portikus dominiert, der im Dachbereich mit einem Dreiecksgiebel abschließt, die Rückseite besitzt ein Zwerchhaus im Dachbereich, die beiden Giebelseiten bleiben ohne auffälliges Leitmotiv. Die Villa wird von einem Landschaftsgarten nach englischem Vorbild eingefasst, die Grundstückseinfriedung gehört noch zum originalen Bestand.
Die Eingansseite ist fünfachsig angelegt, die drei innenliegenden Achsen werden durch den Portikus und das zugehörige Zwerchhaus nochmals hervorgehoben. Die Fensteröffnungen im Erdgeschoss sind auf dieser Seite gleichartig gestaltet. Sie besitzen jeweils profilierte Einfassungen mit aufgesetzten Schlusssteinen und Klappläden. Die Türöffnung liegt in einer flachen Nische, die seitlich von Pilastern eingefasst wird. Die Türöffnung selbst wird von einem profilierten Rahmen eingefasst. Die Tür ist einflügelig. Sie besitzt ein feststehendes Oberlicht mit Ziersprossen. Der Türflügel wird durch kassettenartige Füllungen, ein kleines halbrundes Fenster und Schnitzwerk verziert. Der vorgeblendete Portikus ruht auf ionischen Säulen, die überdeckende Terrasse sowie ein gusseisernes Brüstungsgitter auf. Die Terrasse wird von einem Zwerchhaus hinterfangen, das eine Nische mit einer eingestellten Türöffnung sowie zwei Fensteröffnungen aufweist. In der Nische sind zusätzlich zwei Säulen eingestellt. Der Dreiecksgiebel nimmt ein querovales Fenster auf, das durch Blattgirlanden gerahmt wird.
Im Dachbereich befinden sich neben dem Zwerchhaus zwei Mansardfenster, die über den beiden äußeren Fassadenachsen angeordnet sind. Im Sturzbereich der Mansardfenster befindet sich ein Rundgiebel, seitlich werden die Fensteröffnungen durch volutenartiges Blendwerk flankiert.
Auf der Nordseite des Gebäudes befindet sich der Nebeneingang mit vorgelegter Treppe. Der Eingang wird, wie auch die gesamte Fassade, seitlich durch Pilaster flankiert. Die Eingangstür wird seitlich von zwei schmalen Fenstern flankiert, das Oberlicht, das einen Segmentbogen bildet, fasst die Tür mit den Fenstern optisch zusammen. Das Oberlicht wie auch die seitlichen Fenster weisen Ziergitter auf. Der Türflügel orientiert sich in seiner Gliederung an barocken Pilastertüren. Links neben dem Eingang befindet sich eine kleine Fensteröffnung mit einem Ziergitter. Im Mansardbereich befinden sich drei Fenster, die den beschriebenen Beispielen der Eingangsseite entsprechen. Im Bereich des Oberdaches befindet sich ein Dachaufbau über dem Nebeneingang.
Die südliche Fassade des Gebäudes wird ebenfalls durch Pilaster in drei Abschnitte gegliedert. Rechts befindet sich ein Fenster in den üblichen Proportionen, in der Mitte befindet sich eine nahezu quadratische Fensteröffnung, links ein Sprossenfenster mit Rundbogen im Bereich des Freisitzes. Im Mansardbereich sind über den beiden äußeren Abschnitten Fenster angeordnet, die den Beispielen auf der Eingangsseite entsprechen. Im Bereich der Mittelachse befindet sich ein breiter, mit zwei Fenstern ausgestatteter Dachaufbau. Darüber ist im Bereich des Oberdaches ein niedriges, mit vier Fenstern versehenes Zwerchhaus angeordnet.
Die Außenanlagen werden durch Rhododendron-Büsche, Rasenflächen und alten Baumbestand geprägt. Zur Straße hin wird das Grundstück weitgehend durch eine Einfriedung, bestehend aus Steingusssäulen und gusseisernen Gittern, abgegrenzt. Im Eckbereich an der Einmündung der Boltenbergstraße in die Straße Zur Waldesruh befindet sich der Haupteingang mit einem zweiflügeligen Tor.
Das Gebäude gehört zu den wenigen historischen Bauten in Wuppertal, deren historische Innenausstattung fast vollständig erhalten blieb.
Dabei verweisen vor allem die Zierformen auf die damals modernen Strömungen im Bauwesen, die sich an den Epochen des Barock, des Rokoko und des Zopfstils orientierten. Als Zeugnis für das relativ kurze Aufleben dieser Epoche ist das genannte Objekt unverzichtbar.
Durch seine herausgehobene Lage als Eckgebäude an der Haupterschließungsstraße des Quartiers am Boltenberg besitzt das Gebäude eine wichtige städtebauliche Funktion. Als wichtiger Orientierungspunkt vermittelt es zwischen den Bauten in der Boltenbergstraße und der Straße Zur Waldesruh.
Gemeinsam mit den übrigen historischen Bauten dokumentiert das Gebäude anschaulich die Entwicklung großbürgerlichen Wohnens am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erbaut für die Kaufleute und Färbereibesitzer Richard Lohe jr. und dessen Frau Anna schließt das Gebäude vom Anspruch her an die etwas ältere Bebauung auf der gegenüberliegenden Straßenseite an.
Erhaltung und Nutzung liegen daher gemäß § 2 (1) DSchG aus städtebaulichen, wissenschaftlichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse.
Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf das gesamte Gebäude einschließlich der straßenseitigen Einfriedung des Grundstücks ... .
(Mo)
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