Wuppertal / Denkmalliste

Denkmalliste

Details

Zur Waldesruh 34
Adresse Zur Waldesruh 34
Stadtbezirk Elberfeld-West
Denkmalnummer 4177
Eintragungsdatum 12.04.2001
Schutzumfang gesamte Gebäude
Klassifizierung Denkmal
Beschreibung
Bei dem Objekt handelt es sich um ein 1911 errichtetes Villengebäude mit ausgebautem Krüppelwalmdach. Das zweigeschossige Villengebäude in Massivbauweise liegt eingebettet in einer Grünanlage mit originaler Einfriedung und besitzt einen für die Erbauungszeit charakteristischen Bauschmuck. Das Eckgebäude zur Boeddinghausstraße erhielt oberhalb des glatt verputzten Erdgeschosses, das mit einer Sockelzone aus Bruchsteinquadern nach unten und mit einem profilierten Geschossgesims nach oben abschließt, ein verschiefertes Obergeschoss. Die Straßenfront zur Straße Zur Waldesruh, die ehemalige Burgholzstraße, sowie die gegenüberliegende Traufseite erhielten einen bekrönenden Schweifbogen in der Dachzone. Zudem springen im Erdgeschoss an jeder Gebäudeseite mehrachsige Rechteck- bzw. Polygonalerker sowie im Obergeschoss Balkonzonen hervor. Auch die Fensterformen variieren. Im Erdgeschoss finden sich unterschiedlich große Rechteckfenster ohne schmückende Rahmung. Dagegen setzt sich im Ober- und Dachgeschoss die helle Rahmung mit ihrer geschwungenen und vorkragenden Horizontalverdachung von dem dunklen Fassadenkleid deutlich ab. Neben Rechtecköffnungen sind dort auch Ovalfenster eingelassen. Das vorkragende, aber nicht um die Giebelflächen herumlaufende Traufgesims greift wie die geschwungene Profilleiste der Giebel die helle und kontrastierende Farbgebung der Fensterrahmung des Obergeschosses auf. Im Inneren liegt hinetr dem Eingangsbereich der östlichen Gebäudeseite die Diele, von der die Küche sowie das Ess- und Herrenzimmer Richtung Boeddinghausstraße erschlossen werden. Ein Treppenaufgang führt zum Obergeschoss mit seinen Schlafzimmern. Das o.g. Objekt hat bislang keine wesentlichen Veränderungen erfahren und veranschaulicht charakteristische Merkmale eines Villengebäudes kurz nach der Jahrhundertwende. Plastische Dekorationselemente wie die repräsentativen Schaufassaden zu beiden Straßenseiten greifen traditionelle Gestaltungs- und herrschaftliche Repräsentationsmerkmale auf. Der Schmuck weist neben Formelementen der Neurenaissance Motive des Neubarock auf. Somit ist das o.g. Gebäude ein authentisches Zeugnis eines Gestaltungswillens, der mit Eintritt ins 20. Jahrhundert nicht einfach nach überlieferten Vorlagen kopieren, sondern ideenreich aus mehreren Stilrichtungen neu zusammenstellen wollte. Mit seinen wesentlichen Gestaltungselementen bildet das Gebäude ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Architekturepoche. Trotz der Verschieferung, charakteristisches Merkmal der heimischen Bergischen Bauweise, verdeutlicht der fast würfelförmige Baukubus mit seinen geometrisch vor- und zurückspringenden Baukörpern den Einfluss der modernen Architektur. Dieser Formenwandel wirkt sich auf die punktuell eingesetzte Ornamentik aus. Hinzu kommen asymmetrische Gestaltungsmomente, die den gesamten Fassadenaufbau unterbrechen und auflockern. Die Materialvielfalt - Putz, Bruchstein, Schiefer, Holz und Werkstein - unterstützt den Farbkontrast der Fassadenflächen und gibt einen besonders überzeugenden Eindruck der kunsthandwerklichen Vorlieben dieser Zeit. Sein reiches, qualitätsvolles Dekor und die großzügigen Abmessungen machen das Villengebäude zu einem Zeugnis der Wohn- und Lebensvorstellungen der gehobenen Bevölkerungsschicht, welcher der Bauherr Architekt Horst Zimmer, angehörte. Darüber hinaus ist es im Zusammenhang der Straßenbebauung mit weiteren großbürgerlichen Wohnhäusern zu sehen, die den Aufstieg der Wupperstädte zu Industriegroßstädten dokumentieren. Aufgrund der starken Bevölkerungszunahme Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich ein regelrechter Bauboom, was zur Folge hatte, dass ganze Stadtviertel neu errichtet wurden, und zwar sowohl Arbeiterquartiere wie großbürgerliche Häuser in bevorzugter Wohnlage. Durch seine herausgehobene Lage als Eckgebäude an der Haupterschließungsstraße des Villenviertels am Boltenberg übernimmt das o.g. Gebäude auch eine wichtige städtebauliche Funktion. Gemeinsam mit den übrigen historischen Bauten dokumentiert die Villa anschaulich die Entwicklung großbürgerlichen Wohnens im beginnenden 20. Jahrhundert. Erhaltung und Nutzung liegen daher gem. § 2 (1) DSchG aus städtebaulichen, wissenschaftlichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse. Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf das gesamte Gebäude mitsamt seiner historischen Innenausstattung.