SUCHE  >  ERGEBNISLISTE  >  Details

Joseph-Haydn-Str.  

Bezeichnung: Joseph-Haydn-Str. Ecke Lönsstr. - Historische Pferdetränke an der ehem. Kohlstr.
Stadtbezirk: Heckinghausen
Straße: Joseph-Haydn-Str.  
Denkmalnummer: 4245
 
Eintragungsdatum: 22.11.2016
Austragungsdatum:
 
Schutzumfang: Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf die gesamte Anlage.
Eigentumsstatus:
 
Klassifizierung: Denkmal


Beschreibung:

Die historische Pferdetränke an der ehemaligen Kohlenstrasse, genau im Schnittpunkt der heutigen Lönsstr. und Joseph-Haydn-Str. gelegen, ist ein leicht erkennbares Relikt des alten Barmer Handelsweges, auf dem vor allem mit Kohle beladene Pferdefuhrwerke aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis über Oberbarmen und Heckinghausen zum Lichtscheid und von dort weiter nach Remscheid und Solingen fuhren.

Der Tränkbrunnen (z.Zt. ohne Wasserführung) besteht aus einem zweigeteilten, leicht segmentbogig geschwungenen Steintrog, der auf einem rückwärtig geschlossenen, nach vorn mit zwei Einstellnischen gefertigten Postament ruht.
Während der vorne 2,60m und hinten 2,37m messende doppelbeckige, aus einem Block gefertigte Trog, der ein mittleres Höhenniveau von ca. 90 cm erreicht, zur Tränkung der Pferde diente, wurden in die Fundamentnischen zwei weitere Becken eingestellt, die vorzugsweise Hunden als Tränke dienten, die oftmals die Kohlentreiber begleiteten.

Mittig hinter dem Doppelbecken erhebt sich, auf einem quadratischen Postament und einer wulstigen mit vegetabilen Motiven versehenen Plinte aufbauend, eine aus drei Trommeln bestehende Säule, die sich nach oben hin kaum merklich von 31,5 cm am Fußpunkt auf 27 cm am Kopfpunkt verjüngt. Die Trommeln weisen jeweils eine Länge von 66 cm auf. Bekrönt ist die Säule mit einem leicht stilisierten doppelten Pferdekopf mit seitlicher Profilansicht von Front- und Rückseite aus.
Die nicht in allen Details identischen Pferdeköpfe ‚wachsen' aus einem der Säule gewissermaßen als Kapitell aufsitzenden Keilstein. Die Gesamthöhe der Anlage beläuft sich auf ca. 5,50 m. Gefertigt wurde sie aus Muschelkalk.
Die an der Frontseite der unteren Trommel befindlichen Anschlusspunkte für die Wasserführung sind noch vorhanden..


Die Inschrift auf der Frontpartie des Hauptbeckentroges lautet:

"Seid gut zu den Tieren!"


Der leider bislang nicht bekannte Steinmetz wählte in sinnvoller Affinität zum Thema des Tränkbrunnens als Schrifttypus eine Bastarda.
Es mag jedoch auch sein, dass diese Intention auf den Stifter des Tränkbrunnens, Johann Caspar Engels (1866-1932), der sich auch an zwei weiteren, dem Brunnen nah gelegenen Orten als großer Tierfreund erwies.
Hier ist zunächst das vom Berliner Bildhauer Reinhold Kübart um 1930 geschaffene Bronzerelief "Jesus heilt ein mißhandeltes Tier" (es handelt sich um einen Esel) zu nennen, das sich in einer Nische der Dicke-Ibach-Treppe (siehe Denkmal Nr. 2985) in den Barmer Anlagen befindet und erst nach Engels Tod, im April 1933 angebracht wurde.

Weiterhin ist die 1930 gestiftete Sandsteingedenktafel von 1,20 m Höhe für Arthur Schopenhauer (1788-1860) zu erwähnen, die in der Biegung der Joseph-Haydn-Str. errichtet wurde.

Sie trägt die Inschrift:

MOTTO:
TUE DEINEN MUND AUF
FÜR DIE STUMMEN UND FÜR
DIE SACHE ALLER; DIE VER-
LASSEN SIND"

IN SEINEM KAMPFE GEGE
DIE "SCHEUSSLICHE TIERMISS-
HANDLUNG "UND GEGEN DIE
"RUCHLOSE VIVISEKTION".

DER WUPPERTALER TIERSCHUTZ
VEREIN


Johann Casper Engels entstammte dem jüngeren Zweig der Barmer Familie Engels, den sog. ‚Engels im Sträßchen' (Brucher Str. 2 und 4; heute Teil der Wittensteinstr. von Spinnstr. bis Engelsstr.).
Er war Teilhaber der von seinem gleichnamigen Großvater 1851 gegründeten Oeilletsfabrik, der späteren Metallwarenfabrik Robert Zinn, Engels & Co. KG.
Engels fühlte sich sowohl dem Barmer Verschönerungsverein als auch dem Wuppertaler Tierschutzverein in besonderem Maße verbunden und förderte deren Aktivitäten mit z.T.
erheblichen Summen (So überwies er etwa 1917 bis 1919 dem Tierschutzverein 100.000 Mark). Das langjährige Wohnhaus Johann Caspar Engels, die Richard-Wagner Str. 27 (seit 1935 Josef- Haydn-Str.), befand sich quasi jeweils nur einen Steinwurf weit von seinen o.g. Stiftungen entfernt. Wenige Jahre vor seinem Tod (1932) verzog J.C. Engels in die Schweiz.
Das Aufstellungsdatum des Pferdetränkbrunnens konnte bislang nicht ermittelt werden. Es dürfte aber im Errichtungszusammenhang mit drei weiteren im Jahre 1912 errichteten öffentlichen Tränkbrunnen (einer in Elberfeld, zwei in Barmen) zu sehen sein, die allesamt entweder den Einwirkungen des 2. Weltkrieges, oder dem Straßenausbau zum Opfer fielen.

Begründung der Denkmaleigenschaft

Die dokumentarische Bedeutung des für Wuppertal letzten überlieferten Tränkbrunnens vereint also sowohl Aspekte der regionalen Wirtschaftsgeschichte - als markanter Punkt im Verlauf des Barmer Handels- und Kohlenweges - als auch der Orts- und Personalgeschichte, dessen Errichtung als ein typisches Ergebnis der für Barmen/Wuppertal wirtschaftlich, sozial und stadtgestalterisch prägenden Einflussnahme der führenden Fabrikantenfamilien auf das gesamte Gemeinwesen Stadt im 19. und frühen 20. Jh. zu bewerten ist.
Schließlich wirft er durch seine Gestaltung, die den geschundenen Kohlentreiberpferden im Besonderen ein Denkmal und den Menschen im Allgemeinen ein Mahnmal setzt, ein Schlaglicht auf den seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wachsenden Tierschutzgedanken und dessen zunehmender Institutionalisierung in Tierschutzvereinen. Der Tränkbrunnen ist ein anschauliches und gut erhaltenes Beispiel des in Stein manifestierten modernen Tierschutzgedankens.

Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf die gesamte Anlage.

Quellen und Literatur

- Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 24, 19013, S. 54, 86, 88-89
- Engels, Wilhelm: Mittelalterliche Verkehrswege und neuzeitlicher Straßenbau im Remscheider Gebiet und seiner weiteren Umgebung, Beiträge zur Geschichte Remscheids, 4. Heft, 1939
- Festschrift 100 Jahre Robert Zinn, Engels Co. KG, 1851 - 1951
- Festschrift 100 Jahre Tierschutzverein Wuppertal e.V., 1862 - 1962
- Generalanzeiger der Stadt Wuppertal v. 13.04.1933
- Meyer-Kahrweg, Ruth: Denkmäler Brunnen und Plastiken in Wuppertal, Beiträge zur Denkmal- und Stadtbildpflege des Wuppertals Band 10, Wuppertal 1991.


Kontakt: Hinweise oder Anregungen senden