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Freiligrathstr.   2

Bezeichnung: Freiligrathstraße 2
Stadtbezirk: Heckinghausen
Straße: Freiligrathstr.  2
Denkmalnummer: 3891
 
Eintragungsdatum: 18.04.1996
Austragungsdatum:
 
Schutzumfang: gesamtes Gebäude
Eigentumsstatus:
 
Klassifizierung: Denkmal


Beschreibung:
Bei dem Objekt Freiligrathstraße 2 handelt es sich um ein dreigeschossiges, vierachsiges Wohnhaus mit flach geneigtem Pyramidendach und Putzfassade in spätklassizistischen Stilformen. Erschlossen wird das 1889 für den Fabrikanten Friedrich Feldhoff errichtete Haus über eine wohl 1912 in zeitgenössischen Stilformen angefügte, zweiläufige Treppe mit mächtigen Pfosten, die zu dem im Hochparterre gelegenen Hauseingang auf der dreiachsig gegliederten Westseite führt.
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Die Ostseite des Gebäudes ist glatt verputzt.
Die Gliederung der Fassade erfolgt überwiegend durch horizontal gelagerte Architekturformen, die die Bedeutungshierachie der einzelnen Geschosse betonen. So ist der leicht anziehende, auf Grund der Hangsituation sehr hohe Gebäudesockel durch Bänderputz gegliedert und ebenso wie das Hochparterre mit Eckquaderungen als Sockelbereich definiert.
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Die Eingangsseite des Erdgeschosses ist entsprechend gestaltet, lediglich die Pilaster des Portals veranlassen das Geschossgesims zu einer Verkröpfung. Über diesem stark profilierten Geschossgesims, das von den geschweiften Schlusssteinen der Erdgeschossfenster unterfangen wird, erhebt sich das aufwändig als "piano nobile" ausgezeichnete 1. Obergeschoss.
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Im Gegensatz zum Erdgeschoss ist die Westseite beim Obergeschoss erheblich anders als die Straßenfassade gestaltet. Lediglich in der Eingangsachse findet sich ein Fenster, dem allerdings bei ansonsten entsprechender Gestaltung die Giebelverdachung fehlt.
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Das ebenfalls glatt verputzte, auf beiden Schauseiten einheitlich gestaltete 2. Obergeschoss ist als Mezzaningeschoss definiert, das durch ein wiederum sich verkröpfendes Brüstungsgesims über Konsolen und wesentlich kleinere Fensteröffnungen bestimmt wird.
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Das genannte Objekt ist unverzichtbarer Bestandteil der historischen Bebauung Heckinghausens, kann es doch als eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse für die Geschichte und die städtebauliche Entwicklung Barmens, die typische Bauweise im späten 19. Jahrhundert und die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse in diesem Stadtgebiet gelten, das vor den Kriegszerstörungen zu den stolzesten Barmens gehörte.
Errichtet wurde das Haus an der damals Wallstraße geheißenen Straße im Jahr 1889 für den Eisengießereibesitzer Friedrich Feldhoff, der bereits seit ca. 1875 auf dem Grundstück Wallstraße 4 wohnte. Er war Direktor der am 13. März 1865 gegründeten, zunächst in der Thalstraße ansässigen Fabrik Feldhoff & Co., die um 1875, dem Wohnhaus gegenüber, an der Unteren Lichtenplatzer Straße 32/34 errichtet worden war. Diese Eisengießerei war eine reine "Kundengießerei", die zunächst die heimische Textil- und Bauindustrie mit gußeisernen Fabrikfenstern und Bausäulen belieferte und später allgemein Werkzeug- und Maschinenbau betrieb. Das unmittelbare Nebeneinander von Fabrik und Direktorenwohnhaus ist charakteristisch für das 19. Jahrhundert, wie noch heute an vielen Stellen des Wuppertales die Durchmischung der unterschiedlichen Funktionen von Wohnen und Gewerbe abzulesen ist. Noch bis in die 1970er Jahre blieben Wohnhaus und Fabrik in Familienbesitz. Als der Firmengründer 1906 seine Aktivitäten auf das Zweigwerk in Wülfrath verlegte, übernahm der Sohn Friedrich Feldhoff jr. Stammhaus und Wohnhaus - wohl auf ihn sind die für 1912 belegten Baumaßnahmen zurückzuführen, denen die veränderte Eingangssituation zuzuordnen ist. Erst Mitte der 1970er Jahre erfolgten der Abbruch der Fabrik und die Neubebauung mit Wohnhäusern durch die GWG, auch werden seither nicht mehr die Feldhoff-Erben als Eigentümer des Wohnhauses genannt.
Der Ausgangspunkt der Erschließung des Gebietes im damals noch von Gärten und Wiesen geprägten Barmer Süden war die um 1840 vollzogene Anlegung des Lutherischen Friedhofes - der der Wuppertaler Gemeinde zugeordnet war - zwischen den Hofschaften Seelhof, Oberheidt und Krebskleef. In den 1860er Jahren begann die moderne städtebauliche Entwicklung mit dem Bau der Lichtenplatzer Chaussee und der Projektierung der Wallstraße, die etwa bis zur heutigen Hebbelstraße ausgeführt wurde und in der Freiligrathstraße aufgegangen ist. Ursprünglich war geplant, die Wallstraße in gerader Linie nach Ostsüdosten verlaufend über die heutige Kleestraße bis in die Gosenburg zu führen. Der Verlauf des unteren Teiles der Freiligrathstraße mit den ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Bauten Nr. 4, Nr. 18 und Nr. 20 geht zurück auf das rektanguläre Straßennetz Heckinghausens, das geprägt ist von senkrecht zu den Höhenlinien verlaufenden Straßen mit enormer Steigung (z. B. Werlèstraße) und den weitgehend steigungsfrei entlang der Höhenlinien geführten Querstraßen (z. B. Kleestraße). Erst in den 1890er Jahren ging man dazu über, die Straßen schräg zu den Höhenlinien anzulegen, um ein Netz von Straßen mit etwa gleichbleibend mäßigen Steigungen zu erhalten (Hebbelstraße, Oberwall, Hauffstraße).
Außer den genannten Bauten an der unteren Freiligrathstraße haben nur wenige bauliche Zeugnisse den Krieg überstanden. Neben unzähligen Wohnhäusern, der Barmer Stadthalle, den beiden Gewerbeschulen und der Textilfabrik Ed. Molineus hat der Barmer Süden zudem in der Nachkriegszeit den Abbruch des nur leicht beschädigten Planetariums und noch in den 1970er Jahren den Abbruch der Feldmannschen Fabrik hinnehmen müssen. Die historische Bedeutung dieses Gebietes, von der genanntes Objekt Zeugnis ablegt, wird erst in jüngster Zeit wieder einer breiteren Öffentlichkeit bewusst. Noch in dem 1928 erschienenen Band "Deutschlands Städtebau: Barmen" hat man die Feldhoff-Fabrik mit einer Abbildung gewürdigt. Nur unwesentlich beeinträchtigen spätere Veränderungen wie der Einbau neuer Fenster das Erscheinungsbild des Objektes, während die Treppenanlage als eine durchaus qualitätvolle Hinzufügung vom Anfang des 20. Jahrhunderts betrachtet werden kann. Das Gebäude stellt somit trotz der geringfügigen Veränderungen ein anschauliches Beispiel spätklassizistischer Architekturauffassung dar und ist somit ein Zeugnis für die Geschichte der Baukunst und ein besonders wichtiges Zeugnis für die Geschichte der ehemals selbstständigen Stadt Barmen.

Erhaltung und Nutzung liegen deshalb gemäß § 2(1) DSchG aus städtebaulichen, wissenschaftlichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse.

Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf das gesamte Gebäude.


(ch)


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