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Brahmsstr.   12

Bezeichnung: Brahmsstr. 12
Stadtbezirk: Heckinghausen
Straße: Brahmsstr.  12
Denkmalnummer: 2201
 
Eintragungsdatum:
Austragungsdatum:
 
Schutzumfang: ganzes Gebäude, der Vorgartenbereich, di
Eigentumsstatus:
 
Klassifizierung: Denkmal


Beschreibung:
Bei dem Objekt Brahmsstraße 12/14 handelt es sich um ein in Massivbauweise ausgeführtes und mit einem Satteldach versehenes, zweigeschossiges Doppelwohnhaus. Die beiden Doppelhaushälften sind symmetrisch angeordnet und in offener Bauweise erstellt worden. Erbaut wurde das Gebäude durch die Architekten Fr. und K. Röder aus Barmen in den Jahren 1911/12. Bauherren waren der Fabrikant Carl Klaffke (Nr. 12) und der Kaufmann Johannes Strunk (Nr. 14). Das Gebäude besitzt eine gegliederte Putzfassade. In der Straßenansicht teilt sich das Gebäude in einen giebel- und einen traufständigen Bereich. Seitlich schließt der traufseitige Hausteil (Nr. 12) mit einem großzügig durchfensterten, gerundetem Turmerker unter einer flachen Schieferhaube ab. Der traufseitige Fassadenbereich wird zudem durch zwei Loggien mit jeweils gleichgestaltig vorspringenenden Balkonen- bzw. Erkern betont, wobei der linke Erker (Nr.14) als architektonisches Bindeglied des Überganges von der Giebel- zu Traufansicht fungiert. Die Loggiaöffnungen selbst werden an ihren Aussenkanten durch Sandsteinsäulen flankiert. Die Balkonvorbauten sind ebenfalls in Sandstein gehalten und heben sich durch diesen Materialwechsel deutlich von der straßenseitigen Hauptfassade ab.
Die schmiedeeisernen Brüstungsgeländer zeigen eine typisch zweiholmige Ausführung mit flächig eingelassenen umrahmten Volutenschnecken.
Oberhalb der Erkerfenster befinden sich mittig Motivsteine und ein umlaufendes eierstabförmiges Zierband.
Die rustikale Sockelzone des Hauses wird durch heimische Grauwacke in Form, Struktur und Farbe hervorgehoben. Einen weiteren Akzent setzt der Gebäudeteil Nr. 12 mit seinem auslaufenden gerundeten Turmerker. Dieser Abschluss des traufseitigen Gebäudeteils ist ein ebenso markantes Detail der Straßenansicht wie die giebelständige Schildwand auf der linken Seite des Doppelwohnhauses.
Diese zeichnet sich durch eine horizontale Dreiteilung aus. Besonders akzentuiert ist der in der Mittelachse befindliche Dachgeschosserker, der einen trapezförmigen Grundriss besitzt und allseitig mit neunfeldrigen Sprossenfenstern besetzt ist. Getragen wird der Erker durch eine dreigliedrig profilierte nach unten verjüngend auslaufende Konsolenbasis. Die Spitzdachgiebelfläche ist verschiefert und kragt deutlich über den Erker hinaus. Die unteren Sichtflächen des Schieferabschlusses sowie die beiden gegenüberliegenden Dachüberstände des Giebels sind mit eingelassenen ellipsenförmigen Ornamenten versehen. Die Dachüberstände rollen jeweils in Voluten aus. Im Obergeschoss liegen sich zwei Fenster vermittelnd in einer flächigen Faschenausbildung gegenüber. Den mittleren Flächenteil schmückt ein für das Bergische typisches mit einem eingeschlossenen und von einer Stuckperlleiste eingefasstes Medaillon.
Im Erdgeschoss ist die Giebelwand deutlich zur Eingangsseite hin abgerundet. Die durch die Abrundung entstehende überkragende Gebäudekante des Obergeschosses ist ein weiteres markantes Detail der straßenseitigen Fassadenabwicklung.
Die linkerhand anschließende Eingangsfassade ( für Nr.14) besitzt eine dreiteilige an der Basis höhengestaffelte Fenstergruppe, die durch die Abrundung der Gewände der beiden äußeren vierfeldrigen Fensterbänder im obersten Feld den Eindruck eines einheitlichen Großbelichtungsfensters vermittelt. Die ansteigende Staffellung trägt dem Verlauf des inneren Treppenhauses Rechnung.
Die original (in jüngerer Zeit befensterte) erhaltene Hauseingangstür mit dem historischen Vordach und der dazugehörenden, ebenfalls noch aus der Erbauungszeit erhaltenen Wandleuchte sowie die im Stil des Hauses neuüberdachte Kellerhalstreppe bilden eine harmonische Einheit und sind wesentliche, gestalterisch prägende Bestandteile des Gebäudes.

Originalfenster sind im Haus vor allem in der linken Haushälfte und in den oberen Geschossen erhalten geblieben, während der überwiegende Teil der Fenster im Erdgeschoss der rechten Haushälfte ( Nr.12) in Kunststoff ausgeführt wurde. Eine Ausnahme bildet hier der Erdgeschossteil des Erkerturmes, der ebenfalls noch die Ursprungsfenster aufweist.

Ein giebelseitiger mit Schiefer bedachter Vorbau, mit einer nicht historischen Hauseingangstüre unter dem historischen Vordach bildet die Eingangssituation der rechten Haushälfte.

Die Rückseite des Gebäudes entspricht in der architektonischen Gliederung und Fassadenabwicklung im wesentlichen jener der Schauseite. Sie ist allerdings in der materiellen Gestaltung deutlich schlichter als reine Putzfassade und unter Verzicht auf jedwede Ornamentik ausgeführt worden. Analog zur straßenseitigen Fassade finden sich über den Wintergärten des EG jeweils offene Loggien mit vorgelagerten Balkonen
Im Gebäudeinneren sind in beiden Haushälften zahlreiche Details der historischen Ausstattung erhalten, die in anschaulicher Weise den schon durch die Architektur des Hauses überlieferten Stil des bürgerlichen Wohnens um die Jahrhundertwende ergänzen.
Zu der insbesondere in den Erdgeschossen weitestgehend im Originalzustand erhaltenen Gebäudeausstattung gehören: Bodenbeläge (Parkett); Wand und Deckenverkleidungen; Originaltüren mit Futtern und Bekleidungen sowie die kunstvoll gestalteten Treppenanlagen mit Antrittspfosten und gedrechselten Stäben.
Die Holzarbeiten sind von besonderer Qualität und prägen als integraler Bestandteil der Architektur in entscheidender Weise das Gesamterscheinungsbild des Gebäudes mit.

Die Zuwegungen zu den Hauseingängen sind - der ortstypischen topografischen Situation geschuldet - als großzügige Natursteintreppenanlagen mit Postamenten und Podesten ausgebildet.
Den straßenseitigen Grundstücksabschluss bildet eine prägende Natursteineinfriedungsmauer, die sich auch im weiteren Straßenverlauf fortsetzt. Am linken Grundstücksende (der Nr. 14) sind in jüngerer Zeit zwei Garagenöffnungen mit einem trennenden Bruchsteinpilaster eingelassen worden.

Das Gebäude weist sich in seinem Erscheinungsbild unzweifelhaft als Ergebnis des neuen Bergischen Bauens aus, in dem sich traditionelle regionale Bauformen und moderne Architektursprache in einen schöpferischen Dialog begaben. Diese Symbiose, der Heimatschutzstil, der Bergische Stil entwickelte sich quasi mit gesetzlicher Unterstützung, denn im Jahre 1907 erließ die preußische Regierung ein Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden. Diese Gesetz zielte u. a. auf "die Erstellung von Ortsstatuten zur Sicherung und Sichtung der Ortsbilder" ab. In Barmen reagierte man schnell, errichtete noch im Jahre 1907 eine Bauberatungsstelle und erließ 1908 eine Ortssatzung.
Das Gebäude ist zugleich ein unverzichtbarer Bestandteil einer historischen Doppelhausbebauung innerhalb eines weitgehend unverändert erhaltenen Straßenverlaufes im Randbereich der Barmer Anlagen und legt insofern legt Zeugnis ab über die städtebauliche Entwicklung der damaligen Stadt Barmen.
Als dokumentarischer Glücksfall ist der Umstand anzusehen, dass der Eigentümerin der linken Haushälfte ( Nr. 14) nicht nur sämtliche Originalentwurfszeichnungen der Architekten, sondern auch nahezu sämtliche Handwerker- und Materialrechnungen vorliegen


Die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes liegen demnach gemäß § 2 (1) DschG NRW aus architekturgeschichtlichen, städtebaulichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse.

Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf das gesamte Gebäude, den Vorgartenbereich, die Außentreppenanlagen und die Einfriedungsmauern.



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