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Schwerinstr.   9

Bezeichnung: Schwerinstr. 9 - Siedlung Schwerinstraße
Stadtbezirk: Barmen
Straße: Schwerinstr.  9
Denkmalnummer: 2803
 
Eintragungsdatum: 09.03.1993
Austragungsdatum:
 
Schutzumfang: gesamtes Gebäude
Eigentumsstatus:
 
Klassifizierung: Denkmal


Beschreibung:
Das Objekt Schwerinstraße 9 ist ein zweigeschossiges, unterkellertes Wohnhaus mit ausgebautem Satteldach. Das in massiver Bauweise mit Ziegeldach errichtete Gebäude wurde im April 1913 fertiggestellt.
Das Wohnhaus wurde von der Straßenflucht zurückgesetzt, um zusammen mit den anschließenden Gebäuden Schwerinstraße Nr. 7 und Nr. 11 einen kleinen, dreiseitig geschlossenen Hof mit durchlaufender Traufhöhe zu bilden. Dieser Hof ist im städtebaulichen Zusammenhang mit dem Torhaus über der Schwerinstraße (Nr.7 und 12) als Platzraum von großer Bedeutung. Hier findet das städtebauliche Thema der Erweiterung, der Verengung durch die Tordurchfahrt und der erneuten Erweiterung des Straßenraumes eine gelungene Anwendung.
Die dreiachsige Fassade des verputzten Gebäudes Nr. 9 wird von einem einachsigen Mittelrisalit mit dreieckigem Giebel und Satteldach beherrscht. Der Eingang ist über eine Freitreppe zu erreichen und wird seitlich von zwei glatten, pilasterähnlichen Leisten eingefasst, auf denen eine gerade, profilierte Verdachung ruht.
Ein kleines, rundes Fenster ziert den Zwerchgiebel.
Im Dachbereich schließen sich an dem Risalit rechts und links Schleppgauben an.
Die Fenster und die Eingangstür wurden erneuert.
Ansonsten sind die Gliederungselemente und Verzierungen des Gebäudes erhalten.

Das Gebäude gehört zu der in den Jahren 1912 bis 1917 planmäßig angelegten Siedlung an der Schwerinstraße, die wegen ihrer Straßenbezeichnungen auch Generalssiedlung genannt wird. Die Siedlung wurde von der "Allgemeinen Baugenossenschaft Barmen eGmbH" errichtet. Diese Wohnungsbaugenossenschaft war 1908 gegründet worden mit dem Ziel, für ihre Mitglieder, die bürgerlichen Bevölkerungsschichten entstammten, in landschaftlich ansprechender Lage Wohnhäuser zu erbauen. Die Genossenschaft konnte über das Grundstücksareal am Südrand des Nordparks, das im Eigentum der damaligen Stadt Barmen war, aufgrund eines Erbbauvertrages vom 1.4.1912 verfügen. Dabei sorgte die Stadt Barmen für eine Erschließung des Geländes und beteiligte sich an der Finanzierung des Projekts.

Für die Siedlung fertigte der Düsseldorfer Städtebauer Dr.-Ing. August Hecker den Bebauungsplan an, während der Barmer Architekt Clemens Mangner, der auch an anderen genossenschaftlichen Projekten - wie zum Beispiel der Siedlung am Frankenplatz in Elberfeld - mitwirkte, bis 1914 die Bauleitung innehatte.

Die Siedlung, die in landschaftlich reizvoller Lage am Südhang des Nordparks gelegen ist, weist einen Grundriss auf, der sich nach gartenstädtischem Muster aus stark gebogenen, sich kreuzenden Straßen zusammensetzt. Diese Straßenführungen lassen in Verbindung mit gegeneinander versetzten Baukörpern und Hausgruppen sowie Torbauten gegliederte Straßenräume und Plätze entstehen. Das Siedlungsprogramm umfasste Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser. Die Einfamilienhäuser sind vornehmlich im Norden der Siedlung in Hanglage unmittelbar am Nordpark angeordnet, während die höheren Mehrfamilienhäuser in Tallage liegen, sodass die Baumassen sich dem Geländerelief anpassen. Zugleich ergibt sich aus dieser Anordnung eine soziale Zonierung innerhalb der Siedlung.

Das Bild der Siedlung wird charakterisiert durch eine aufgelockerte Zeilenbebauung, wobei jedem Einzelhaus aufgrund seiner jeweils eigenen Gestaltung eine unverwechselbare individuelle Bedeutung zukommt. Aus der Reihung ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild, ohne monoton zu wirken. Dies wird mit städtebaulichen Mitteln durch wechselnde Baufluchten, die gestaffelten Gebäudehöhen und die Zurücknahme der Baublöcke im Kreuzungsbereich erzielt. Der Eindruck einer in sich geschlossenen Siedlung wird verstärkt von verschiedenen Torbauten vornehmlich an den Rändern des Geländes.

Der schlichte, jedoch variationsreiche Baustil der Siedlung ist geprägt von hochaufragenden Walm-, Sattel- und Mansarddächern sowie von vereinfachten, historisierenden Bauformen unter Verwendung von Risaliten, Erkern, Loggien und Balkonen. Zahlreiche Zierelemente, wie beispielsweise das Zierfachwerk, Verschieferungen, grüne Klappläden und reich gestalteten Eingänge, weisen die Formensprache der Neubergischen Bauweise auf. Auch die Außenräume sind anspruchsvoll gestaltet. Es gibt großzügige Hausgärten, Vorgärten sind mit Hecken umfriedet und Stützmauern sind in die Gestaltung der Anlage einbezogen. Insgesamt weist die Anlage hohe architektonische und künstlerische Qualitäten auf.

Die Siedlung bildet den Auftakt für eine städtebaulich durchdachte Gestaltung des Sedansbergviertels, die zu einer Abrundung des Barmer Stadtbilds beitrug. Eine einheitliche geschlossene Planung für das gesamte Gebiet war wegen der bereits vorhandenen, aber sehr verstreuten Bebauung und des reliefreichen Geländes nicht möglich gewesen. Es entstanden daher als genossenschaftliche oder städtische Projekte einzelne Kleinsiedlungen, Wohnhöfe und Blockrandbebauungen, die geschickt in das vorhandene Straßennetz eingefügt und harmonisch mit der Altbebauung verbunden wurden.

Die Siedlung verdeutlicht sinnfällig den Wandel städtebaulicher Vorstellungen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Es vollzog sich eine Abkehr vom Rasterstraßensystem der Gründerzeit zugunsten einer an die Topographie angepassten, weniger starren Straßenstruktur. Ebenso veranschaulichen die einzelnen Bauwerke, die eine gute gestalterische Qualität besitzen, die Architekturauffassung der Zeit um 1910, mit der eine Abwendung vom Historismus und eine Rückbesinnung auf traditionelle Bauweisen der Region erfolgte. Darüber hinaus ist die Siedlung ein gutes Beispiel für den genossenschaftlichen Wohnungsbau, der sich auf dem Gebiet der späteren Stadt Wuppertal schon frühzeitig organisierte.

Das beschriebene Objekt ist unverzichtbarer Bestandteil der Siedlung.


Erhaltung und Nutzung liegen daher gemäß § 2 (1) DSchG aus städtebaulichen, wissenschaftlichen und stadthistorischen Gründen im öffentlichen Interesse.

Die Unterschutzstellung erstreckt sich auf das gesamte Gebäude.


(vdP)


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