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Wuppertal / Wuppertal

Das Stadion am Zoo

Das Stadion am Zoo

Der BVB ist wieder Meister! Da lohnt es sich doch, auch mal einen Blick auf das Herzstück des Wuppertaler Fußballs zu werfen. Diese Aufnahme zeigt das gut besuchte Stadion am Zoo in Elberfeld, vermutlich in den 1960er Jahren. Um welches Spiel es sich hier handelt, ist leider nicht feststellbar, aber die Zuschauer scheinen es zu wissen und der Stadionfülle nach zu urteilen, scheint es kein ganz unbedeutendes Spiel gewesen zu sein. Gespannt blickt man hier auf den Angriff des WSV auf das gegnerische Tor.

 

Dieses wunderschön in die Umgebung eingebettete Stadion am Zoo hat das, was man eine „wechselvolle Geschichte“ nennt, hinter sich, Blütezeiten und Krisen, bis heute. Initiiert wurde es vom Tiefbau-Ingenieur und Beigeordneten der Stadt Elberfeld, Friedrich Roth, entworfen von den Kölner Architekten Theo Nussbaum und Theo Willkens. Eingeweiht am 5. Oktober 1924 nach einer rekordverdächtigen Bauzeit von nur knapp sechs Monaten (zu den Baumängeln kommen wir später) als eines der schönsten deutschen Stadien, war es der Stolz der Elberfelder. Zur Einweihung kam sogar der spätere Bundeskanzler Konrad Adenauer, damals Kölner Oberbürgermeister.

 

Das Stadion war quasi dreischichtig konstruiert: Im Zentrum das Fußballfeld, drum herum die Aschenlaufbahn und andere Einrichtungen für Leichtathletik und dann, was das Besondere war: Eine eindrucksvolle Radrennbahn mit steilen Kurven, auf der zahlreiche Weltrekorde eingefahren wurden. Hier wurde gleich zur Eröffnung ein Steherrennen veranstaltet. Immerhin fanden hier 1927 die Steher-Weltmeisterschaften, 1947 die Deutschen Stehermeisterschaften und 1954 nochmal die Steher-Weltmeisterschaften statt, mit 35000 Zuschauern beim Finale. Danach jedoch ging es langsam bergab mit der Radrennbahn, und das Stadion am Zoo wurde mehr und mehr das Fußballstadion des Wuppertaler Sportvereins (WSV).

 

Noch ein kurzer Blick zurück: Auch die Politik spielte in diesem Stadion eine Rolle: Am 12. Juli 1932 hielten hier die Kommunisten mit ihrem Vorsitzenden Ernst Thälmann vor über 40000 Zuschauern eine Open Air-Wahlkampfveranstaltung ab, am Tage danach füllten die Nationalsozialisten das Oval, um Joseph Goebbels zu hören. Nach der Machtergreifung Hitlers, den auch Proteste von antifaschistischen Gruppen gegen Goebbels Auftritt in Wuppertal nicht verhindern konnten, nutzten die Nazis das Stadion für Propagandaveranstaltungen. Erst nach dem Krieg durfte das Stadion wieder eine reine Sportstätte sein.

 

Neben dem Radsport wurde hier mit Motorrad- und Kleinwagenrennen, Fußballspielen, Reitveranstaltungen, Windhundrennen, Handball bis zur Leichtathletik eine Fülle von Sportarten betrieben. Vor allem in den 50er Jahren trafen sich die Weltstars der Leichtathletik auf der Aschenbahn des Zoo-Stadions bei den Wuppertaler Leichtathletik-Abendsportfesten. Doch als nach 1960 die neu entwickelten Kunststoffbahnen die Aschenbahnen unattraktiv machten, blieben die Sportstars aus. Nach 1970 gab es keine Leichtathletik-Abendsportfeste mehr.

 

Doch dann kam eben der WSV. Aufstieg in die 1. Bundesliga zur Saison 1972/73. Wieder strömten Massen in das Stadion am Zoo. Teile der Radrennbahn mussten Platzerweiterungen für Zuschauer weichen. 43000 Zuschauer sahen das sensationelle 1:1 des WSV gegen Bayern München. Günter Pröpper wurde 3. der Torschützenliste hinter Gerd Müller und Jupp Heynckes. Vierter Platz am Saisonende und UEFA-Cup-Teilnahme. Aber 1975 war es mit den Fußballerfolgen leider schon wieder vorbei, der WSV stieg zunächst für einige Jahre in die Zweitklassigkeit ab, und fand sich danach meistens im Regionalliga-Bereich wieder.

 

Das Stadion, vor allem die Haupttribüne, war mittlerweile in einem fast baufälligen Zustand und die Stadt diskutierte lange über die Frage „Abriss oder Renovierung“. Schließlich einigte man sich auf die Renovierung, die Haupttribüne wurde von 1991 bis 1993 für rund 30 Millionen DM neu gebaut, wobei die denkmalgeschützte Schildwand der alten Haupttribüne erhalten werden musste, gleichzeitig schaffte der WSV nochmal kurzzeitig den Sprung in die 2. Bundesliga. Gelegentliche Fußball-Highlights oder eine Außenwette für „Wetten dass…?“ brachten nochmal volle Zuschauerränge.

 

Bei einer weiteren Renovierung von 2005 bis 2008 wurden die Reste der Radrennbahn und die Aschenbahn zugunsten des Fußballs endgültig beseitigt, nur von außen sieht das Stadion fast unverändert aus. Auch wenn heute außer dem Fußball Kulturveranstaltungen volle Ränge bringen sollen, kann man dem Stadion am Zoo nur die nächste Blütezeit wünschen, z.B., wenn der WSV eines Tages wieder in die 1. Bundesliga aufsteigt…

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