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Wuppertal / Kultur & Bildung

Alter Markt in Barmen

Alter Markt in Barmen

Wie gemütlich es hier doch um 1900 noch aussah: Schöne alte Stadthäuser umschließen diesen Platz mit der Straßenbahnhaltestelle in der Mitte. Geschäftig eilen Leute hin und her, um einzukaufen oder die Straßenbahn zu erreichen. Bis zur Eröffnung der Schwebebahn am 1. März 1901 musste man sich ja noch ein paar Monate gedulden. Es ist 12 Uhr Mittag, wie die Uhr rechts im Bild anzeigt, es sei denn, sie wäre stehengeblieben. Ein mit Fässern beladenes Pferdefuhrwerk steht links am Straßenrand. Also das ganz normale pralle Leben um die Jahrhundertwende tobt hier am Alten Markt in Barmen, aber aus heutiger Sicht wirkt die Szenerie doch ganz entschleunigt. Das alles gibt es nicht mehr, aber schauen wir erst mal, wie es hier noch viel früher aussah:

 

Im 17. Jahrhundert war dieser Platz mehr oder weniger ein mit Büschen bewachsenes, sumpfiges Gelände. Nachdem die gräflich Waldeck´sche Familie die Kirchenreformation im Wuppertal im 16. Jahrhundert unterstützt hatte, sorgte sie auch zur weiteren Förderung der Reformation im Jahre 1579 für den Bau einer Schule in Barmen, die zudem als Gerichtsgebäude diente. Sie wurde allerdings bereits im Jahre 1625 von Räuberbanden niedergebrannt. Die Schule lag ganz in der Nähe des späteren Alten Marktes und hatte zur Folge, dass an dem bis dahin morastigen Platz auf der sogenannten Gemarke einige Häuser gebaut wurden.

 

Seine richtige Entwicklung nahm der heutige Alte Markt aber erst im Jahre 1706, als am damaligen Gemarker Platz Grundstücke für 13 Häuser abgesteckt und günstig verkauft wurden. War mit dem Garnnahrungsprivileg vom 29. April 1527 bereits der Grundstock für die Entwicklung des Textilgewerbes im Wuppertal gelegt worden, so wurde das Aufstreben Barmens auch baulich am Gemarker Platz deutlich. 1728 entstand hier das erste Barmer Rathaus, das auch als Gefängnis herhalten musste. An der Stelle des heutigen Einkaufszentrums wurde im Jahre 1800 Barmens erstes Hotel, der „Clevische Hof“ errichtet, die erste katholische Kirche Barmens bekam 1722 am Alten Markt ihren Standort.

 

Der Alte Markt, der eigentlich erst seit 1902 wirklich „Alter Markt“ heißt, wurde vorher „Altenmarkt“ genannt. Im Dritten Reich, 1938, fand eine Umbenennung in „Horst-Wessel-Platz“ statt, nach Kriegsende wurde er aber wieder zum „Alten Markt“. Doch was war davon übrig geblieben? Sämtliche Häuser, die den Platz umstanden, fielen dem Bombenangriff auf Barmen 1943 zum Opfer und wenn man die Platzgestaltung heute sieht, muss man dreimal hingucken, um darin noch den schönen Alten Markt, wie er auf dem Foto zu sehen ist, erkennen zu können. Nach dem Krieg wurde alles dem wachsenden Autoverkehr untergeordnet.

 

Von diesem Platz aus entwickelte sich das Barmer Zentrum, er war 1874 erster Haltepunkt der alten Pferdebahn, 1895 der elektrischen Straßenbahn und nach der Jahrhundertwende gab es hier eine wichtige Schwebebahnhaltestelle, die damals den Namen „Rathausbrücke“ trug und 1967 einer neuen Station mit eben dem Namen „Alter Markt“ weichen musste. Angesichts der schlichten Nachkriegsfassaden am Alten Markt hätte man diese vielleicht besser „Neuer Markt“ benannt. Geschichte schrieb der Platz in neuerer Zeit aber immer noch: Der Schwebebahnhof „Alter Markt“ mit seiner wuchtigen Präsenz über dem riesigen Straßenknotenpunkt am Eingang zur Barmer Innenstadt ist die wichtigste Haltestelle Barmens, der Haltepunkt zum Barmer Zentrum, und über den neuen Alten Markt gelangte man ab 1963 in die erste Fußgängerzone Deutschlands.

 

In einem der - nennen wir es „unaufdringlich“ - gestalteten neuen Gebäude am Platz konnte man bis zum Jahre 2000 im „Kaufhof“ einkaufen, heute beherbergt es ein Einkaufszentrum mit verschiedenen Geschäften. Im Jahre 2002 wurde der Alte Markt verkehrsberuhigt, es gibt viel Gastronomie, die dem Platz nicht das schöne Gesicht von 1900, aber doch zumindest mehr Lebensqualität zurückgebracht hat. Das riesige Parkhaus, das hinter dem Einkaufszentrum auf der anderen Seite des Alten Marktes den Steinweg überspannt, sieht zwar fürchterlich aus, aber hier kann man wenigstens parken.

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