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Wuppertal / Stadtbibliothek

Stadtbibliothek und Bibliothek des BGV

Als der Bergische Geschichtsverein (BGV) 1863 gegründet wurde, gab es in Wuppertal keine Bibliothek von nennenswertem Umfang. Die Gründungsväter des BGV, deren Ziel laut Satzung die „Erforschung der politischen und Kirchengeschichte“ der „ehemaligen Herzogthümer Jülich, Cleve und Berg, sowie der dazu gehörigen und angrenzenden Lande“ war, betrachteten deshalb neben der ebenfalls in den Statuten vom 13. Juni 1863 genannten Sammeltätigkeit von Originalquellen den Aufbau einer eigenen Bibliothek als zentrale Aufgabe.

Innerhalb kurzer Zeit entstand durch Spenden der Mitglieder ein Sammelsurium von Büchern, Originalurkunden, Akten, Manuskripten, Bildern, Siegeln und Münzen. Den Grundstock für eine geschichtswissenschaftlich ausgerichtete vereinseigene Bibliothek bildete erst die private Büchersammlung des Vereinsvorsitzenden Wilhelm Bouterwek (1809-1868), die nach dessen Tode erworben wurde. 1894 wurde ein umfangreicher Bestandskatalog herausgegeben.

1902 wurde das zunehmende Platzproblem mit der Zuweisung eigener Räume für die BGV-Sammlungen durch die Elberfelder Stadtverwaltung in der neu eröffneten Stadtbücherei gelöst. Gleichzeitig fanden dort auch die Sammlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins ein neues Domizil.

Der Konzeption der Elberfelder Stadtbücherei sah schließlich eine sogenannte „Einheitsbücherei“ vor, die zur Bildung möglichst weiter Bevölkerungskreise beitragen, aber auch wissenschaftliche Bedürfnisse ihrer Benutzer bedienen sollte. Mit der fast gleichzeitigen Übernahme der Bibliotheken des BGV und des Naturwissenschaftlichen Vereins wurde ein wichtiger Schritt in Richtung einer „Einheitsbibliothek“ vollzogen. 

Am 15. Januar 1917 trat der Vertrag zwischen der Stadt Elberfeld und dem BGV über die Angliederung der BGV-Bibliothek an die Stadtbücherei in Kraft. Wesentliche Bestimmungen waren: die BGV-Bibliothek war als dauerndes Depositum gedacht, ihr Fortbestand als gesondert aufgestellte Einheit wurde garantiert, die katalogmäßige Verbindung beider Bibliotheken ins Auge gefasst. 1964 wird dieser Vertrag zwischen Vertretern der Stadt und dem Vorsitzenden Dr. Wolfgang Köllmann erneuert.

Während der ersten Luftangriffe auf westdeutsche Städte im Zweiten Weltkrieg war die Bergung der wichtigsten Bestände der Bücherei und der BGV-Bibliothek in die Wege geleitet worden. Das Bergungsgut wurde nach Köln-Mülheim in einen besonders gesicherten, sieben Meter tief gelegenen Keller gebracht. Insgesamt handelte es sich um 134 Kisten mit rd. 5.000 besonders wertvollen Büchern aus dem Bereich der „Heimatliteratur“ sowie mit Inkunabeln, alten Drucken, Urkunden, Handschriften und Autographen. Das gesamte Bergungsgut des Bergischen Geschichtsvereins wurde durch eine von Plünderern ausgelöste Explosion vernichtet. Es blieb nur ein halber Meter hohe Aschenmasse übrig. Aufgrund der bei der Auslagerung angelegten Verzeichnisse wurde festgestellt, dass außer rd. 5.000 Büchern Originalurkunden, rd. 500 Autographen und 120 Handschriften, darunter das Tagebuch des Humanisten Konrad von Heresbach und das zwischen 1608 und 1800 geführte Protokollbuch des Elberfelder Hofgerichtes vernichtet waren. Von den ebenfalls verbrannten Handschriften des Elberfelder Verzichtbuches und den Stammbäumen („Tabellen“) Wuppertaler Familien des Amtsrichters und Genealogen Robert Cleff hatten wenigstens die zuvor davon gemachten Fotokopien die Katastrophe überdauert.

Heute umfasst die Vereinsbibliothek ca. 25.000 Bände, die nach wie vor als gesondert aufgestellte Einheit in der Kompaktusanlage der Stadtbibliothek stehen. In einem Digitalisierungsprojekt – einer Kooperation von BGV und Stadtbibliothek – soll dieser Bestand gesichtet, ergänzt und digitalisiert in den OPAC-Katalog der Stadtbibliothek eingefügt werden. Damit wäre eine optimale Nutzung der Vereinsbibliothek den Mitgliedern wieder möglich. 

 

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