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ehemalige BundesbahndirektionEin Gebäude mit Geschichte - und Zukunft

Ein Blick in die Vergangenheit

Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaute ehemalige Bundesbahndirektion in Wuppertal zählt zu den prägenden Bauwerken der Stadtgeschichte. Ursprünglich als Verwaltungszentrum für die Reichsbahn errichtet, zeigt das klassizistische Gebäude die Bedeutung der Eisenbahn für die Region im 19. Jahrhundert.

Ein Standort mit strategischer Bedeutung
Bereits im 19. Jahrhundert spielte Wuppertal (damals noch Barmen-Elberfeld) eine wichtige Rolle im aufstrebenden Eisenbahnnetz. Die industrielle Entwicklung verlangte nach einer effizienten Verkehrssteuerung, weshalb 1850 die „Königliche Direction der Bergisch-Märkischen Eisenbahn“ gegründet wurde. Sie überwachte den Betrieb der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft, die das wachsende Schienennetz in der Region verwaltete.

Errichtung des heutigen Gebäudes (1875)

1875 wurde das Verwaltungsgebäude bezogen. Der Bau im klassizistischen Stil mit seiner imposanten Freitreppe und den markanten Säulen spiegelte die Bedeutung der Eisenbahn für die Region wider. Bald wurde klar, dass die wachsenden Anforderungen eine Erweiterung notwendig machten. Die Arbeiten begannen um 1914.


Wandel durch die Jahrzehnte

  • 1879: Umbenennung in „Königliche Eisenbahndirektion Elberfeld“.
  • 1914: Das Gebäude wird erweitert, um Platz für zusätzliche Verwaltungsaufgaben zu schaffen.
  • 1920: Die „Deutsche Reichsbahn“ wird gegründet, und die Direktion erhält den Namen „Reichsbahndirektion Elberfeld“.
  • 1930: Nach der Gründung der Stadt Wuppertal erfolgt eine erneute Umbenennung in „Reichsbahndirektion Wuppertal“.

Zeit des Nationalsozialismus

Die Reichsbahndirektion war nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 mit verantwortlich für die Umsetzung der menschenverachtenden Rassenideologie.

So gingen z.B. seit Oktober 1941 insgesamt vier Deportationstransporte aus Wuppertal ab mit dem Ziel der Verbringung von jüdischen Menschen in die Vernichtungslager im Osten. Auch Sinti und Roma und politisch anders Denkende wurden verfolgt und in Zügen ich den  sicheren Tod geschickt. Die industriell betriebene Mordmaschinerie der Nationalsozialisten bestand aus vielen arbeitsteilig organisierten Akteuren, neben der Reichsbahn auch aus Behörden wie z.B. dem Meldeamt, der Gestapo, dem Arbeitsamt etc.

Vor diesem Hintergrund enthält die zur Wiederbelebung des Gebäudes erstellte Broschüre insbesondere auch Ausführungen zu diesem dunklen Kapitel der früheren Reichsbahndirektion.  

Zerstörung und Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude bei Luftangriffen schwer beschädigt. 1943 erlitt es massive Zerstörungen, die eine Nutzung unmöglich machten. Doch bereits 1948 waren die Schäden behoben, und die „Bundesbahndirektion“ zog in das wiederhergestellte Gebäude ein. Bis heute zeugt der goldene Schriftzug über dem Eingangsbereich von dieser Zeit.

Bedeutende Funktionen und das Ende der Bundesbahndirektion

Nach der Gründung der Deutschen Bundesbahn 1949 wurde die Behörde in „Bundesbahndirektion Wuppertal“ umbenannt. Sie spielte eine zentrale Rolle in der Verwaltung des Bahnverkehrs in Nordrhein-Westfalen und koordinierte Streckenausbauten sowie betriebliche Abläufe.

Doch mit der Bahnreform in den 1970er Jahren wurden viele Verwaltungsstellen zentralisiert. 1974 wurde die Bundesbahndirektion Wuppertal aufgelöst. Ihre Aufgaben übernahmen die Standorte Köln und Essen.

Leerstand, Denkmalschutz und neue Nutzung

Nach der Auflösung der Bundesbahndirektion blieb das Gebäude zunächst ungenutzt. Weitere ehemalige Bahneinrichtungen wie die Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten und die Sparda-Bank zogen bis 1988 aus.

Ein Abriss stand zeitweise im Raum, doch das Gebäude wurde 1988 unter Denkmalschutz gestellt. Dies sicherte seine historische Bausubstanz für die Zukunft.

Sanierung und neue Nutzung

Zwischen 1999 und 2000 wurde die Fassade für rund 10 Millionen Mark saniert. Doch trotz des Denkmalschutzes stand das Gebäude lange leer. Ein geplanter Umbau zu einem Outlet-Center durch die Clees-Gruppe scheiterte, sodass das Bauwerk jahrelang unbelebt blieb.

Erst 2022 fiel die Entscheidung, das Gebäude für die Stadtverwaltung zu nutzen. Ab 2025 beherbergt es Teile der Stadtverwaltung, des Jobcenters und der Bergischen Universität.

Die Zukunft des Gebäudes: Ein Ort für alle

Mit der Umgestaltung schlägt die ehemalige Bundesbahndirektion ein neues Kapitel auf. Geschaffen wurde ein moderner, bürgerfreundlicher Verwaltungsstandort, der gleichzeitig die historische Bausubstanz bewahrt. Die Wiederbelebung zeigt, wie historische Gebäude nachhaltig genutzt und in das Stadtbild integriert werden können.


Sie möchten mehr zur Geschichte der ehemaligen Bundesbahndirektion erfahren?

Wissenschaftler Michael Okroy hat im Auftrag der Stadt Wuppertal die bisherige Historie des eindrucksvollen Gebäudes untersucht. In einer spannenden Broschüre ist die Geschichte der ehemaligen Bundesbahndirektion von der preußischen Staatsbehörde bis zum modernen Stadthaus nachzulesen.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal
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