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Bergisch Competentia

Empfang für Frauen in Führung

Die drei Gewinnerinnen "Frau mit Profil" werden heute im feierlichen Rahmen bekanntgegeben. Geehrt werden die drei Frauen durch die Oberbürgermeister von Remscheid, Solingen und Wuppertal.

15. März 2022 // 16:30 Uhr
Kulturzentrum Klosterkirche
Klostergasse 8, 42897 Remscheid

DIE PREISTRÄGERRINNEN:

Der Preis „Women and Work - Frauen mit Profil“ wird bereits zum neunten Mal verliehen. Mit dem Preis werden Frauen geehrt, die außergewöhnliches geleistet haben. Frauen, die Mut haben und sich für andere engagieren. Auch in diesem Jahr wurden fast 50 preiswürdige Frauen nominiert. Jede Frau zeichnet sich durch individuelle Kompetenzen, Erfolge und privates Engagement aus. Der Preis wird in drei Kategorien verliehen.

 

Kategorie 1: Vorbildhafte Unternehmerin

Gewinnerin: Meike Roßberg, Geschäftsführerin der Hahnerberg-Apotheke, Wuppertal

Als „Vorbildhafte Unternehmerin“ wird eine Frau ausgezeichnet, die mit ihrem Unternehmen Verantwortung für die Region und für ihre Mitarbeiter*innen übernimmt. Meike Roßberg ist Apothekerin und leitet seit 2007 die Hahnerberg-Apotheke in Wuppertal mit aktuell 25 Beschäftigten. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. 

 Für Meike Roßberg war schon immer klar, was sie einmal werden möchte: Apothekerin. Ihr Vater war selbst Apotheker und so gab es durch ihr Elternhaus einen direkten Bezug. Später setzte sie ihren Plan um und studierte in Düsseldorf Pharmazie. Zunächst war sie einige Jahre als Vertretung in 14 verschiedenen Apotheken tätig und sammelte Erfahrung. 2007 übernahm sie die Hahnerberg-Apotheke von ihrem Vater in Wuppertal mit sechs Beschäftigten. 

Chefin zu werden war ein Prozess, in dem sie sich immer daran orientierte, wie sie als Mitarbeiterin behandelt werden wollte. Sie ließ sich coachen zum Thema interne Kommunikation und baute ihr Team von anfangs sechs auf aktuell 25 Mitarbeiter*innen aus. Regelmäßige Teamsitzungen, Gespräche sowie individuelle Arbeitszeitgestaltung sorgen für eine hohe Arbeitszufriedenheit bei den Mitarbeiter*innen. 

„Ich hatte nie zuvor eine Vorgesetzte, die sich so für ihre Leute einsetzt, alle Vorhaben vorher mit den Angestellten bespricht und auf deren Rat und Vorschläge eingeht, immer offen und ehrlich, großzügig (Gewinnbeteiligung, Coronaprämien) und, vor allem, unglaublich mitfühlend ist“, erzählt eine langjährige Mitarbeiterin der Hahnerberg-Apotheke.  

Neben der hohen Arbeitszufriedenheit, die Meike Roßberg als Unternehmerin für ihre Beschäftigten schafft, engagiert sie sich auch sozial. In der Apotheke sammelte sie Spenden, etwa für das Kinderhospiz Burgholz, verschiedene Frauenprojekte und Kindergärten - mit dem Team zusammen unterstützt sie ein Patenkind in einem afrikanischen Land. Das ist Teil ihrer Überzeugung: „Wenn es uns gut genug geht und wir Verantwortung haben, sollten wir davon etwas abgeben.“, sagt Meike Roßberg.

Meike Roßberg ist eine Unternehmerin, für die Verantwortung für das Team auch größtmögliche Transparenz über Entscheidungen bedeutet. So klappte 2016 auch der große Umbau und Umzug. Die Idee: Eine neue Hahnerberg-Apotheke in den Räumen eines alten Lebensmittelladens, mit viel Platz, einem Autoschalter und angeschlossenem Gesundheitszentrum. 

Im Gesundheitszentrum werden die Themen Ernährung und Bewegung aufgegriffen. Ein Raum wird vom Stadtsportbund gemietet, der dort regelmäßig Kurse anbietet, es gibt Ernährungsberatung, eine Rehagruppe für psychisch erkrankte Menschen, Baby Shiatsu, Yoga und Selbsthilfegruppe-Treffen. Kleinere Räume stehen zur Vermietung für Vorträge und Einzelworkshops für Gesundheitsangebote zur Verfügung, Meike Roßberg selbst bietet regelmäßig Vorträge zum Thema Naturheilkunde an. Mit der Schaffung dieses neuen Gesundheitsortes trägt Meike Roßberg auch zur Stärkung der Wuppertaler Bevölkerung bei. 

Ihr hohes Engagement für die Region und für ihre Mitarbeiter*innen, ihr unternehmerisches Handeln, dass nicht nur gewinnorientiert ausgerichtet ist sowie ihr Optimismus und ihr Organisationstalent, haben die Jury überzeugt.

 

 

Kategorie 2: Kreative Lösung zur eigenen Existenzsicherung

Gewinnerin: Dr. Esther Heidbüchel, Solingen

Als Preisträgerin in der Kategorie „kreative Lösung zur Existenzsicherung“ wird Dr. Esther Heidbüchel ausgezeichnet. Dr. Esther Heidbüchel hat in Politikwissenschaft, internationalen Beziehungen und Konfliktforschung promoviert und ist Expertin in internationaler und interkultureller Kommunikation. 2016 hat sie sich als Unternehmensberaterin mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit selbstständig gemacht. Sie ist verheiratet, Mutter einer Tochter und lebt in Solingen. Esther Heidbüchel begann sich bereits im Jugendalter für das Thema Nachhaltigkeit zu engagieren. 

Saurer Regen, der erste Irak Krieg und der Schutz der Wälder waren nur einige der Themen, die sie bewegten. In ihrem Studium zur Diplom-Kulturwirtin spezialisierte sie sich auf Südostasien. Nach vier Jahren im Berufsleben folgte die Promotion. Die Feldforschung für ihre Promotion führte sie nach West Papua, Indonesien - dort konnte sie mit eigenen Augen sehen und erforschen, was der Kampf um Ressourcen und Bodenschätze auslöst. Das hat ihr deutlich vor Augen geführt, welche Rolle die Wirtschaft bei Ressourcenkonflikten spielt und bei ihr eine nachhaltige Bewusstseinsschärfung ausgelöst. Nach ihrer Promotion war sie als Director Sustainability in einem internationalen Baustoffkonzern tätig. Als Frau in männerdominierten Branchen war sie immer darauf bedacht, sie selbst zu bleiben. „Man muss nicht so sein wie die Männer, aber die Regeln sollte man kennen und dann muss man sie brechen, sonst ändert sich nichts.“, dafür steht sie ein.  

2016 stellte sie der Weggang ihres damaligen Arbeitgebers nach Berlin sowie der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance vor die Entscheidung: Esther Heidbüchel folgte ihrem Mut und ihrer Intuition. Sie ergriff die Gelegenheit und machte sich als Unternehmensberaterin mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit selbstständig. „Auch wenn der Klimawandel eigentlich eher zum heulen ist - mit einer Portion Humor lässt es sich einfach leichter arbeiten. Nachhaltigkeit darf, kann, muss und soll auch Spaß machen“, ist ihr Motto. 

Zeitlich parallel zur Gründung wurden ihre Eltern pflegebedürftig. Monatelang pendelte sie zwischen dem Elternhaus und Solingen, 150 Kilometer hin und her. In dieser Zeit musste sie ihre Selbstständigkeit erst einmal zurückstellen. „Manchmal lässt es sich einfach nicht vereinbaren und dann muss man sich entscheiden. Das waren harte Jahre“, erinnert sich Esther Heidbüchel. Als sie sich wieder ihrem Geschäft widmen konnte, kam die Corona-Pandemie. Aber mit Corona kamen auch die Aufträge. Das Thema hatte mittlerweile einen Handlungsdruck erreicht, sodass viele Unternehmen auf der Suche nach einer spezifischen Beratung in Sachen Nachhaltigkeit sind. Diese Beratung finden sie bei Esther Heidbüchel. Die Beratungsprozesse sind als Projekte über Monate und Jahre angelegt, das gibt ihrem Unternehmen Planungssicherheit.

Esther Heidbüchel hat es geschafft, in kürzester Zeit auf lange Sicht existenzsichernd und mit großer Planungssicherheit zu wirtschaften. Ihre kreative Lösung zur eigenen Existenzsicherung, ihre Leidenschaft für das Thema Nachhaltigkeit und ihr Mut als Unternehmerin haben die Jury überzeugt. Zu ihren Erfolgsfaktoren gehört auch ihre Netzwerkarbeit. Die Fähigkeit, die richtigen Kontakte zu knüpfen und sich einzubringen ist maßgeblich wichtig für sie - sie ist u.a. an der Entwicklung des Unternehmenschecks „Umweltschutz“ der Offensive Mittelstand beteiligt, - sowie im Beirat nachhaltige Kommune Solingen, dem Future Woman Netzwerk und im Kuratorium der Stiftung Euronatur engagiert. Esther Heidbüchel ist der Überzeugung, dass es nicht reicht, nur Unternehmen zur Nachhaltigkeit zu beraten. Auch die politischen Rahmenbedingungen dafür müssen geschaffen werden. Deshalb engagiert sie sich politisch und sitzt im Ausschuss für Klima, Umwelt, Mobilität und Wohnen der Stadt Solingen. 

 

 

 

Kategorie 3: Leitung eines nachhaltigen Projekts für Frauen

Gewinnerin: Petra Hafele, Remscheid

In Kategorie 3 wird eine Frau für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Petra Hafele leitete 38 Jahre lang die autonome Beratungs- und Gewaltinterventionsstelle für Frauen in Remscheid und ist im Dezember 2021 pensioniert worden. Petra Hafele ist Mutter eines Sohnes, den sie ab seinem 7. Lebensjahr alleinerziehend großgezogen hat und lebt in Wuppertal.

In den 1980er Jahren studierte Petra Hafele in Wuppertal Sozialwissenschaften und begann sich mit der Frage nach Verteilung von Macht und Herrschaft auseinanderzusetzen. „Wie kann es sein, dass so wenige Frauen in Führungspositionen sind, woher kommen die Gewalttendenzen in der Gesellschaft?“ Diese Fragen haben Petra Hafeles Berufsleben geprägt. 

Die theoretischen Erkenntnisse aus dem Studium begann sie rasch, gemeinsam mit anderen Frauen, in konkrete politische Forderungen und Projekte umzusetzen. Ein erster Erfolg war die Einrichtung der ersten Frauenbeauftragten an der Bergischen Universität Wuppertal und die ersten Einrichtungen kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbüros, für die sie sich ebenfalls engagierte. 

Noch im Studium begann Petra Hafele ehrenamtlich einige Jahre beim Notruftelefon für Frauen, die Gewalt erlebt hatten, mitzuarbeiten. Aus dieser Notrufarbeit heraus initiierten die dort engagierten Frauen die Gründung der ersten autonomen Beratungs- und Gewaltinterventionsstelle für Frauen in Remscheid, die Frau Hafele bis 2021 leitete. Die autonome Frauenberatungsstelle hatte eine feministische Zielsetzung und agierte unabhängig von Staat, Kirche und Wohlfahrtsorganisationen.

38 Jahre autonom feministische Frauenarbeit hat Petra Hafele mit der Beratungs- und Gewaltinterventionsstelle für Frauen in Remscheid geleistet. Auf politischer Ebene hat sie in dieser Zeit immer wieder kämpfen müssen für Räume, für Sachkostenetats, für die Frauenberatungsstelle. Auch gesellschaftlich hat das Thema nicht an Relevanz verloren. Ihren Umgang mit den Erlebnissen in der Gewaltinterventionsstelle fand sie durch fortlaufende Professionalisierung, in unzähligen Seminaren und Fortbildungen. Am Wochenende und abends lernte sie, wie man mit Betroffenen von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung umgeht, wie die rechtliche Lage ist, welche Folgen Traumata als Stressfolgeerkrankungen haben können. Sie ließ sich zur Expertin für Stresserkrankungen und Psychotraumatologie ausbilden. 

Fachliche Kompetenz war für sie die wichtigste Strategie. „Wenn ich wusste, dass ich helfen kann und in welcher Weise, half mir das, keine Mitgefühlserschöpfung zu bekommen, nicht auszubrennen und die Gewalt gar nicht mehr ertragen zu können“, kommentierte sie dies, denn sie begleitete die Frauen häufig über einen längeren Zeitraum. Vor ihrer Pensionierung hat Petra Hafele die Übergabe der Frauenberatungsstelle an den Sozialdienst katholischer Frauen organisiert. Petra Hafele war es wichtig, dass die Arbeit lückenlos weitergeht.

Ihre Arbeit hat Spuren hinterlassen, nicht nur bei den Frauen, denen sie helfen konnte. Frauen, die ihr spiegelten, dass sie ihnen geholfen hat, dass ihre Arbeit Stein des Anstoßes war, anders, gewaltfrei zu leben. Im Lauf der Jahre entstanden Kooperationen in der ganzen Stadt. Mit Polizei und Justiz, aber auch mit Remscheider*innen, die mit dem Thema häuslicher Gewalt konfrontiert waren. Ärzt*innen und Familienangehörige, aus dem Schulbereich, aus unterschiedlichen Ämtern. Petra Hafele hatte immer ein offenes Ohr und Hilfsangebote für alle. 

Für dieses Lebenswerk, das 38-jährige Engagement gegen Gewalt an Frauen, ihren unerlässlichen Mut und ihren Einsatz für eine gewaltfreiere Gesellschaft, zeichnet die Jury Petra Hafele aus.

 

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • © Stefanie vom Stein, Stadt Wuppertal Medienzentrum
  • © Stefanie vom Stein, Stadt Wuppertal Medienzentrum
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