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EUROPA Förderung

Auszubildende und Ausbilder*innen berichten aus dem Praktikum

Herr Wittwer, Ausbilder und Gruppenleiter im Amt für Informationstechnik und Digitalisierung absolvierte ein 3-wöchiges Praktikum in der Stadtverwaltung Villach an der Drau.

Villach hat knapp 63.000 Einwohner*innen und ca. 600 Mitarbeiter*innen in der Verwaltung, aufgeteilt in fünf Geschäftsbereiche.

Rathaus in Villach an der Drau

Informations- und Kommunikationstechnologien

In der ersten Woche hospitierte ich in der Abteilung Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK).

Empfangen wurde ich vom Abteilungsleiter / CDO (Chief Digital Officer) / CIO (Chief Information Officer) und Vorsitzenden des österreichischen Städtebundes im Bereich Digitalisierung Herrn Dipl.-Ing. Manfred Wundara, der mir den Ablauf des Praktikums erklärte.

Die Abteilung besteht aktuell aus 30 Mitarbeiter*innen und gliedert sich grob in die drei Bereiche Kundensupport, Systemadministration und Softwareentwicklung. Die Atmosphäre in und zwischen den Bereichen empfand ich durchweg positiv und sehr kollegial. Die eher flacheren Hierarchien begünstigen einen schnellen Austausch unter Kolleg*innen, die sich dadurch gut kennen.

Mein Arbeitsplatz befand sich im Büro von Michael (Stellvertreter von Herrn Wundara). Dort habe ich an einigen Besprechungen zu aktuellen Themen teilgenommen, z.B. der Initiierung eines Kärntner Bürgerportales (Beteiligung und Befragung der Bürger*innen zur Weiterentwicklung der Kommunen oder des Landes Kärnten) oder der Erstellung eines IoT-Netzwerkes (Internet of Things – zur automatischen Erfassung von Wasserständen, Thermostattemperaturen oder elektrischen Zählerständen).

Villach: Erste „Digitalisierungsstadt“ Österreichs

Die Stadt Villach hat sich zur Aufgabe gemacht die erste Digitalisierungsstadt Österreichs zu werden. Bereits seit dem Jahr 2016 wurde eine große Digitalisierungsoffensive gestartet. Das Jahr 2019 wurde von der österreichischen Politik, als das „Jahr der Digitalisierung“ definiert. Im weiteren Verlauf habe ich den Kollegen das Digitalisierungskonzept (digiTal 2020) der Stadt Wuppertal präsentiert und die Konzepte der Stadt Villach, des Landes Kärnten und die dazugehörigen laufenden oder geplanten Projekte kennengelernt.

Zum Konzept gehört u.a. Bürger*innen bei der Erweiterung ihrer digitalen Kompetenzen zu unterstützen. Dies soll zum Beispiel durch gezielte individuelle Schulungsangebote für jede Generation erreicht werden.

Ein weiterer interessanter Ansatz der Digitalisierungsoffensive ist die Bildung eines „Digital-Hub“.

Ein innenstadtnahes Gebäude mit Showrooms, Schulungsräumen und Büroflächen soll genutzt werden, um z.B. die oben erwähnten Schulungen und Präsentationen zu aktuellen innovativen Projekten durchzuführen, Platz für Technologie Start-Up´s zu schaffen, die die Digitalisierungsoffensive durch ihre Produkte unterstützen können und ggf. auch Kolleg*innen der Stadt Villach die Möglichkeit bieten, ihre Kompetenzen an diesem Ort zu bündeln. Die Nähe zur Innenstadt wird bewusst gesucht, denn so wird die Weiterentwicklung der Digitalisierungsangebote und innovativen Ansätze für die Bürger*innen sicht- und erlebbar.

aktuell geplanten oder laufenden Projekte in der IT

Es gibt viele Parallelen zu laufenden Projekten und der Digitalisierungsstrategie der Stadt Wuppertal. Der Bürgermeister der Stadt Villach bearbeitet seine Post zum Beispiel nur noch digital am iPad. Die Eingangspost soll in Zukunft ebenfalls, wie bei uns, zentral eingescannt und digital zugestellt werden. Das Problem der Aufbewahrung der originalen Post hat Österreich übrigens sehr elegant gelöst: Wird Post eingescannt, wird (rein rechtlich) die digitale Kopie zum Original und das Papier zur Kopie, die nun vernichtet werden kann.

Ein Bürgerportal (ähnlich unserem Serviceportal) wird schon seit einigen Jahren eingesetzt und weiterentwickelt.

Fortbildung und Personalentwicklung

Die zweite Woche meines Praktikums stand ganz im Zeichen der Themen „Fortbildung“ und „Entwicklung und Zukunft“.

Ich hospitierte bei der Fortbildungsbeauftragten Ines und durfte sie bei Terminen zu den Themen Ausbildung und E-Learning begleiten.

Mit einer externen Beraterin wurde über Inhalte und Methoden zur Vermittlung verschiedener Kompetenzen und Fähigkeiten gesprochen, an denen die neuen Lehrlinge während ihrer Ausbildung arbeiten sollen. Es ging um:

  • Soft Skills, wie höflicher Umgang oder das Bewusstsein der eigenen Wirkung auf andere
  • teambildende Maßnahmen und Konfliktmanagement
  • Vorbereitung auf Prüfungen, dem Umgang mit Stresssituationen und Bewerbungstraining (falls eine Übernahme nicht möglich ist)

Anders als bei uns zielt eine Ausbildung bei der Stadt Villach nicht nur auf den Berufsabschluss ab, sondern auf die Erlangung der Matura (des Abiturs). Viele verlassen danach die Verwaltung und beginnen ein Studium. Erst seit diesem Jahr wird verstärkt für den eigenen Bedarf mit einer Übernahmegarantie ausgebildet.

Ich hatte dabei die Gelegenheit, über die positive Wirkung unserer Ausbildungswoche zu berichteten, die jedes Jahr in Wuppertal oder Schwerin stattfindet. Die Villacher Kolleg*innen fanden diesen Ansatz sehr interessant und denken nun darüber nach, ebenfalls eine Projektwoche zu Beginn der Ausbildung durchzuführen. Gerne möchten sie sich dazu mit den Kolleg*innen unserer Ausbildungsabteilung austauschen.

Ich habe versprochen, einen Kontakt herzustellen. 

Co-Working-Space, zum Arbeiten zwischen zwei Terminen

„Entwicklung und Zukunft“

Hier ging es um die Weiterentwicklung zeitgemäßer Arbeitsstruktur und –organisation.

Auch in Villach sind zu Beginn der Pandemie viele Home-Office Arbeitsplätze eingerichtet worden. Die Erfahrungen damit sind Anlass, Ideen zum „Arbeitsplatz der Zukunft“ in der Stadt Villach weiter zu entwickeln.

Die Zeit des Lockdowns wurde bspw. genutzt, um klassische Besprechungsräume zu Co-Working-Spaces umzugestalten, sogenannte Ideenzentren zu bilden und „Telefonzellen“ zu gestaltet, um in Ruhe an virtuellen Besprechungen teilzunehmen.

Telefonzelle als Rückzugsort für (virtuelle) Besprechungen

Interessante Einblicke habe ich zudem noch in die Themen

  • E-Learning (für die eigenen Mitarbeiter*innen über eine Online-Schulungsplattform, die aktuell in der Entwicklung ist
  • und Wissenstransfer (Ausscheiden von Mitarbeiter*innen aus dem Dienst)

bekommen.

Workshop zum Thema Wissenstransfer

Gerade im Bereich Wissenstransfer legt Villach viel Wert auf eine Übergabe an den/die Nachfolger*in. Arbeitsstellen werden dann bis zu 6 Monate überschneidend besetzt. Workshops mit ausscheidenden Mitarbeiter*innen, der Fortbildungsbeauftragten und der/dem Nachfolger*in dienen bspw. dazu, Ablauf und Aufgaben eines Arbeitsjahres zu beschreiben und zu dokumentieren, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.


Während meiner Praktikumszeit durfte ich auch verschiedene Einrichtungen der Stadt Villach besichtigen.

Dazu zählt der High Tech Campus Villach, an dem verschiedene Firmen (vor allem Mikrotechnik und Sensorik) und die Fachhochschule ansässig sind. Der Fachbereichsleiter für Geoinformation gab mir spannende Einblicke in die Vermessungstechnik mittels Drohnenflügen.

Ebenfalls spannend war ein Besuch des Wasserwerkes der Stadt. Dort wurde mir gezeigt, wie das gesamte Trinkwassernetz digital kontrolliert wird, um z.B. Füllstände der Hochtanks zu überwachen und etwaige Schäden frühzeitig zu erkennen oder sogar proaktiv zu verhindern.

Panorama Beach am Faaker See

Villachs Umgebung

Natürlich habe ich auch meine Freizeit genutzt und die Region Kärnten erkundet. So habe ich zum Beispiel einen Ausflug nach Slowenien (45 Minuten Fahrtzeit) gemacht, bin in den umgebenden Bergen (Karawanken oder dem „Hausberg“ Dobratsch) gewandert oder habe einige der zahlreichen Seen zum Baden und entspannen genutzt. Entwürfe dieses Berichtes sind zum Beispiel am „Panorama Beach“ am Faaker See entstanden.

Fazit

Eine interessante und abwechslungsreiche Zeit in Villach liegt nun hinter mir und ich konnte einiges für mich mitnehmen.

So kann ich mich nun viel besser in unsere Auszubildenden hineinversetzen und weiß, wie es sich anfühlt neu in ein Team zu kommen und wie wichtig ein koordinierter Ablauf ist. Ich möchte in Zukunft schon zu Beginn eines Ausbildungsabschnittes klare Ziele zusammen mit den Auszubildenden definieren.

Im Bereich der Digitalisierung sehe ich uns als Modellkommune auf einem guten, wenn auch noch langen Weg.

Oft war ich verwundert, welche Angebote die Stadt für Ihre Bürger*innen umsetzt (z.B. kostenloses Seebad), der (kostenlose) E-Bus oder der Lokal-Bonus Villach.  

Letzteres ist eine Aktion, die zum Ziel hat die Einbußen der Gastronomie in der Corona-Zeit zu begrenzen. Jeder, der in Villach einkauft (Summe > 40€), kann Rechnungen (natürlich digital) bei der Stadt einreichen und bekommt Gastronomie-Gutscheine in Höhe von 20% der Rechnungssumme. Diese können anschließend in der Innenstadt Gastronomie eingelöst werden.  

Ich habe viele Kontakte geknüpft und einige Villacher Kolleg*innen wünschen sich, sich mit Wuppertaler Kolleg*innen zu verschiedenen Themen auszutauschen.

Gerne auch in Wuppertal.

Mir hat das Praktikum viel Spaß gemacht und ich kann jedem empfehlen, an einem solchen Austausch teilzunehmen.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

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