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EUROPA Förderung

Auszubildende und Ausbilder*innen berichten aus dem Praktikum

Wuppertal goes Europe – Arbeiten in Gouda/ Niederlande

Hanna Riese ist Auszubildende im zweiten Jahr zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Stadtbibliothek Wuppertal und absolvierte vom 15.07. bis zum 26.07.2019 in der Stadtbibliothek in Gouda ein zweiwöchiges EU-Praktikum.

Frau Riese in Gauda

Werken in de Bibliotheek Gouda – eine tolle Erfahrung

Das Praktikum in der Stadtbibliothek in Gouda war eine wunderbare Erfahrung für mich, bei der ich viel über die modernen Arbeitsweisen und den besonderen Service in holländischen Bibliotheken gelernt habe.

Im Folgenden finden Sie einen kleinen Überblick über die verschiedenen Bereiche, die ich kennen lernen durfte.


De Chocoladefabriek

Die Chocoladefabriek ist ein echtes kulturelles Zentrum für die Bürger*innen von Gouda und Umgebung.

Hier kommt man hin zum Lesen, Arbeiten, Chillen, Essen oder auch einfach zum Beisammensein.

Bei den sogenannten „Bewoners“, die entgegen der Erwartung keine Menschen sind, handelt es sich um die vier verschiedenen Einrichtungen der Fabrik: die Bibliothek, ein Restaurant, das Regionalarchiv und eine Druckwerkstatt.


De Bibliotheek Gouda

Die Bibliotheek Gouda, das Hauptziel meiner Reise, ist, wie ich finde, ein hervorragendes Beispiel für das angestrebte Konzept der Bibliothek als dritten Ort.

Dieses beinhaltet das Vorhaben, die Bibliothek neben dem Zuhause und der Arbeit als festen, dritten Bestandteil des Lebens zu etablieren.

Ungewöhnliche Leseecken auf der Treppe in der Bibliothek

Open-Library

In der Bibliothek Gouda hatte ich die Möglichkeit, einen Einblick in das „Open-Library-System“ zu erhalten, d.h. es gibt Öffnungszeiten, zu denen lediglich ein Sicherheitsdienst vor Ort ist, jedoch niemand vom eigentlichen Bibliothekspersonal im Service zur Verfügung steht.

Die Chocoladefabriek hat sieben Tage die Woche von 9:00-21:00 Uhr geöffnet und gewährleistet auch ohne Fachpersonal, dass die Nutzer abends und am Wochenende die Bibliothek besuchen können. Das Konzept funktioniert gut und sorgt für eine große Nutzerzufriedenheit.

Bibliotheksmitarbeiter*innen on Demand

Jede Mitarbeiter*in im Service trägt eine Uhr, die anfängt zu vibrieren, sobald ein Nutzer einen Knopf an der unbesetzten Theke betätigt.

Dadurch wird sichergestellt, dass die Mitarbeiter*innen sich frei in der Bibliothek bewegen können und trotzdem jederzeit den Nutzer*innen als Ansprechpartner*innen zur Verfügung stehen.

De Bibliotheek aan Huis

De Bibliotheek aan Huis ist ein Service, den viele Bibliotheken in den Niederlanden anbieten.

Hier liefern Ehrenamtliche Bücher an Benutzer*innen, denen es nicht mehr möglich ist, in die Bibliothek zu gehen und sich selber Bücher auszuleihen.

Ellie, eine Bibliotheksmitarbeiterin, erklärte mir, dass das Vorbeibringen der Bücher nicht nur ein Lieferservice sein soll, sondern eine wichtige soziale Komponente beinhaltet.

Taalhuis (Sprachenhaus)

Das Taalhuis (Sprachenhaus) hat ebenfalls seinen Sitz in der Chocoladefabriek und bietet verschiedene Aktionen für Menschen, die Probleme mit der niederländischen Sprache haben.

Sei es, weil sie eine andere Muttersprache haben oder an Dyslexie (mangelnde Fähigkeit, Wörter oder zusammenhängende Texte zu lesen, zu verstehen oder zu schreiben ) leiden.

Mit dem Taalhuis versucht die Bibliothek zudem zu einer gelungenen Integration beizutragen, da es sich insbesondere auch an Teilnehmer*innen mit Migrationshintergrund richtet.

Hier werden Workshops angeboten, um die niederländische Sprachkompetenz zu verbessern, Computer-Kurse für die Grundlagen der Bedienung, Hilfen bei Bewerbungen oder einfach gemeinsames Lesen.

Ich habe hier bei einer Sommeraktion mitgemacht und u.a. mit Kindern gebastelt.

Kinderbibliotheek in Bloemendaal-Plaswijk

De Kinderbibliotheeken

Zu der Bibliothek Gouda gehören neben den beiden Zweigstellen in Bloemendaal und Goverwelle ebenfalls vier Kinderbibliotheken. Diese Außenstellen befinden sich in Schulen.

Die Kinderbibliotheken legen, ebenso wie die Stadtbibliothek Wuppertal, Wert darauf, eine Kooperation mit den Schulen der Stadtteile zu haben.

Die besonders beliebten und neuen Bücher aus dem Bestand der Kinderbibliotheken werden, aufgrund der Schließung der Kinderbibliotheken am Anfang der Ferien, an die Chocoladefabriek gesendet und hier für den Zeitraum der Ferien in den Bestand aufgenommen.

Hier konnte ich, nach Kennenlernen der Kinderbuch-Systematik, z.B. die Bücher aus dem Bestand der Kinderbibliotheken selbständig in das System einbuchen.

Bei einem Bücherflohmarkt habe ich bei der Organisation und beim Verkauf der Bücher geholfen.

Dies verbesserte fast nebenbei mein Englisch und Niederländisch.

De Uitleenpunten

De Uitleenpunten

Die beiden oben genannten Zweigstellen haben nur einen Bestand an Erwachsenen-Literatur.

Eine dieser Zweigstellen besuchte ich zusammen mit Joke, einer Kollegin.

Sie erklärte mir, dass diese Uitleenpunten ohne Mitarbeiter funktionieren, es gibt also kein Servicepersonal.

Lediglich einmal am Tag schaut jemand vorbei, um nach dem Rechten zu schauen.

Es zeigt ein gewisses Vertrauen in die Nutzer, dass sie anständig und gewissenhaft mit dem Eigentum der Bibliothek umgehen.


Mijne Activiteiten

Da mir in der Zeit meines Praktikums sehr viel Verschiedenes geboten wurde, gab es ein großes Spektrum an Tätigkeiten für mich:

Neben Besuchen in den Kinderbibliotheken und Zweigstellen hatte ich die Möglichkeit, alle anderen „Bewoner“ der Chocoladefabriek kennen zu lernen.

So bekam ich eine Führung durch den Drukkerswerkplaats und habe im Streekarchief zusammen mit Kolleg*innen das Archivgut für Nutzer gesucht und bereitgestellt.

Ich habe darüber hinaus mitgeholfen, Nutzeranfragen zu beantworten, die sich auf die Durchführung von Familienforschungen bezogen. Hierbei recherchierte ich in Geburts-, Heirats- und Sterberegistern.

Meine Hauptaufgaben fand ich jedoch in der Bibliothek, da dies ja auch meinem besonderen Interesse entsprach.

Hinter den Kulissen wurde mir z.B. gezeigt, wie und bei wem neue Bücher bestellt und anschließend im Bestand aufgenommen werden, wie die Informationen über das Buch im Bibliothekskatalog zu finden sind oder wie ausgesonderte Bücher aus diesem Katalog gelöscht werden.

Die meiste Zeit war ich jedoch mit im Service tätig, habe dort also mit Kolleg*innen am Service-Punkt Fragen von Nutzer*innen beantwortet und auch selbständig Bibliotheksausweise ausgestellt.

Diese Arbeit war sprachlich eine Herausforderung, da ich kein Niederländisch kann. Die Konversation in Englisch funktionierte mit den meisten Nutzern jedoch richtig gut.

Beim Umgang mit dem Bibliotheks-EDV-System „Bicat“ haben mir natürlich anfangs die Kolleg*innen weitergeholfen.

Einige Aufgaben konnte ich dann sehr schnell selbstständig erledigen, wie z.B. die Rückgaben der Schulen im System verbuchen, Buchreservierungen eingeben, so dass die Nutzer automatisch benachrichtigt werden, die Bücher dann im Abholregal für die Nutzer bereitstellen oder die Zweigstellen-Bestellungen im Bestand suchen und ebenfalls bereitlegen.

Darüber hinaus waren die Signaturen auf dem Buchrücken sehr leicht für mich zu durchschauen, da ich in der Berufsschule auch bereits andere Aufstellungssystematiken als jene in Wuppertal kennengelernt habe.

Die Bücher aus den Bereichen Belletristik, Sach- und Kinderbücher konnte ich daher selbständig in die entsprechenden Regale zurückstellen.

cof

Bedankt

Das Praktikum war sowohl aus beruflicher, sowie auch aus privater Sicht eine Bereicherung für mich.

Eine moderne Bibliothek, wie die Bibliotheek Gouda zu besuchen, war eine besondere Erfahrung, da ich dadurch einen Einblick in die Atmosphäre und die Arbeitsweise der zukünftigen modernen Bibliotheken mit ihren speziellen Service-Angeboten kennenlernen konnte.

Durch das Praktikum ist mein Englisch ebenfalls viel flüssiger geworden und ich konnte durch den täglichen Gebrauch viel sicherer Kommunizieren.

Insbesondere das bibliothekarische Fachvokabular hat sich bei mir sehr verbessert.

Durch die Mischung aus Aufnehmen von Informationen und selbstständigem Arbeiten war das Praktikum sehr schön für mich, da ich mich auch gut mit einbringen konnte.

Ich glaube, auch die holländischen Kolleg*innen haben meine Mitarbeit sehr geschätzt, was sie auch bei der netten Verabschiedung zum Ausdruck brachten.

Wie sehr die Chocoladefabriek ein dritter Ort ist, konnte ich selbst erfahren, denn auch an meinen freien Tagen habe ich in der Regel das tolle Restaurant besucht.

Persönlich habe ich mich ebenfalls weiterentwickelt, da ich selbstständiger geworden bin und alles alleine geregelt habe.

Abschließend möchte ich allen Beteiligten in Gouda und Wuppertal danken, die mir diese schöne Erfahrung, die mit dem EU-Praktikum verbunden war, ermöglicht haben.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

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