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FeuerwehrLeitstelle

Technik und Ausbildung

Technik und Ausbildung der Leitstelle

Der Arbeitsplatz Leitstelle hat sich in den letzten 30 Jahren sehr verändert. Während damals noch „Funker*innen“ und „Telefonist*innen“ in den Leitstellen arbeiteten, sind die Leitstellendisponent*innen von heute eine kleine, hochspezialisierte und bestens ausgebildete „Spezialeinheit“. Vor 30 Jahren gab es in der Leitstelle Telefone, Stifte, Papier und viele Taster, heute sind es Bildschirme, Tastaturen, Headsets und eine ständig wachsende Zahl an digitalen Unterstützungs-, Auskunfts- und Informationssystemen.

Die fachlichen, kognitiven und emotional/informatorischen Anforderungen, die heutzutage an Leitstellendisponent*innen gestellt werden, sind enorm hoch. 

An keiner anderen Stelle der Feuerwehr werden so viele Entscheidungen pro Zeiteinheit getroffen, wie in der Leitstelle. Kein anderer Arbeitsplatz ist so gläsern und transparent wie der Arbeitsplatz Leitstelle. Die Dokumentation eines Einsatzes beginnt bereits mit dem ersten klingeln in der Leitstelle und endet erst mit dem Abschluss des Einsatzes im Einsatzleitsystem. Nicht nur die Gespräche werden aufgezeichnet, sondern auch der Funkverkehr und die Durchsagen über die elektroakustische Wachalarmanlage (ELA).

Aus- und Fortbildung, Qualitätsmanagement

Ausbildung der Disponent*innen

Kolleg*innen, die zu Leitstellendisponent*innen ausgebildet werden, müssen folgende fachliche Voraussetzungen vorweisen:

  • Feuerwehr-Grundausbildung (B1)
  • Gruppenführer-Ausbildung (B3)
  • Ausbildung als Rettungsassistent*in oder Notfallsanitäter*in (Zukünftig ist die Ausbildung als Rettungssanitäter*in plus eine leitstellenspezifische rettungsdienstliche Zusatzausbildung ausreichend)
  • Mehrjährige Erfahrung im Bereich Feuerwehr und Rettungsdienst

Neben den fachlichen Voraussetzungen müssen die Kolleg*innen unter anderem über ausgeprägte soziale/kommunikative Kompetenzen und ein hohes Maß an Multitasking- und Entscheidungsfähigkeit verfügen.

Die Weiterbildung zum/zur Leitstellendisponenten*in wird durch unser Personal und in den Räumlichkeiten der Leitstelle bzw. der Hauptfeuerwache durchgeführt. Sie gliedert sich in:

  1. 6 Wochen theoretischer und praktischer Unterricht im Tagesdienst mit anschließender schriftlicher und praktischer Prüfung
  2. 5 Wochen Praktikum in der Leitstelle im 24-Stunden-Dienst mit anschließendem Abschlussgespräch
  3. 1 Jahr Praktikum als vollwertige*r Disponent*

Die Schwerpunkte der Weiterbildung sind unter anderem:

  • Arbeit mit dem Einsatzleitsystem
  • Arbeit mit den Unterstützungssystemen
  • Vertiefte Kenntnisse über die beteiligten Feuerwehren und deren Strukturen und Einsatz-Taktiken
  • Kommunikation

Die zukünftigen Disponent*innen absolvieren während ihrer Ausbildung ein 3-tägiges Englisch-Seminar.

Aktuell führen wir pro Jahr zwei Leitstellen-Lehrgänge durch und bilden hierdurch 12 Disponent*innen aus.

Fortbildung der Disponent*innen

Zusätzlich zu der gesetzlich vorgeschriebenen 30-stündigen Rettungsdienst-Fortbildung absolvieren alle Disponent*innen eine 2-tägige leitstellenspezifische Fortbildung. 

Um der Schnelllebigkeit und den ständig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, und alle Disponent*innen auf einem aktuellen Stand zu halten, soll an zwei Tagen in der Woche eine dienstgruppeninterne Kurz-Fortbildung stattfinden.

Ausbildungmodul für Notfallsanitäter-Auszubildende

Zu der Ausbildung von Notfallsanitäter*innen gehört ein Einblick in die Leitstellen-Arbeit. So verbringen die Auszubildenden im dritten Lehrjahr fünf Tage in der Leitstelle. In dieser Zeit bekommen sie drei Tage theoretischen Unterricht und verbringen zwei Tage mit einem*r erfahrenen Disponent*in in der Leitstelle, um sich selber ein Bild über diesen verantwortungsvollen Arbeitsplatz machen zu können und Hintergrundwissen zu erwerben.

Mehr Informationen
Ausbildung der Notfallsanitäter*innen (Öffnet in einem neuen Tab)

Qualitätsmanagement

Das interne Qualitätsmanagement spielt in der Leitstelle eine wichtige Rolle. Hier werden beispielsweise laufend folgende Kennzahlen kontrolliert:

  • Reaktionszeiten (Zeit, in welcher die Gespräche angenommen werden)
  • Gesprächszeiten
  • Nutzungsquote standardisiertes Notrufabfragesystem
  • Notarzt-Nachforderungsquote

Die erfassten, bewerteten und aufgearbeiteten Daten werden als interne Quartals-Statistiken veröffentlicht.

Für Leitstellendisponent*innen ist es so gut wie unmöglich, ein direktes Feedback über ihre Arbeit zu bekommen. Aus diesem Grund, wurde vor zwei Jahren eine regelmäßige Notruf-Supervision eingeführt. Die Disponenten haben zwei Termine im Jahr, pro Termin werden mindestens drei Gespräche supervidiert. Außerhalb dieser Termine können sich die Kollegen jederzeit an den verantwortlichen Kollegen wenden, wenn sie ein Gespräch supervidiert haben möchten.

Leitstellenarbeit bedeutet Arbeit in einer Hochrisiko-Organisation (HRO) der kritischen Infrastruktur. Zur Vermeidung und Aufarbeitung von kritischen Situationen haben wir im Januar 2020 haben ein Critical Incident Reporting System (CIRS) eingeführt. CIRS ist ein Fehlermeldesystem, in welchem Fehler in verschiedenen Bereichen der Leitstelle gemeldet werden können. Angefangen bei technischen Fehlern bis hin zu Problemen in der Kommunikation können im CIRS Fehler, auch anonym, gemeldet werden. Das Ziel ist, dass ein Fehler nur einmal passieren muss. Die gemeldete Situation wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet (360°-Betrachtung), in einem Team besprochen. Die Situationen und die Ergebnisse dieser Besprechung werden für alle zugänglich dargestellt. Aus Fehlern lernen in Kombination mit einer nichtstrafenden Grundhaltung sind die Leitgedanken.

Technik und Schnittstellen

Einsatzleitplätze

In den Räumlichkeiten der Leitstelle stehen den Disponenten neun vollwertige Einsatzleitplätze (ELP, Arbeitstische der Disponenten) mit jeweils acht Monitoren zur Einsatzbearbeitung zur Verfügung.

Das Einsatzleitsystem „Cobra“ wird auf fünf Bildschirmen dargestellt, das Kommunikationssystem „Asgard“ beansprucht einen Bildschirm, ein Bildschirm wird für einen separaten Info-PC benötigt und auf einem Bildschirm werden tagesaktuelle Informationen dargestellt.

In unserem Kommunikationssystem werden die Funktionen „Telefonie“, „Funk“, „Wachalarm“ und „Wachensteuerung“ zusammengeführt. 

Uns stehen insgesamt für Solingen und Wuppertal 16 Notruf-Kanäle (112) und 8 Kanäle für die Telefonnummer 19222 zur Verfügung. Es können im Normalbetrieb maximal 9 Gespräche parallel geführt werden. Daneben haben wir diverse Sondernummern für die Polizei-Leitstelle, Werkfeuerwehren, umliegenden Leitstellen, Energieversorger und Verkehrsunternehmen.

Zur Lagedarstellung, speziell bei größeren Einsatzlagen, stehen uns eine Multimediawand und ein Smartboard zur Verfügung.

Ausnahme-Abfrage-Plätze

Bei erhöhtem Anrufaufkommen (wie z.B. bei Sturm oder Hochwasser) können durch dienstfreies Personal 6 sogenannte „Ausnahme-Abfrage-Plätze“ (AAP) für die Annahme von Notrufen besetzt werden. Diese AAP-Plätze sind abgespeckte Einsatzleitplätze mit lediglich 3 Monitoren.

Dem Stab der Feuerwehr Wuppertal stehen in einem Kommunikations-Raum neben dem Stabsraum zwei weitere vollwertige Einsatzleitplätze zur Verfügung.

Fernmeldezentrale (FMZ) der Feuerwehr Solingen

Die Feuerwehr Solingen betreibt in ihrer Feuerwache I auf der Katternberger Straße eine Fernmeldezentrale (FMZ). Die Ausstattung FMZ ist nahezu identisch mit der Ausstattung der Leitstelle. Dort stehen vier vollwertige Einsatzleitplätze und sechs AAP-Plätze zur Verfügung. Die FMZ ist die Rückfallebene der Feuerwehrleitstelle Solingen-Wuppertal und kann mit kurzem Vorlauf vollständig die Aufgaben der Leitstelle übernehmen. Im Normalbetrieb befindet sich kein Personal in der FMZ.

Einsatzleitwagen

Täglich werden zwei Disponent*innen als Führungsassistent*innen auf den Einsatzleitwagen-B der Feuerwehr Solingen und Wuppertal eingesetzt.

Unsere Disponenten sind nicht nur die Fahrer der Fahrzeuge! In den Einsatzleitwagen stehen den Kolleg*innen das Einsatzleitsystem und alle anderen digitalen Unterstützungs-, Auskunfts- und Informationssysteme zur Verfügung. Sie haben die Möglichkeit, Rückmeldungen von den Einsatzstellen sofort in das Einsatzleitsystem einzugeben und sind die Bindeglieder zwischen Einsatzleitung vor Ort und der Leitstelle.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal

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