2. Wuppertaler Literatur Biennale ein Publikumserfolg

Die 2. Wuppertaler Literatur Biennale hat Wuppertal vom 21.-31. Mai zur Literaturstadt werden lassen. Nahezu 3.000 Gäste verfolgten die 33 Lesungen und Diskurse, an denen 51 Autorinnen und Autoren aus insgesamt 15 Ländern teilnahmen. Begleitet wurden diese von namhaften Moderatoren, Sprechern und Musikern.

 

Für die Veranstalter, das Kulturbüro der Stadt Wuppertal und die Literarischen Institutionen der Stadt, ist die zweite Auflage des Literaturfestes ein großer Erfolg. Das Festival mit Themenvorgabe, 2014 "Unterwegs nach Europa", hat sich bewährt. Das Publikum kam aus dem weiten Umland in die bergische Metropole, um an Veranstaltungen teilzunehmen.

 

Aus einer Vielzahl besonderer Ereignisse sind einige hervorzuheben: Den Auftakt bildete Martin Walser, der mit Denis Scheck über das "Wahre Europa" sprach. Seine Feststellung "In der Literatur gibt es kein Ausland" hätte als Untertitel der gesamten Reihe dienen können.

 

Der Neuseeländische Autor Anthony McCarten stellte gemeinsam mit Margarete von Schwarzkopf seinen neuen Roman "Funny Girl" vor, gelesen von Rufus Beck. McCarten setzt in seinen Erzählungen und Theaterstücken auf die Kraft des Humors, selbst dann, wenn es um harte Gesellschaftskritik geht und begeisterte das Publikum mit besten Comedy-Einlagen.

 

Ihre neuesten Romane stellten auch die Schriftsteller Feridun Zaimoglu (mit Diana Zulfoghari), Terézia Mora (mit Hubert Spiegel), Jaroslav Rudis (mit Ulrich Hufen), Klaus Michael Bogdal (mit Sigrid Löffler) und Pauline de Bok (mit Thorsten Krug) vor.

 

Lars Gustafsson, der schwedischer Autor und Philosoph bildete den krönenden Abschluss mit einem Gespräch über die Poesie, die Zeit und sein Dichterleben sowie Lesungen seiner Gedichte und aus Romanen durch die Schauspielerin Mechthild Grossmann, moderiert von Maike Albath.

 

Junge Verleger acht europäischer Literaturzeitschriften, aus Frankreich, Großbritannien, Polen, Schweden und Deutschland, trafen sich in Wuppertal: bei einer Tagung und in einer öffentlichen Veranstaltung diskutierten sie über ihre Arbeit in " Laboren für eine neue Literatur". Diese, wie auch alle anderen Veranstaltungen zur jungen Literatur, u.a. mit den Schriftstellern Martin Kordic, Ulrike Almut Sandig, Daniela Danz, Fabian Hischmann und Phillip Möller, erreichten ein, zur Freude der Veranstalter, großes Publikum.

 

Facettenreich zeigte sich auch die regionale Literaturszene, z.B. mit einer Spazierganglesung, einem "Dead or Alice Poetry Slam" und einer Generation Stage - immer unter Beteiligung von 6 bis 8 Autoren unterschiedlicher Generationen - der Jahrgänge 1923 bis 1994.

 

Das Programm zum Thema "unterwegs nach Europa" knüpfte auch - immer literarisch - an historische Themen an, z.B. mit "Weltenbrand", einer beeindruckenden szenischen Lesung von Schauspielstudenten der Folkwang Universität der Künste aus Texten der Weltliteratur zum 1. Weltkrieg.

 

Die Wuppertaler Literatur Biennale 2014 dankt ganz herzlich der Kunststiftung NRW, dem NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, der Jackstädt Stiftung, dem LVR, dem Kultursekretariat NRW und der Stadtsparkasse Wuppertal für ihre Förderungen, ohne die ein solches Literaturfest nicht möglich wäre.

 

Dank gilt auch allen Initiatoren, die in die Programmplanung, -konzeption und Begleitung verschiedener Veranstaltungen eingebunden waren und damit wesentlich zur Realisierung beigetragen haben.

 

Die Initiatoren sind die Goethe Gesellschaft/Wuppertal, die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft, die Armin T. Wegner Gesellschaft, Literaturhaus Wuppertal e.V., der Verband Deutscher Schriftsteller/Bergisches Land und NRW, die GEDOK Bergisches Land, die Universität Wuppertal/Fachbereiche Germanistik und Romanistik gemeinsam mit dem Kulturbüro der Stadt Wuppertal.


KOMMENTARE

"Die Biennale 2014 hat bestätigt, was sie 2012 schon erahnen ließ: Wuppertal möchte ein regelmäßiges lebendiges Literaturfest, mit spannenden Autoren, an charmanten Orten und mit begeisterten Menschen. 2016 kann kommen."
- Jörg Degenkolb-Degerli, Autor

"Die Biennale war sehr bereichernd für mich. Ich denke, das ging allen Literaten der Stadt so.
Die letzte Lesung von Lars Gustafsson war für mich der Höhepunkt. Ich lese zurzeit seine Gedichte."
- Friederike Zelesko, Autorin

"Die Wuppertaler Literatur - Biennale 2014 ist eine wirklich gelungene Veranstaltungsreihe, die eine beeindruckende Vielfalt von Literatur in der Stadt zeigt. Vielen Dank!"
-Irmela Fröhlich, GEDOK

"Die Wuppertaler Literatur Biennale ist eine hervorragende Plattform,  dem interessierten Publikum die große Besonderheit und Qualität der Wuppertaler Literaturschaffenden komprimiert zu präsentieren."
-Brigitte Melchers, GEDOK  

"Mir war, als entdeckte ich während der Literaturbiennale unbekannte Seiten von Wuppertal:
Die Krone verdient das Publikum: Alle Generationen waren da! Begeisterung für Ernstes und Verrücktes!
Nähe zu den Autoren dieser Stadt! Prominenten und Unbekannten hörte man zu,
und griff nach ihren Büchern! Mehr kann man von einem Literaturfest nicht erwarten!
Ein kräftiger Schub nach vorn!"
-Herman Schulz, Autor


21. Mai 2014 Ein Bürger der Literatur - Martin Walser und Denis Scheck

Der Andrang für die erste öffentliche Lesung zum Start der Wuppertaler Literatur Biennale 2014 mit dem Motto "unterwegs nach Europa" war groß. Gegen 19:30 Uhr betrat Martin Walser zusammen mit Denis Scheck die Bühne des Barmer Bahnhofs. Bereit für die Reise "unterwegs nach Europa".

Nach der Begrüßung durch Kulturdezernent Matthias Nocke stellte Denis Scheck die Frage, ob sich Martin Walser als europäischer Autor sehe. Zwar ließe sich diese Frage nach Walser geografisch leicht beantworten, doch wurde im weiteren Gespräch deutlich, dass es für den souveränen Sprachvirtuosen vom Bodensee, der im voll besetzten Barmer Bahnhof auch aus seinem neuen Werk "Inszenierung" vorlas, in der Welt der Literatur nie Grenzen gab und auch kein Ausland gebe. Er sei ein Bürger der Literatur.

Mit 87 Jahren machte Walser auf der Bühne eine gute Figur. Er tat es seiner neuen Romanfigur Augustus Baum nicht gleich und brach - trotz des schwülen Wetters - nicht auf der Bühne zusammen. Er las im Licht der silbernen Stehlampe am Rednerpult mit der Routine und der Stimme eines Initiators und Regisseurs aus seinem Werk vor und gewährte dem Publikum einen Einblick in seine nicht geheime Affäre, die Literatur:

"Irgendwann klopfte es leise, er antwortete nicht, Ute-Marie kommt herein. Sie knipst die kleine Taschenlampe an, Augustus hat die Augen geschlossen, er spielt den Schlafenden. Sie schaut ihm länger zu, dann streichelt sie ihn noch ganz leicht und sagt: Du mein Herz, schlag in mir."

Die samtroten Lehnen des Publikums waren senkrecht gestellt und Denis Scheck stellte die Weichen für eine humorvolle und trotz des Themas Europa, unpolitische Bühnenkonversation, in der sich Martin Walser lachend über den guten Riecher, die Schlagfertig- und Spitzfindigkeit des "Trüffelschweins" Scheck echauffierte. Ein gelungener Auftakt der Biennale 2014 mit Martin Walser.
Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik

22. Mai 2014 Europa erfindet die Zigeuner - K. Bogdal und S. Löffler

Das diffuse Licht fiel auf die drei versetzt und doch sich "zugeneigt" wirkenden Tische im Cafè Ada - inzwischen längst Institution und Ort lebendiger Kultur in Wuppertal -, an denen Sigrid Löffler, Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal und Bernd Kuschmann Platz nahmen. Vor ihnen ein schemenhaft zu erahnendes Publikum, das sich in die "freie, wilde Welt" der fahrenden Völker entführen ließ. Bernd Kuschmann, langjähriges Mitglied der Wuppertaler Bühnen, las aus frühen Beschreibungen der Zigeuner in der deutschen Literatur und rief dem Publikum immer wieder Klischees vor Augen.

In einer Zeit, in der Wahlkampf auf dem Rücken von "Sozialtouristen" gemacht und sich wieder ohne Scham solch alter Klischees bedient wird, wirkt das Buch von Prof. Bogdal "Europa erfindet die Zigeuner", das die Geschichte der Rom-Völker recherchiert, wie ein aufklärerischer Akt, der nicht nur Verständnis für diese Bevölkerungsgruppe einfordert, sondern auch ein Hinterfragen aktueller europäischer Strukturen.
Die Entstehung von Nationalstaaten im 19. Jahrhundert war zentrales Unglück in der Geschichte der "fahrenden Völker", sie gehörtem keinem an. Mit ihrer mündlich überlieferten Kultur waren und sind die Rom-Völker für das europäische Kulturverständnis immer Außenseiter geblieben, da Kultur für das gemeine Verständnis auf Schriftlichkeit basiert. Die Rom-Kultur wirkte im Zuge der Industrialisierung Europas wie ein Gegenentwurf. Ebenso verfolgt und ermordet wie die Juden, nur mit einer anderen verheerenden Begründung und nie richtig aufgearbeitet, blieben die Klischees bis ins 21. Jahrhundert erhalten. Die Rom-Völker wurden zu Europäern zweiter Klasse.
In der warmen, kulturgeschwängerten Luft des Cafè Adas entstand ein hoch interessanter Dialog zwischen Sigrid Löffler und Klaus-Michael Bogdal. Die Wiener Publizistin und Literaturkritikerin stellte nicht nur Fragen, sondern übernahm auch einen ergänzenden Part. Das Publikum war gefesselt von der Darbietung und es brandete immer wieder Applaus auf, wenn Bernd Kuschmann mit seiner rauchigen Stimme vortrug. Die Zuhörer erlebten einen Abend voller Emotionen und Eindrücke.
Bogdal biete keinen Lösungsvorschlag, hieß es am Ende der Veranstaltung. Er klärt auf und vielleicht wird auf diesem Weg doch schon ein Lösungsansatz sichtbar, wenn man die Rom-Völker nicht im Lichtkegel ihrer Verfolger, sondern in dem ihrer eigenen Kultur betrachtet.
Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik

22. Mai 2014 Terézia Mora liest aus "Das Ungeheuer"

Die am 22.05.2014 im TalTonTheater stattfindende "Seelenreise nach Südosteuropa" war ausverkauft. Ein gespanntes Publikum lauschte dem Gespräch des Moderators Hubert Spiegel mit der Autorin Terézia Mora. Die Zuhörer wurden auf eine Reise durch die literarische Ideenwelt der Schriftstellerin entführt.

 

"Wohin kannst du gehen, wenn statt eines Ortes eine Person dein Zuhause geworden ist?"
(Das Ungeheuer)

 

Der Reiseleiter ist Darius Kopp, der Protagonist des Romans "Das Ungeheuer". Nach dem Selbstmord seiner Frau Flora, einer aus Ungarn stammenden Übersetzerin, findet Kopp Dokumente auf ihrem Computer - und begibt sich mithilfe dieser Dateien gemeinsam mit dem Leser auf die Suche nach dem Grund für Floras Tod. An ihrem neuen Roman "Das Ungeheuer" schätzt Terézia Mora, dass sie sich frei wie eine "fliegende Kamera" mit dem Protagonisten bewegen könne.

 

Der Moderator Hubert Spiegel schaffte auf der Bühne eine private Atmosphäre und ließ so das gespannte Publikum an dem Gespräch über ungarische Lyrik, Poetik-Vorlesungen und dem neuen Roman Terézia Moras teilhaben

 

Lara Ehlis -Praktikantin im Kulturbüro und Studentin von Spanisch und Germanistik, BA


23. Mai 2014 Isabel - Feridun Zaimoglu

Ein Cafè, voller Saal, ein anonymes Husten, Getuschel, Räuspern, Gläser klirren, gleich geht's los. Feridun Zaimoglu betritt den Raum, an seiner Seite Diana Zulfoghari (Moderatorin bei WDR5). Sie hellgrün gekleidet mit roten, Sonnenblumen verzierten Schuhen, er in Schwarz mit silbrigem Schmuck, der zu seinen lässig getragenen grauen Haarsträhnen passt. "Bitte, machen Sie das Handy aus!", sagt Frau Zulfoghari und hält ihr eigenes Smartphone in der Schutzhülle hoch ins gedimmte Scheinwerferlicht.

 

Frau Schettler leitet den Abend ein und übergibt das Wort an die Moderatorin und den Protagonisten. Feri, wie ihn seine Freunde nennen, liest aus seinem neuen Roman "Isabel" vor. Mit viel Bedacht und immer wieder rhythmisch, fast in Sprechgesang fallend trägt er aus "Isabel" mit seiner kratzigen Stim... in der Jacke von Diana Zulfoghari klingelt ein Handy... Es klingt wie Isabels Charakter, es eckt an, reibt sich an Momenten auf. Zaimoglu lässt das Publikum den vor Armut und Schmutz triefenden Text schlucken, fast schon aufsaugen.

 

Isabel ist die Lust an den Liebesspielchen der Männer vergangen und zieht doch alle im Cafè Ada in ihren Bann, um sie dann vor den Kopf und wegzustoßen. Keine Liebesspielchen, aber ein Rein und Raus, ein Wechsel zwischen dem dreckigen Berlin und dem kulturellen Wuppertal.

 

Feridun Zaimoglu ist Deutscher, das wird deutlich an diesem Abend. Vielleicht ist er deutscher als so mancher Deutscher im Raum, aber auf jeden Fall mehr als so mancher Türke türkisch. Er hatte Heimweh nach Kiel bei seinem Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom. Sein bester Freund Gunther musste in Kiel das Telefon aus dem Fenster halten, damit er die steife Brise und den Schrei der Möwen hören konnte.

Gartenzwerge sammelt er und seine Romanfigur Isabel ist keine "türkische Aubergine" mehr, sie ist wie er "eine deutsche Kartoffel".

 

Wenn Feridun Zaimoglu auf seiner elektrischen Schreibmaschine schreibt, will er nach eigener Aussage sich selbst zerstören, weg von sich selbst und so spielt er doch klammheimlich wie Isabel seine Lustspielchen mit den Zuhörern.

 

Übrigens, beim anschließenden Abendessen gab es für die selbstzerstörerische Kartoffel keine Pommes oder Püree, sondern nordischen Lachs. Heimat ist doch mehr als ein Land!

 

Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik


24. Mai 2014 Die europäische Idee - Robert Menasse und Jörn Rüsen

Champions-League Finale Atletico gegen Real, doch die City Kirche war gut gefüllt, stand doch schon fest, wer gewinnt: Madrid.

Robert Menasse als gefühlter Programmsieger dieses Abends knipste noch ein Gewinnerfoto für seine Facebookseite, ehe er dann sein eigenes Programm mit einer Impulsrede startete.

 

Es wurde nicht mehr und nicht weniger als eine Ohrfeige für die europäische Politik und die Intellektuellen (zuerst Deutschlands, dann Europas). In einer flammenden Rede, deren Funke auf das Publikum übersprang, rief er den Anwesenden die wirkliche europäische Idee ins Gedächtnis zurück. Verlogen sei es, sich hinzustellen und zu versichern, keiner verlöre seine Souveränität in Europa. Denn die Ursache für die in großen Teilen in Europa ausgefochtenen und ausgelösten Weltkriege, wäre der Nationalismus. Damit sei die europäische Idee klar: Friede durch Überwindung des Nationalismus! Aufgabe, die Abgabe von Souveränität an die supranationale Gemeinschaft.

 

Was folgte, machte aus Menasses zum Teil bewusst provozierend und polemisch vorgetragener Ohrfeige eine konkrete Idee Europas.

 

Professor Dr. Rüsen, Historiker, mahnte zur Besonnenheit und startete durch. Die Schatten Europas und ihre Aufarbeitung müssten allgegenwärtig und Teil der europäischen Identität sein und nicht nur die europäischen Errungenschaften, was zur Abwertung anderer Staaten führe.

 

Gegen Ende machte er durch eine ketzerische Aussage - von der Kanzel der City Kirche aus - die Schwere dieser humanistischen Aufgabe bewusst. Ruinen seien das Fundament Europas und "Gott sei Dank, gibt es schwere Krisen", denn ohne sie wäre Identität in Demut nicht möglich. Ein lang anhaltender Applaus kam auf, als Professor Rüsen wieder seinen Platz einnahm. Es war eine Ohrfeige, die wachrüttelte und die Ohren der Zuhörer zum Glühen brachte.

 

In einer Debatte stritten sich die beiden Protagonisten vor dem Auditorium um Details und konnten erst durch einen mahnenden Fingerzeig gestoppt werden.

 

Europa ist mit Sicherheit eine streitbare Frage, aber solange die Grundthesen und die Zielsetzung dieselben sind, ist es auch eine sinnbehaftete. Die Biennale 2014 scheint an ihrem dritten Tag am Kern der aktuellen europäischen Problematik angelangt zu sein.

 

Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik


24. Mai 2014 Die bergische Zeitschrift für Literatur "Karussell" Nr. 3

Zwischen bunten Buchrücken fand am 24.05.2014 die Vorstellung der dritten Ausgabe der bergischen Zeitschrift "Karussell" statt, welche pünktlich zum Beginn der Biennale erschienen ist. Thomas Helbig, der Inhaber der Bücherei Köndgen, erklärte seine Absicht, im Rahmen der Globalisierung eine regionale Identität schaffen zu wollen. Die Journalistin und Schriftstellerin Christiane Gibiec führte durch den Abend, welcher voll von Erzählungen aus einer Stadt war, "die zu Recht stolz sein kann auf ihre multikulturelle Identität". Die Lesungen wurden durch das Scheipner-Dosdogru Duo, bestehend aus Rüdiger Scheipner (Saxophon, Bassklarinette) und Tarik Dosdogru (Vibraphon), musikalisch begleitet.

 

Ingrid Stracke eröffnete die Lesungen mit ihrem Text "Straßenbahn und Kuckusuhr", eine Darstellung einer Auseinandersetzung mit Irland, Generationen- und Kulturdifferenzen. In ihrem Gedicht "In der Schwebe" fungiert die Schwebebahn als Allegorie der Liebe mit Wuppertaler Lokalbezug. Friederike Zelesko las "Latin Lover", eine Kurzgeschichte der kurzfristig erkrankten Karla Schneider. "Latin Lover" stellt eine ironische Beschreibung des italienischen Frauenhelden dar, welcher sich im Dunstkreis seiner "Mamma" befindet. Auch der darauf folgende Text befasste sich mit dem Thema Italien: Ingrid Scharwächters Miniatur "Galatina" erzählt von "einem anderen Italien" - dem der Kindheitserinnerungen.

 

Eine humoristische Retrospektive, in der ein Gabelstapler als Symbol des Schicksals dient, ist Karl-Otto Mühls "Es naht das Meer, es nahn die Geusen". Stefan Seitz' Text "Die spanische Küche ist auch nicht mehr das, was sie mal war" handelt, nach eigener Aussage, vom "Weltenbummler, welcher sich nicht allzu weit vom heimischen Sofa entfernen möchte". Er entführt den Zuhörer in die kulinarische Landschaft Wuppertals, stellt die Mischung von Kulturen dar und weiß, Stereotype zu widerlegen. Der letzte Text des Abends war zugleich eine Premiere für dessen Autor, denn Falk Andreas Funke stellte zum ersten Mal sein sprachakrobatisches szenisches Stück "In T kodierte Verwaltungssprache vor".

 

Die Moderatorin Christiane Gibiec schloss die Vorstellung der dritten Ausgabe des Karussells mit der Feststellung: "Die Biennale treibt die Menschen in Scharen auf die Straße", eine Aussage, die angesichts der - bei schönstem Grillwetter - gut besuchten Bücherei Köndgen die erste Woche der Wuppertaler Literatur Biennale passend zusammenfasste.

 

Lara Ehlis - Praktikantin im Kulturbüro und Studentin von Spanisch und Germanistik, BA


25. Mai 2014 Anthony McCarten "Funny Girl"

Wenn der klassische Theatervorhang am Ende hätte fallen können, so hätte er im Barmer Bahnhof vor Lachen auf dem Boden gelegen.

 

Was kann man über Europa von einem Mann erwarten, der aus Neuseeland stammt und sowohl in der britischen als auch der bayrischen Hauptstadt lebt? Und von einem anderen Mann, der Harry Potter durch seine Stimme erst Magie verlieh und dadurch deutschlandweit bekannt wurde?

 

Der volle Barmer Bahnhof bebte unter den Lachern des Publikums, als Anthony McCarten und Rufus Beck im grellen Spotlight sitzend, das Publikum und sich unterhielten.

Das "Funny Girl" aus dem neuesten Werk des neuseeländischen Autors wurde auf die Bühne gebeten und verstand es mit Herz, Anstand und Witz, einen Blick unter die Burka zu gewähren, auch wenn ihr die Haare zu Berge standen. Es war Rufus Beck, der in seiner unnachahmlichen Art aus McCartens Buch vortrug. Ein Ein-Mann-Theaterstück, eine One-man-performance, die auch, ohne den Texte zu verstehen - "I understood nothing, I laught about Rufus" (Anthony McCarten) - unheimlich lustig wirken konnte.

 

Vier Witze sollte der neuseeländische Autor von "Ladys Night" (Filmtitel - "Ganz oder gar nicht") über den Abend verteilt zum Besten geben. Doch als Entertainer, als der er sich schnell zu erkennen gab, wetteiferte er gegen Ende der Veranstaltung mit Rufus Beck um den Titel des Lustigsten im Bahnhof. Es flogen Krücken bei einer Wunderheilung Jesu, es stritten sich ein Indianer und ein Cowboy über eine Flussüberquerung und ein Lufthansa-Flug von Wuppertal nach New York fiel ins Wasser.

 

Damit wurde der Humor des Wuppertaler Publikums getroffen. Mit Wundern, die mit einer Flussüberquerung und einer sicheren Bauchlandung im Wasser zu tun haben, kennt sich jeder im Tal der Schwebebahn seit Tuffi aus.

 

Von wem kann man mehr über Europa lernen? Was bitteschön ist integrativer und grenzüberschreitender als ein Elefant in der Wupper?

 

Was ist verbindender als Humor?

 

Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik


26. Mai 2014 Geschichten aus Galizien. Manuel Rivas - die Zunge der Schmetterlinge

Der Saal des Eventum war voll belegt, als am 26. Mai 2014 der galizische Autor Manuel Rivas gemeinsam mit dem Moderator Lutz Kliche über Europa, Immigration und Freiheit sprach. Eindrucksvoll war zu beobachten, wie Rivas Einblick in seine Kindheitserinnerungen aus einem galizischen Dorf gewährte und beispielsweise von den phantastischen Impressionen einer durch die Gassen ziehenden Menge verkleideter Menschen berichtet.

 

"Der Gedanke Europas war für uns so etwas wie eine Utopie. Wir assoziierten den Begriff mit Freiheit."

 

Im ersten Teil des Abends las der Schauspieler Jörg Reimers die Erzählung "Die Zunge der Schmetterlinge" vor, welche die Zuhörer in die Zeit kurz vor Beginn des spanischen Bürgerkrieges versetzte. Nach der Pause sprachen Rivas und Kliche, welcher mit genauen Übersetzungen auch die nicht-spanischsprachigen Gäste des Abends an allen Facetten der Diskussion teilhaben lies, über Immigration und das Konzept Europa:

 

"Ich fände es gut, wenn Europa ein kleines Ökosystem wäre, in dem wir auch die Anderen sein könnten."

 

Der Abend endete damit, dass Rivas ein galizisches, lautmalerisches Gedicht über die Anonymität illegaler Einwanderer zum Besten gab, welches dem Publikum regelrecht Gänsehaut bescherte. Anschließend nahm der Autor sich für jeden der Gäste Zeit, deren Bücher nicht nur zu signieren, sondern auch individuell mit Zeichnungen zu versehen. Doch nicht nur dies bleibt einem Jeden von diesem Abend erhalten: Auch Rivas' poetisch-bildhafte Sprache wird den Besuchern sicherlich lange in Erinnerung bleiben.

 

Lara Ehlis - Praktikantin im Kulturbüro und Studentin von Spanisch und Germanistik, BA


26. Mai 2014 Was wollen Sie hier bei uns?

Sind Sie die Flüchtlinge - die Afrikaner, die Syrer und viele mehr und wir die anderen, die eine Festung errichten, um unsere heile Europäische Welt zu schützen?

 

Dieser zynischen Frage gingen am 26. Mai die Menschrechtsaktivisten und Autoren Dr. Diallo, Anna Kuschnarowa, Gilles Reckinger, Rupert Neudeck und Manfred Loimeier (Moderator und Impulsgeber) auf den Grund.  Dr. M. Diallo, der afrikanische Wurzeln hat, machte immer wieder darauf aufmerksam, dass es doch nicht größenwahnsinnig sei, arbeiten zu wollen und nicht nur davon zu träumen.  Er bezieht sich auf die Flüchtlinge, insbesondere die jungen Männer und Frauen die einige Afrikanische Staaten nicht fördern können. Unmengen an Potenzial gehen verloren.

 

Und warum verharren wir ignorant in der Festung Europa, während vor unseren Mauern bereits über 20.000 Flüchtlinge in den Fluten des Mittelmeers ihr Leben ließen?

 

Lampedusa, eine Insel im Mittelmeer, die hilft wo sie kann, ist Forschungsstandort von Gilles Reckinger. Er fragt sich, welche Menschen erreichen Europas Grenzen tagtäglich und wie kann man ihnen helfen - eine Lebensgrundlage schaffen? Aufgrund des Papstbesuches Anfang des Jahres, richtete die Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit kurz auf Lampedusa, aber bedeutend verändert, so Reckinger, habe sich nichts.

 

Rupert Neudeck, Menschrechtsaktivist, bringt die Schicksale einzelner Flüchtlinge an diesem Abend greifbar nah an die Zuschauer heran. An fast allen Afrikanischen Häfen könne man junge Menschen beobachten, die sich mit ihrem Besitz aufmachen zur Festung Europa und wer klug genug ist lässt seinen Reisepass kurz vor der Ankunft verschwinden.

 

Anna Kuschnarowa schildert in Ihrem Roman "Kinshasha Dreams" die Geschichte eines jungen Flüchtlings, der aufbricht seinen Traum zu verwirklichen. Sie fordert, dass man im Alltag anfangen müsse, sich auf einander einzulassen, ohne Vorurteile einander zu begegnen - so könne man wenigstens hier, jetzt, im Alltag damit anfangen Menschsein zu leben.

 

Zuschauer- Kommentare machten transparent, dass ein Schuldenerlass für Afrikanische Länder nicht die universelle Lösung sei, dass man aber über einen Zusammenschluss auf wirtschaftlicher Grundlage, ähnlich wie Europa, nachdenken sollte.

 

Deutlich wird, dass wir besonnen,  menschlich und nicht nur bürokratisch helfen müssen. Politik sollte dafür eine Grundlage schaffen.

 

Filiz Borrmann - Praktikantin im Kulturbüro und Studentin von Media and Entertainment Management, BBA


27. Mai 2014 Vom 1. Weltkrieg heute erzählen

Am 27. Mai lud die freie Lektorin Alexandra Rak die Zuhörer in der City-Kirche dazu ein, einen kleinen Einblick in ihren Erzählband "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen" zu gewinnen. Hierzu bat sie zwei der im Buch vertretenen Autoren, Nataly Savina und Herman Schulz, aus ihren Erzählungen vorzulesen. Für Alexandra Rak bietet der Erzählband ein Medium für die Perspektive historischen Erzählens junger Autoren, welche sich thematisch mit dem Thema "1. Weltkrieg" konfrontieren.

 

Die Erzählung "Die Zündschnur" der gebürtigen Lettin Nataly Savina spielt in Lettland, welches damals noch dem russischen Zarenreich angehörte. Die Tochter aus einer Familie deutschbaltischer Gutsbesitzer trifft auf lettische Kinder und bald nimmt eine einfühlsam erzählte Liebesgeschichte zwischen der Protagonistin und einem Letten seinen Lauf. Die junge Liebe wird jedoch durch den Krieg erschüttert, als das Gut der Familie und das Dorf von Reichssoldaten eingenommen werden.

 

"Hass auf die Feinde, von denen sie in den Zeitungen lasen, war ihnen fremd. Denn vor Gottes Angesicht waren alle gleich." (Herman Schulz - "Auf Vorposten")

 

Herman Schulz stellt in seiner Erzählung "Auf Vorposten" das Portrait einer Familie am Niederrhein dar. Ihre Geschichte wird anhand eines Briefwechsels zwischen den Geschwistern Johann und Gretchen erzählt, durch die Perspektive Gretchens werden die indirekten Auswirkungen des Krieges auf die Daheimgebliebenen deutlich. Sie erfährt zwar nur in Andeutungen, was dem Bruder im Kriegsgeschehen widerfährt, verweigert sich jedoch trotzdem der grausamen Realität, mit der sie sich konfrontiert sieht.

 

Mit dem Erzählband "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen" bietet Alexandra Rak eine Bandbreite verschiedenster Geschichten von ebenso unterschiedlichen Autoren an, welche sich alle mit dem selben Thema befassen.

 

Lara Ehlis - Praktikantin im Kulturbüro und Studentin von Spanisch und Germanistik, BA


27. Mai 2014 You're on a mission

Wuppertal zeigte sich von seiner gastgeberisch besten Seite und ließ es ohne Unterlass regnen. Ein bisschen mehr und man wäre von auf der Gathe unter diese in den "Klub" gespült worden

 

Der guten Laune der "Jungen Magazine" konnte das trübe Wetter trotzdem nichts anhaben.
Die Verleger, allen voran Jonas Reuber von "sprachgebunden" aus Berlin, strahlten im trockenen Ambiente um die Wette.
Ab 15:00 Uhr war die Messe eröffnet und Studenten der Bergischen Universität schauten vorbei und in die Literatur Magazine aus den verschiedensten Regionen Europas hinein. Im kulturellen Klub, in dem sich die Magazin [SIC], Edit, Revue Gruppen, Staden, The White Page und Radar vorstellten, wurden nicht nur ein Blick ins Gedruckte, sondern im Gespräch auch Einblick hinter die Kulissen gewährt.

 

Plätscherte der Tag noch so vor sich hin, war am Abend der Klub bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Licht fiel auf die kleine europäische Runde um Moderator Julian Hanebeck und tauchte die Talkrunde in rötliches Licht. Nicht jeder Verleger, der es verdient hätte, fand auf der kleinen Bühne einen Platz. Aber das tat weder den jungen Magazinen noch der Stimmung des Publikums Abbruch.

 

Hinter jedem der Magazine steckt eine eigene Idee, ein anderes Konzept, getragen werden sie aber auch von einer Gemeinsamkeit: "We like it, we publish it!" Eine komplexe Diskussion über philosophische Ansätze, Geld und Politik kam ins Rollen, die der schwedische Verleger von Staden skizzierte: "I think the problem of the bookmarket today is that it is ruled by cynical dogs with spasms!" Ein bisschen Rebellion, ein bisschen Anderssein, ein bisschen weniger Markt entlockten Julian Hanebeck die Feststellung: "You're on a mission!"

 

Yes, they are und vielleicht war diese Bühne nicht nur für die Verleger, sondern auch für ihre Ideen zu klein.

 

Mit abwechslungsreichen Lesungen wurde der Abend abgerundet, ehe man sich dem Wetter über Wuppertal anpasste und sich den edlen Tropfen widmete. Wer sich bis dahin noch nicht kannte, der lernte sich an diesem Abend kennen und wurde vielleicht Teil der mitreißenden Idee der Jungen Magazine.

 

Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik


28. Mai 2014 Europa und seine Blutsauger

Es war eine gemütliche Stimmung im TalTon Theater: Kerzen auf den Tischen, cremefarbene Sessel auf der Bühne mit rotem Theatervorhang und gedämpftem Licht.

 

Georg Klein las aus seinem Text "Europa erleuchtet". Eine komplexe Geschichte, die nicht nur dem Zuhörer, sondern auch dem Autor und Vorleser Georg Klein alles abverlangte. Der Romantiker der Literatur erfüllte sich den Wunsch mit dieser Kurzgeschichte, einmal eine Vampirgeschichte zu schreiben.

 

In einem christlichen Europa, im futuristisch wirkenden Prag, aus der Sicht eines weißen Makabei Affens erzählt Klein die Geschichte über die Jagd nach den bleichen, blutsaugenden, unsterblichen, ebenfalls menschenähnlichen Kreaturen.

 

Das Publikum hörte zu, erlebte den Spannungsbogen, die retardierenden Momente, den Wendepunkt und Georg Kleins Interpretation als Vorleser seiner Geschichte.

 

Der Autor ist den Menschen nahe, als er zur Fragerunde zwischen sie tritt.
Er nimmt auf, was sie sagen, haucht seinen Geschichten Leben ein und verrät, dass er alles was sie sagen verwendet, wenn er schreibt. Als wäre er ein Vampir, der Tinte und Worte trinkt, der weiß, wie sich sein Jäger verhält, weil er ihn kennt.

 

Antagonist gegen Protagonist, ein Kampf, ein Zueinanderfinden bei äußerlicher Distanz. Die Distanz als eigenes Charakteristikum, das erinnert an Europa, denn "Amerika und Putin geben sich große Mühe, gute Zeiten für eine Identität Europas", so Klein.

 

Er ist in der Lage, eigene Welten zu erschaffen, die in ihrer Komplexität der Wirklichkeit manchmal näher sind als man glaubt.

 

Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik


29. Mai 2014 Nächster Halt: Europa!

Im Mirker Bahnhof in der Wuppertaler Nordstadt - auf Retro und auf Inhalte bedacht -, in dem die Bar aus Büchern besteht, gaben sechs Autor/innen verschiedener Generationen und literarischer Stilrichtungen ihre Werke zum Besten.

 

Es war voll, die Stühle reichten für das gut durchmischte Publikum bei weitem nicht aus. Mit seiner "Ode an die Freude" in humoresker Anlehnung an europäische Richtlinien stieg André Wiesler ein und übte in literarischer Form Kritik an den teilweise überbordenden Regelwerken der EU. Hermann Schulz, ehemals Verleger des bekannten Peter-Hammer-Verlags in Wuppertal, erzählte anschaulich von seiner Erfahrung aus einer Begegnung mit einem südamerikanischen Lyriker. Mit seinem brachialen und bohrenden Text blickte Hank Zerbolesch auf das Griechenland der Gegenwart, ehemals Geburtsland der Demokratie, mit seinen wirtschaftlichen Problemen und rechtsradikalen Auswüchsen.

 

Der Ur-Wuppertaler Karl-Otto Mühl war mit seinen ehrwürdigen 91 Jahren ältester Autor des Abends und erinnerte den Mirker Bahnhof noch aus seiner Kinder- und Jugendzeit als Ausgangspunkt für Hamstertouren. Er präsentierte seine Erzählung über einen ehemaligen Arbeitskollegen und dessen erst posthum geklärtes Versterben so frisch, dass er zeigte, dass weder der Mirker Bahnhof noch er in seinem hohen Alter mit dem Abstellgleis Vorlieb nehmen müssen. 

 

Als einzige Frau des Abends las Christiane Gibiec aus ihrem biografischen Roman über Else Lasker-Schüler und deren Reise nach Jerusalem. Jörg Degenkolb-Degerli - besser bekannt als Doppel D - amüsierte zum Abschluss mit seinen Reiseerfahrungen im türkischen Anatolien und brachte das Auditorium zum Lachen.

 

Ein unterhaltsamer Abend in einer ungewöhnlich außergewöhnlichen Location.

 

Ob am Büchertisch der Autor/innen oder am Büchertresen, die Nachfrage war groß.

 

Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik


29. Mai 2014 An Europas Grenze - Fluchten, Fallen, Frontex

In der gleichsam intimen wie gemütlichen Atmosphäre der Bandfabrik fand am 29. Mai 2014 eine Lesung mit Caroline Keufen und Olaf Reitz statt, welche musikalisch von Ute Völker auf dem Akkordeon begleitet wurde. Eindrucksvoll versetzten die Sprecher sich und das Publikum mal in die Situation einer Anwältin, im nächsten Moment fühlte man sich in der Haut eines Flüchtlings im Auffanglager. Das Stück, welches aus Ausschnitten von Kaspar Surbers Buch "An Europas Grenze - Fluchten, Fallen, Frontex" zusammengesetzt ist, lässt die unterschiedlichsten Figuren zu Wort kommen, welche jedoch eines gemeinsam haben: Sie agieren an den Grenzen der Freiheit.

 

"Der Horizont ist eine Linie, die sich in meinen Gedanken wie ein Strick um meinen Hals legt."

 

Die teils düster-bedrückte, teils sachlich geprägte Stimmung wurde nicht nur dank der beeindruckenden stimmlichen Fähigkeiten der Sprecher an die Zuhörer übermittelt, sondern auch durch Ute Völkers Akkordeon-Spiel noch einmal deutlich hervorgehoben. Die dargestellten Debatten regten zum Nachdenken über Menschenrechte, Grenzen und Freiheit an und entließen die Zuhörer mit neuen Denkanstößen in den warmen Frühlingsabend.

 

Lara Ehlis - Praktikantin im Kulturbüro und Studentin von Spanisch und Germanistik, BA


30. Mai 2014 "An die freien Europäer"

Armin T. Wegner und Helene Stöcker, zwei Persönlichkeiten der Wuppertaler Geschichte die ein Wunsch vereinte: die Sehnsucht nach Weltfrieden. Sowie Tolstoi schon das Recht auf Kriegsverweigerung forderte, so auch Stöcker und Wegner mit der Gründung des Bundes der Kriegsdienstgegner.

 

Die Wuppertaler Schauspieler Thomas Braus und Ingeborg Wolff verliehen am Freitagabend in der Citykirche Ihre Stimmen an die, die sich schon vor 100 Jahren um eine "Vollständige und bedingungslose Abschaffung der Gewalt" bemühten.

 

Anna Maria Reinhold und auch der Musiker Uli Klan ordneten die Lesungen immer wieder zeithistorisch ein - in dem Sie aus dem Publikum traten und erklärende Worte sprachen - fast schon so, als gehöre die Bühne an diesem Abend nur Wegner und Stöcker.

 

Das Programm an diesem Abend war eine Symbiose aus Lesungen und musikalischer Begleitung. Gedichte, Auszüge aus Kriegstagebüchern und die Erstveröffentlichung von "an die freien Europäer" waren nicht die einzigen Höhepunkte des Abends. Standing Ovations, anhaltender Beifall - ein berührtes Publikum verließ andächtig den Friedenschauplatz an diesem Abend.

 

Ein Stück Frieden und die Möglichkeit sich zu engagieren brachte auch Uli Klan mit sich und berichtete von dem Projekt "Lebenslaute". Seit 1986 engagieren sich Musiker jährlich, klassische Musik an einem Ort zu spielen, der etwas mit Gewalt zu tun hat, z.B. alte Militärübungsplätze, Atomfabriken oder Waffenstätten etc.

 

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Frieden greift tief - es handelt sich nicht nur um eine Bekämpfung der Symptome wie den Krieg, Flucht und Gewalt. Vielmehr ist Frieden die Grundlage und der Ausgangspunkt, der all dies nicht zulässt.

 

Filiz Borrmann - Praktikantin im Kulturbüro und Studentin von Media and Entertainment Management, BBA


30. Mai 2014 European Poetry Orchestra

Ein bisschen wirkte das Ambiente im Barmer Haus der Jugend am Geschwister-Scholl-Platz wie bei einer amerikanischen Preisverleihung. Kreisrunde Tische bedeckt mit weißen Tischdecken, um die das Publikum Platz nehmen konnte. Die Bühne war neben dem Zuschauerraum ebenfalls gut gefüllt. 11 verschiedene Musiker aus Europa, die sich unter der Leitung von Björn Krüger zum "European Poetry Orchestra" zusammengeschlossen hatten, standen auf der Bühne und vertonten Gedichte europäischer Autoren.

 

"Mach´ das Radio an, Europa läuft!"

 

Im wechselnden Bühnenlicht brachten die europäischen Musiker dem Publikum Europas Kunstformen wieder näher. Zu hören waren musikalisch sehr unterschiedliche Beiträge, unterlegt mit poetischen Texten aus den jeweiligen Ländern der Musiker. Im Scheinwerferlicht funkelten nicht nur die Augen der Musiker, sondern auch die der Besucher.

Nach dem dritten Stück erläuterte Björn Krüger die Entstehungsgeschichte des European Poetry Orchestras im Jahre 2010. Tatsächlich hatte die Band erst einen Tag in vollständiger Besetzung für diesen Auftritt proben können. Um beispielsweise Aufnahmen für das gemeinsame Musikvideo erstellen zu können, mussten Kameras quer durch Europa geschickt werden.

 

Nach dem Act lud man zu einem gemeinsamen Umtrunk an die Bar.

 

Das European Poetry Orchestra zeigt, dass Europa mit nur einem Tag Proben funktionieren kann.

 

Jan Budde - Praktikant im Kulturbüro und Student der Buchwissenschaften und Germanistik


30. Mai 2014 Der aufgeklärte Blick von außen

Im Rahmen der zweiten Auflage der "Literatur auf der Insel" im Café Ada begrüßten die Moderatoren Katrina Schulz und Torsten Krug die niederländische Autorin Pauline de Bok. Die Schriftstellerin, welche sich als Instrument für ihre Geschichten sieht, sprach über ihr neues Buch "Blankow oder das Verlangen nach Heimat" und die Konzeption des Begriffs Heimat: interessanterweise existiert dieser auf Niederländisch nicht, deshalb wird er aus dem Deutschen übernommen.

 

Pauline de Bok nimmt die Zuhörer im gut gefüllten Saal des Café Ada mit ihren Worten in eine vergangene Zeit auf einen Bauernhof mit. Dieser ist ein "lebendiges Mischwesen", das seine Wurzeln in poetischen Naturbeschreibungen, Interviews und auf dem Bauernhof gefundenen Liebesbriefen hat.

 

"Die Geschichten gehören zurück in ihre Heimat." - Pauline de Bok

 

Pauline de Bok sieht ihr Buch als ein Symbol deutsch-niederländischer Verständigung und eine moderne Form von Geschichtsschreibung: zwischen Fiktionalisierung und dem Einbringen ihrer eigenen Ideen bewegt die Autorin selbst sich in einer Schwebesituation.

 

Nach einem musikalischen Stück des belgischen Künstlers Arno und einer Pause mit marokkanischer Küche - beides auf Wunsch der Schriftstellerin - gab es im zweiten Teil des Abends die Möglichkeit, in gemütlicher Atmosphäre den Film "Fallada" zu sehen.

 

Lara Ehlis - Praktikantin im Kulturbüro und Studentin von Spanisch und Germanistik, BA

Kommentar

Die Biennale 2014 hat bestätigt, was sie 2012 schon erahnen ließ: Wuppertal möchte ein regelmäßiges lebendiges Literaturfest, mit spannenden Autoren, an charmanten Orten und mit begeisterten Menschen. 2016 kann kommen.
- Jörg Degenkolb-Degerli, Autor
 

Kommentar

Die Biennale war sehr bereichernd für mich. Ich denke, das ging allen Literaten der Stadt so.
Die letzte Lesung von Lars Gustafsson war für mich der Höhepunkt. Ich lese zurzeit seine Gedichte.
- Friederike Zelesko, Autorin
 

Kommentar

Die Wuppertaler Literatur - Biennale 2014 ist eine wirklich gelungene Veranstaltungsreihe, die eine beeindruckende Vielfalt von Literatur in der Stadt zeigt. Vielen Dank!
-Irmela Fröhlich, GEDOK
 

Kommentar

Die Wuppertaler Literatur Biennale ist eine hervorragende Plattform, dem interessierten Publikum die große Besonderheit und Qualität der Wuppertaler Literaturschaffenden komprimiert zu präsentieren.
-Brigitte Melchers, GEDOK
 

Kommentar

"Mir war, als entdeckte ich während der Literaturbiennale unbekannte Seiten von Wuppertal:
Die Krone verdient das Publikum: Alle Generationen waren da! Begeisterung für Ernstes und Verrücktes!
Nähe zu den Autoren dieser Stadt! Prominenten und Unbekannten hörte man zu,
und griff nach ihren Büchern! Mehr kann man von einem Literaturfest nicht erwarten!
Ein kräftiger Schub nach vorn!"
-Herman Schulz, Autor