Förderpreise: "Frank ist tot" von Yannic Federer

Von rechts drängt sich die Sonne durch das Beifahrerfenster, sie strahlt und heizt mir das Gesicht auf und ich sehe kurz zu ihr hinüber und sie steht dort stolz und verzweifelt über den Feldern und Strommasten, tief und riesig und überspannt. Ich stelle mir vor, wie sie aus der Form gerät, ausläuft, wie glühende Sonnensubstanz von ihr heruntertropft, in langen, zähen Fäden, und damit versengt sie dann die Wälder und Äcker und es ist ein trotziges Blühen, ein letztes Aufbegehren. Und Sarah sieht auch hinüber und dann zu mir und sie lächelt mich an und das ist schön, weil Sarah nicht sehr oft lächelt. Ich bin ein bisschen ergriffen und gucke wieder auf die Fahrbahn, die auf uns zufliegt. Bei Bruchsal müssen wir tanken und ich bringe Kaffee to go in Pappbechern und er schmeckt furchtbar. Etwas Essbares habe ich nicht auftreiben können, die Käsebrötchen waren aus und ansonsten gab es nur Wurst und Leberkäse und seitdem ich Vegetarier bin, habe ich zehn Kilo abgenommen, und Sarah fünf, obwohl sie gar nicht Vegetarierin werden wollte, aber ich komme nicht damit klar, wenn ihr Atem nach Wurst riecht. In der Agentur habe ich sogar das Team wechseln müssen, ich mache jetzt Textil und Trend und nicht mehr Fleisch- und Wurstwaren. Ich muss an Frank denken und daran, dass er jetzt tot ist.

Und Karlsruhe und Offenburg und Freiburg und dann das letzte Stück in den hintersten, verlorensten Zipfel Süddeutschlands, umstellt von Schwarzwald, Schweizer Grenzbeamten und schlohweißen, französischen Atommeilern. Das Licht wird fahl, als wir in Staufen einbiegen, die Burgruine stiert drohend von ihrer Anhöhe herab, und wir halten im Falkenstein vor der Hochhaussiedlung. Sarah zupft in ihren kurzen Haaren, die sie sich rot gefärbt hat, weil rot hat sie sich die Haare noch nie gefärbt und seitdem sie die Haare nicht mehr lang und blond hat, fühlt sie sich sicherer, sagt sie, beschützter, oder wie ausgenommen, zumindest ein wenig. Sie trägt sogar eine alte Lederjacke, die ihr schlaff über den Torso hängt, und ich habe gesagt, das ist aber schon ein wenig ironisch, und sie hat gesagt, na gut, aber sie trägt die Jacke trotzdem. Stiefel hat sie noch keine und wir suchen jetzt nach Stiefeln und ihr Therapeut hat gesagt, dass er noch alte Stiefel im Keller hat, in 38, er hat sehr kleine Füße. Sarahs Therapeut war früher Punker, hat er erzählt, und ich kann mir das gar nicht vorstellen, einen Punk mit so kleinen Springerstiefelchen. Und jedenfalls sagt Sarah, dass Ironie ein Weg ist, Dinge zu tun und sie zugleich nicht zu tun, deshalb könne sie jetzt eben auch noch ein bisschen Punk spielen, obwohl klar sei, dass es ihr zur Pose gerate. Das Posieren war früher ihr Beruf und heute noch gerät ihr alles zur Pose, unter den Händen verwandelt es sich ins Uneigentliche, aber dennoch, sagt sie, selbst wenn sie im ironischen Spiel mit dem Punksein hantiere, es helfe ihr, und die Menschen wüssten ja erst einmal nicht, ob es Pose sei oder Ernst, und sie wisse es dann zunehmend auch nicht mehr. In jedem Fall müsse sie so nicht mehr den exemplarischen Körper geben, das Ziel aller Befruchtungsphantasien.

Obwohl Sarah sich das Gesicht sehr streng geschminkt hat, kann ich sehen, dass sie darunter blass ist und nervös. Und endlich frage ich leise, ob wir nicht aussteigen wollen. Draußen nieselt es und die Kälte kriecht vom Boden her in unsere Körper und ich knöpfe den Mantel zu und Sarah ist schon hinübergegangen, mit langsamen, somnambulen Schritten, als hätte der Betonbau eine dunkle Energie in sich aufgespeichert, einen obskuren Magnetismus, und er packt sie bei ihrem Fleisch, das hier geboren wurde, komm zu Mama. Ein Treppenaufgang und eine schwarze Kellertür, soviel erahnt man durch das Weißglas der Eingangstür. Über dem Türschloss ein Knauf aus Schiefer, daneben eine Armada an Briefkästen und Klingelschildern. Sarah drückt auf einen der Knöpfe. Sie drückt noch einmal und dann noch mal. Wir sehen hinauf zum Balkon im vierten Stock und einen Moment ist uns so, als bewege sich dort jemand, aber sicher sind wir nicht. Sarah zieht ihr iPhone heraus und wählt in den Kontakten. Ich kann hören, wie eine helle, mechanische Stimme sagt, dass man nach dem Signalton eine Nachricht hinterlassen könne, und im Auto sage ich, zumindest wissen wir jetzt, dass deine Mutter noch hier wohnt. Sarah nickt.

Wir parken vor der alten Post und gehen über das grobe Pflaster und ein Mann mit groben Händen und feiner Jacke guckt uns an und mustert uns. Ein kleines Mädchen an seiner Hand, vermutlich die Tochter, Spongebobanorak. Sie springt und hüpft an seiner Seite. Und blickt auf und stiert uns an, geöffneter Mund. Und eine Frau, bestimmt die Mutter, wild gemusterte Bluse, stechend türkiser Kurzmantel, sie kommt aus einem Geschäft geschlendert, der Mann, ohne uns dabei aus den Augen zu lassen, ruft ihr zu: Kunsch? Und als sie uns bemerkt, guckt sie auch. Drei Köpfe drehen sich mit, während wir vorübergehen. Eine ältere Dame in rentnerbeige mit Rollator, sie hievt ihn mehr über die unförmigen Steine als dass sie ihn rollt, und als wir uns zwischen ihr und einer Mauer vorbeidrücken wollen, schreckt sie auf von ihrem Rollgestänge, die Augen weit aufgerissen, ihr Blick uns angeheftet, die gefleckten Knochenhände zittern an den Griffen. So geht es weiter und ich habe all das ganz vergessen, das Starren und Schauen, das Wemkerschdu?, und es ist mir trüb und fremd und doch erinnert sich etwas in mir. Und in den großen Städten sind die Blicke domestizierter und dosierter, teils steril verpackt, und es gibt auch mehr Vorrübergehende, auf die sich die Blicke verteilen können, selbst wenn es mehr Blicke gibt, die geworfen werden, sie sind flüchtiger und unbestimmter und die Intensität des gebündelten Schauens, des unverhohlenen Erkennenwollens, ich bin es nicht mehr gewohnt und Sarah auch nicht, weil wir uns ansehen und ich dann weiß, dass es ihr genauso geht. Bestimmt sind wir früher selbst so durch Staufen gegangen und wenn wir einen gesehen haben, den wir nicht kannten, haben wir auch ganz lang hingesehen, weil vielleicht kennt man ihn ja doch, und zur Sicherheit hat man ihn eben genau beguckt und begutachtet und vielleicht sogar mit dem Finger gezeigt.

Hinter dem Schladerer-Firmengelände fangen die Mietshäuser und Doppelhaushälften an und wir gehen bis ans Ende einer Sackgasse und dort ist es und Sarah erkennt es auch, obwohl sie früher nie bei mir zu Hause war, weil dazu kam es nie und das war meine Schuld, weil ich mit Anna schlief, obwohl ich auf Sarah stand und sie auf mich, und das wusste ich auch und deshalb war es besonders dämlich, und seit wir uns in Köln wieder getroffen haben, sprechen wir nicht mehr davon. Und in meinem Kinderzimmer brennt Licht. Jemand bewegt sich darin, eine Frau um die Vierzig, sie zeigt auf etwas und bewegt stumm den Mund. Es wird dunkel um Sarah und mich, aber im Kinderzimmer helles Energiesparlampenlicht. Und die Mutter geht auf den Flur und dann, nach einer Weile, sehen wir einen Scheitel am unteren Fensterrand, eine schwarzhaarige Kinderkopfhälfte, die auftaucht und verschwindet und plötzlich: Das Kind klettert auf etwas vor dem Fenster, steht im Fensterrahmen, das Schienbein auf Höhe der Fensterbank. Es trägt einen jumpsuitartigen Pyjama in grellem Lila und Gelb und mir ist flau. Dreißig Jahre stürzen in sich zusammen und ich sehe mich selbst, wie ich dort im Fenster stehe, mit den Antirutschsocken auf der Holztruhe, in denen meine Plüschtiere und Actionfiguren lagern, und ich höre Mutter von nebenan, es ist Schlafenszeit, und ich sage, ja Mami, du räumst jetzt das Zimmer auf, und ich sage, ja Mami, und dabei stiere ich angestrengt ins Dunkel hinaus und dort steht ein Mann und eine Frau, und die Frau sieht zu dem Mann, als wenn mit dem Mann etwas wäre, und deswegen nimmt sie seine Hand, und er lässt es geschehen, und der Mann starrt mich an, als wäre ich ein Gespenst. Und ich hole mein rotes Fernglas aus Plastik, weil ich mir diese Gestalten genauer ansehen möchte, und ich sehe, dass der Mann ein bisschen verstört aussieht und traurig. Und ich denke, vielleicht ist er nicht mehr so traurig, wenn ich ihm zuwinke, und das tue ich, während ich durch mein rotes Plastikfernglas gucke, und er zögert und sie auch, aber dann winkt er zurück und die Frau auch.

Sie hätten Frank erst sehr spät gefunden, er sei schon sehr unansehnlich gewesen und man habe auch eine Weile suchen müssen und alles habe man gar nicht mehr finden können, es sei überhaupt erstaunlich, dass Tiere nicht noch mehr von ihm davongetragen und verwertet hätten, was in freier Wildbahn nun einmal der natürliche Lauf der Dinge sei. Daher könne man eigentlich froh sein, dass ein Großteil von ihm hier eine letzte Ruhestätte habe finden könne, der Rest dagegen sei, sozusagen, für immer in den Wald eingegangen, in den Schwarzwald, in seine Tiere und Büsche und Bäume, und das sei ja auch nicht völlig unromantisch, damit hätte Frank sich sicherlich anfreunden können, weil über allen Gipfeln ist Ruh', In allen Wipfeln spürest du, und so fort, vielleicht sei es sogar seine ursprüngliche Intention gewesen, aber man hätte das, was man von ihm noch finden konnte, unmöglich liegen lassen können, selbst wenn man völlig sicher gewesen wäre, dass er es sich so gewünscht hätte, dem hätten schon die einschlägigen Vorschriften entgegengestanden und man hätte es auch seinem Vater nicht antun können, man stelle sich das einmal vor, so gar keine Gedenkstätte zu haben für den Sohn, der einem viel zu früh genommen worden ist, und seine Frau habe er ja auf ganz ähnliche Weise verloren, aber immerhin, auf unserem schönen Friedhof, sagt Chris, haben wir ja auch einiges an Nadelbaumbestand. Vielleicht sei das für Frank eine Art Trost, nun hier im Schatten dieser Kiefern zu liegen. Nur für Franks Vater sei das vielleicht etwas ungünstig. Aber vielleicht fielen ihm die Bäume auch gar nicht so sehr auf, sagt Chris, so dicht stünden die Kiefern auch wieder nicht. Und Feli nickt und sie sagt, schrecklich. Und Feli trägt einen feinen Mantel und sogar einen Hut mit schwarzem, transparentem Schleier, und darunter hat sie sich sehr blass geschminkt und ihre Wimpern sind schwer von Tusche und sie zückt ein sorgfältig gefaltetes Taschentuch und legt eine Ecke davon behutsam zuerst an die eine und dann an die andere Tränendrüse, damit ihre Trauer dem trauernden Outfit nichts anhaben kann. Und Chris trägt eine dunkelgraue Krawatte auf einen Anzug, der nach Regierungspräsidium aussieht, aber eigentlich sieht er immer noch nach Oberstufensprecher aus. Sarah guckt auf ihre rotgeschnürten Stiefel und Chris und Feli wenden sich jetzt dem Priester zu, der braungebrannt ist und eine einnehmende Stimme hat und der eben aus der Kirche getreten kommt und sie duzen sich. Gegenüber steigen noch mehr dunkel gekleidete Leute aus Autos und es dauert etwas, bis ich den Gesichtern Namen zuordnen kann, weil ich seit sieben oder acht Jahren nicht mehr auf Klassentreffen war. Sie starren uns an und erst, wenn sie uns erkennen, lächeln sie und grüßen. Und Sarah flüstert in mein Ohr, ob ich das mit Franks Mutter gewusst habe, und ich nicke und sage, die hat es aber schon mit dreiundzwanzig getan, da war Frank vier Jahre alt.

Der Sarg steht geschlossen vor dem Altar auf einem Gestell und Blumenschmuck liegt darauf. Durch das abstrakt geformte Kirchenfensterornament fällt ein dunkles, schweres Licht auf ihn und uns und dabei überlege ich, wann ich Frank zum letzten Mal gesehen habe, aber alles, was mir einfällt, sind lang vergangene, sehr alltägliche Begegnungen, die nicht recht taugen wollen. Einmal hat Frank mich nach Hause gefahren nach einer Party, das war sehr nett von ihm, und es war trotzdem unangenehm, in seinem Audi, die Ledersessel hatten so einen scharfen Gerbgeruch und die Straßen zogen verlassen an uns vorbei, weil es früh am Morgen war, ab und zu sah ich zu ihm hinüber, und er saß unbeweglich da, den Blick fest auf den Asphalt gerichtet, und die ganze Fahrt über war ich kurz davor, es anzusprechen. Obwohl es, formal gesehen, gar kein Problem gab, schließlich hatte Anna mit Frank Schluss gemacht, mindestens zwei Tage zuvor, und dann bog er in die Straße und hielt und nickte mir stumm zu und dabei sah er mich nicht an, sondern auf den Türgriff, den ich schon halb gezogen hatte, und ich stieg aus und schlug die Tür ins Schloss, und das war sicher nicht das letzte Mal, dass ich Frank sah, aber vielleicht ist dieser Moment ja doch ganz gut. Ich weiß noch, wie der Wagen sich ruckartig in Bewegung setzte, weil Frank vielleicht auch immerzu an die Sache gedacht hatte, nur weg, dachte er bestimmt, wie er anfuhr, nur weg, und jetzt ist er weg, ganz weg, und ich sehe mir Franks Sarg an, ich sehe ihn mir ganz genau an, seine Maserung und seine geschnitzten Füße in Chippendale-Optik. Irgendwie schade, dass wir den später in so ein Erdloch versenken müssen. Und ich stelle mir vor, wie Frank jetzt dort drin liegt, also größtenteils, und ich muss daran denken, dass ich auch einmal in einem Holzkasten liegen werde und Sarah auch und die anderen auch alle. Das geht mir durch den Kopf und ich nehme Sarahs Hand, einfach so, und Sarahs Hand ist ganz kalt, jetzt schon, und ich sehe Sarah an und sie ist schön, wie sie immer schön ist, und ich stelle mir vor, wie ihre Haut sich verfärbt, sich eng auf ihre Knochen legt, wie ihre Haare rau und spröde werden und Fäden ziehen, wenn sie sich aus der Kopfhaut lösen. Ich sehe auf unsere Hände, auf das Spiel aus Sehnen und Knochen, das sich unheimlich durch die Haut drückt, das eines Tages freigelegt werden wird. Dieses spinnenhafte Knochenmaschinending wird feinsäuberlich abgenagt worden sein von den Maden und Würmern und es wird ganz harmlos anfangen, wenn ich kalt und reglos in meinem Holzkästchen liege, den Mund leicht geöffnet, und eine Fliege kommt vom Leichenschmaus herübergeflogen, setzt sich auf meine Nase, krabbelt über meine Wange, sitzt eine Weile, prüfend und misstrauisch, auf der Oberlippe, dann hinein ins dunkle Loch, sie legt mir ihren Nachwuchs auf die Zunge, die ich ja nicht mehr brauche, im Erdreich wäre das Artikulieren ganz sinnlos, und wenn ich friedlich in der Erde liege, drei Meter unterm Grabschmuck, werde ich nicht allein sein. Ein zweiter Leichenschmaus, diesmal fürs Friedhofsgewürm, betriebsam und unermüdlich, und daran sieht man, dass die Unterscheidung von Tod und Leben nichts als Wunschdenken ist, überlege ich, im Tod nistet das Leben und im Leben stirbt man vor sich hin. Und daran wollen wir nur nicht denken, damit uns mittags noch das Wurstbrot schmeckt. Sarah kneift mich in den Arm und ich sehe auf und alle stehen und der Priester hat die Arme ausgebreitet und ich richte mich auf und dabei sehe ich auf den Ölzweig, den die Taube auf seinem Talar im Schnabel hält.

Die kalte Platte steht schon eine Weile. Kleine, helle Tröpfchen sitzen schüchtern auf der Fleischwurst. Die Butter ist weich geworden, so weich, dass die Fliege, die gierig auf ihr gelandet ist, jetzt um ihr Leben fürchten muss. Die Flügel schon halb im Fett eingesunken, strampelt sie mit den winzigen Beinchen. Alles um sie herum ist Buttermeer geworden, wogend und glänzend. Die Kellnerin schenkt uns bitteren Filterkaffee aus einer Thermoskanne nach, ungefragt, und an den Wänden hängen nachgedunkelte Jagdszenen, Jäger stürmen auf das Wild ein, die Hunde vorneweg, eiserner Blutgeruch in der Nase, dem Karnickel das Genick durchbeißen, dem Großwild Schrot in die Hirnrinde jagen, dass es zuckend liegen bleibt, und dann häuten wir es und zerschneiden es und stecken es uns ins Maul und den unansehnlichen Rest schieben wir dem Wild in den eigenen Darm. Franks Vater sitzt stumm am Kopf des Tisches und ich beobachte ihn schon eine ganze Weile, weil er ein Wurstbrot nach dem anderen vertilgt. Er sitzt dort, den Blick starr auf seinen Teller gerichtet, er hebt ihn nur, um sich mit Wurst zu versorgen, und dazwischen stopft er Wurstbrot um Wurstbrot in sich hinein. Bestimmt isst er von der Jagdwurst, die reichlich auf der Platte liegt, das hieße, er führt sich den Wald wieder zu, er frisst den Wald in sich hinein, weil der Wald ihm den Sohn weggefressen hat. Zurückfressen, aus Rache. Eine gefräßige Trauer, die sich den verlorenen Sohn wieder einzuverleiben sucht. Irgendwann kann die Fliege nur noch mit den Vorderbeinchen zappeln, weil der Rest längst eingesunken ist, und Sarah und ich holen unsere Mäntel und ich mache einen Gruß mit der Hand in die verbliebene Runde und nur Feli sieht auf und winkt und Franks Vater liest die letzten Jagdwurstscheiben vom Porzellan. Wir sind fast schon wieder in Köln, als ich sage, dass es schwierig ist, dahin zu gehen, wo man herkommt, weil man dann erst so richtig merkt, dass man weggegangen ist. Dass man fremd geworden ist. Und dass man deswegen vielleicht auch gar nicht wirklich zurückkommen kann, nicht einmal besuchsweise, weil der Ort, den man verlassen hat, den gibt es nicht mehr, der ist weg, gestorben, tot, wie Frank, es gibt nur noch so einen anderen Ort, der dem von früher unheimlich ähnlich ist, der aber eben nicht identisch ist mit der, also, wo man eben herkam. Und dass das irgendwie echt hart ist, wenn man es an sich ranlässt. Weil dieses Ding, wo du herkommst, das gibt es dann nur noch in deinem Kopf und sonst nirgends. Und Sarah antwortet nicht, ich sehe zu ihr hinüber und sie liegt reglos im Sitz, der Kopf schlaff am Gurt. Dann gucke ich wieder auf die Fahrbahn und sage nichts mehr.