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Ober­bürgermeister

90 Jahre Wuppertal

Rede des Oberbürgermeisters auf dem Stadtempfang anlässlich des 90. Jubiläums der Stadt Wuppertal am 30. Juni 2019 im Opernhaus.

Gäste auf dem Stadtempfang im Opernhaus.

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Liebe Wuppertalerinnen, liebe Wuppertaler,

liebe Gäste,

„Ich bin verliebt in meine Stadt“ – so drückte es Else Lasker-Schüler, deren 150. Geburtstag wir dieses Jahr feiern, aus.

Denn Wuppertal ist tatsächlich eine Stadt zum Verlieben –  auch oder gerade wegen des vergleichsweise jugendlichen Alters entdeckt man jeden Tag aufs Neue liebenswerte Seiten und kommt täglich Anziehendes hinzu.

Und wer von den Gründervätern und -müttern Wuppertals hätte das seinerzeit gedacht, dass die damals so erfolgreichen Wupperstädte Elberfeld,  Barmen, Vohwinkel, Cronenberg und Ronsdorf und später Langerfeld im Zusammenschluss noch schlagkräftiger wurden und gar Köln den Rang abzulaufen drohten. Die stolze Textilmetropole als Herzkammer der Industrialisierung mit dem „schwärzesten Fluss“ und von Rauch speienden Schloten durchsetzt.

Ja, das waren die Hochzeiten der Wupperstädte und dann Wuppertals, als man aus der Ferne auf einen Brief den Empfänger noch Hofaue schreiben konnte und er kam tatsächlich an. Die Zerstörung im 2. Weltkrieg, der Wiederaufbau, die Narben dessen, was sich moderne Stadtplanung nannte.

Wir sehen noch heute die Folgen insbesondere in der Talachse – der Niedergang in den 80er und 90er Jahren und der Aufschwung unserer Stadt in den letzten 20 Jahren: Die Stadt Wuppertal hat eine wahrhaftig kurze aber sehr bewegte Geschichte.

OB Andreas Mucke auf dem Stadtempfang.

Wuppertal – unsere liebenswürdige Heimat mit so vielen Gegensätzen:

Die Stadt mit dem einst schwärzesten Fluss, in dem sich heute Lachse und Biber tummeln.

Die Stadt mit dem stählernen Bandwurm, der heute das sicherste und zugleich eines der modernsten Nahverkehrsmittel der Welt überhaupt ist.

Die Stadt mit so zahlreichen liebenswerten Stadtteilen, die meisten mit einem eigenen Dialekt. Und die sich so herrlich gegenseitig inne Köppe kriegen – aber wenn es zählt, sind wir all tosamen Jongens un Mädchen ut em Tal.

Die Stadt mit den meisten Glaubensgemeinschaften, die aber alle dazu beitragen, dass hier Gutes getan wird.

Wir sind die Stadt, in der nicht nur der erste Reichspräsident Friedrich Ebert seinen Wahlkreis hatte, sondern auch unser großer Sohn und Bundespräsident Johannes Rau gelebt hat. Mit all den Wuppertaler Tugenden, auf denen diese Stadt aufbaut: der Glaube an die Menschen und das Gute, Fleiß, Ideenreichtum und Bescheidenheit.

Die Stadt, in der der Unternehmer, Philosoph und Schriftsteller Friedrich Engels geboren und geprägt wurde. Im nächsten Jahr feiern wir den 200. Geburtstag des größten Sohnes der Stadt.

Wir sind die Stadt, in der Transformation hautnah gelebt wurde und wird. Vom Zentrum der Industrialisierung Kontinentaleuropas mit großem Pionier- und Erfindergeist hin zu einer modernen Universitäts-, Wissenschafts- und Industriestadt, wo mit Einsen und Nullen zukunftsgewandt geforscht und gearbeitet wird und wir zurecht digitale Modellkommune sind. Wuppertal war eben schon immer die Stadt der Tüfftler und Erfinder. Und trotzdem kommen die Kinder immer noch mit einem Regenschirm zur Welt. Aber den können sie ja dann mitnehmen, wenn sie zur Junior-Uni gehen.

Wir sind aber auch eine Stadt, in der einst große Stoffe gewebt wurden, die aber auch sehr kleinkariert sein kann. Weitsicht muss hier manchmal hart errungen werden...

Pina Bausch (1940-2009)

Erinnern an Pina Bausch

Wir sind die Stadt, in der das Tanzen Theater gelernt hat. Und gerade heute ist der 10. Todestag von unserer großartigen Pina Bausch. Sie hat Wuppertal und die Menschen geliebt. Sie ist Ehrenbürgerin dieser Stadt und hat Wuppertal mit großem Stolz über fast vier Jahrzehnte in die Welt hinausgetragen.

Das Tanztheater Wuppertal trägt heute ihr Erbe in die Welt hinaus. Und die Stadt Wuppertal wird mit tatkräftiger Unterstützung von Land und Bund in sechs Jahren das „Pina Bausch-Zentrum“ eröffnen. Wir alle sind stolz auf unsere große Künstlerin und ihr Werk!

[Gedenken und kurze Pause]


Sehr geehrte Damen und Herren, 

Wir sind die grünste Großstadt Deutschlands - sagen es aber nicht laut genug, damit es alle wissen – und gerade deshalb brauchen wir eine Bundesgartenschau.

Wir haben einen WSV, der einmal ungeheuer schnell an die Spitze der Bundesliga kam und genauso schnell wieder abstieg. Und nur Wuppertal hat einen Meister Pröpper, der den Gegner schwindelig spielte und  nicht nur mein Fußballheld war und ist.

Wir sind eine Stadt mit ganz viel Kunst und Kultur - wo sogar die Kleinkunst großgeschrieben wird.

Wir sind eine Stadt der tausend Brücken, wo das „Über die Wupper gehen“ heutzutage richtig Spaß macht.

Wir sind eine Stadt mit zahllosen, aber dafür namhaften Treppen. Wer hat schon ein Tippen-Tappen-Tönchen?!

Und trotz durchschnittlich sieben Prozent Steigung kann man über 22 km ohne Steigung durch das Tal mit dem Rad fahren - eine Nordbahntrasse ist es eben nur in Wuppertal möglich.

Die Menschen im Tal sind sparsam – auch mit Worten – und erst recht mit Lob. Wenn ich mal was besonders gut gemacht habe, hat mein Vater gesagt: Dat es nit schleit- oder im Superlativ: Jong, hasse got gemakt.

"Ich mag dieses Fleckchen Erde, das meine und Ihre Heimat ist."

Aber das liebe ich so an unserer Stadt und den Menschen hier: Das, was gesagt wird, ist karg, kommt aber von Herzen. Ob positiv oder negativ. Hier wird das Kind kurz und knapp bergisch beim Namen genannt und nicht lang rheinisch schwadroniert. Problem erkannt, Problem angepackt, Lösung gefunden und umgesetzt.

Und dabei immer das Herz am rechten Fleck. Geradeheraus gemotzt  – und dann ist gut. Aber wenn wir uns einmal für etwas begeistert haben, dann gibt es – immer gepaart mit kritischer Distanz – kein Halten mehr: Der neue Döppersberg wird selbst für Wuppertaler Verhältnisse euphorisch gefeiert.

Ich mag dieses Fleckchen Erde, das meine und Ihre Heimat ist. Hier bin ich geboren, kenne fast alle Winkel und die Marotten der hier Lebenden. Weiß um die Kraft und die Herzlichkeit vun us Mädchen un Jonges ut em Dal.

Und bei allem Erfindungsreichtum und der Schaffenskraft, die großes produziert und erdenkt, sind wir häufig so sprichwörtlich kleinkariert  – Bergisch Pepita halt. Aber auch das schätzen viele so sehr – denn wir heben niemals ab.

Bergische Bodenständigkeit ist nicht nur ein Markenzeichen, sondern für mich ein Wert an sich. Wenn man nicht abhebt, fällt man auch nicht plötzlich runter. Hochnäsigkeit überlassen wir gerne anderen.

Ich wüsste keine Stadt, in der sich Menschen so Für- und Miteinander engagieren, wie dies hier in Wuppertal geschieht. Auch ein Superlativ: Wir sind arm an Geld, aber verdammt reich an engagierten Menschen, die Herz, Hand und Portemonnaie einbringen, damit hier vieles gelingt. Dafür bin ich der Stadtgesellschaft zutiefst dankbar.

Heute feiern wir festlich. Gestern haben wir es krachen lassen. Der "Lange Tisch" war das Highlight im Geburtstagsjahr unserer Stadt - herzlichen Dank an alle, die mit Geld und Tatkraft mit dafür gesorgt haben, dass wir unser Stadtfest wieder so wunderbar feiern konnten.

Denn auch das können wir im Tal der Wupper und auf den Höhen. Und zwar gemeinsam. In Wuppertal spielte und spielt es nie eine Rolle, welcher Herkunft man ist, welche Sprache man spricht, welchen Glauben ein Mensch hat oder welche Weltanschauung.

Hier zählt, dass man mit anpackt, Respekt vorm Nächsten hat, tolerant ist und Solidarität gelebt wird. Allen anderen, die uns spalten wollen und Hass predigen, zeigen wir die rote Karte. Euch brauchen wir weder in Wuppertal noch anderswo!

Wuppertal: Du bist ne toffe Stadt. Und deswegen schließe ich aus tiefsten Herzen mit Else Lasker-Schülers Worten: Ich bin verliebt in meine Stadt!

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Antje Zeis-Loi
  • Antje Zeis-Loi
  • ©Stadt Wuppertal©Stadt Wuppertal

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