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Ober­bürgermeister

Antikriegstag 2019

Rede des Oberbürgermeisters auf Veranstaltung des DGB Wuppertal zum Antikriegstag am 1. September 2019.

Plakat des DGB zum Antikriegstag 2019 in Wuppertal

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Über 60 Millionen Menschen verloren während des sechs Jahre dauernden Krieges ihr Leben.

Am Ende stand ein zerstörtes Europa - standen Verzweiflung, Vertreibung und moralischer Zusammenbruch. Der Zweite Weltkrieg prägte mit seinen Folgen Europa und die Welt für Jahrzehnte. 

Wir müssen uns immer wieder an die Schuld erinnern, die wir Deutschen auf uns geladen haben. Wir müssen uns unsere Geschichte immer wieder vergegenwärtigen und daraus die richtigen Lehren ziehen. Verantwortung dafür übernehmen, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf.

Zehn Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen einte die Mütter und Väter des Grundgesetzes der Wille, Deutschland zu einem - wie es später einmal Willy Brandt formulierte - „Volk guter Nachbarn“ zu machen. 

Deshalb steht in der Präambel des Grundgesetzes, dass das deutsche Volk „von dem Willen beseelt ist, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen.“ In unseren Ohren klingt dieser Satz heute allzu selbstverständlich. Wir leben schließlich seit 70 Jahren friedlich mit unseren Nachbarn zusammen.

Angesichts der Zerstörung und Kriegsverbrechen war die Idee eines vereinten Europa, in dem nationale Grenzen an Bedeutung verlieren, ein nahezu utopischer Gedanke. Bis Europa zum Raum der Freiheit, des Rechts und der Sicherheit wurde, war es ein langer und steiniger Weg. Dazu gehörte für uns Deutsche auch der schwierige Prozess der Aufarbeitung der eigenen Geschichte, der Annäherung, Aussöhnung und Verständigung mit früheren Erbfeinden und Kriegsgegnern.

Das war und ist nicht nur das Verdienst von Staatsmännern und -frauen, sondern wurde von vielen Einzelnen, Initiativen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und der gesamten Friedensbewegung getragen. Wer die Kultur des Anderen kennt, bei dem zünden keine Feindbilder. Der kann eben nicht mehr aufgestachelt werden. Deshalb sind unsere Freundschaften zu Wuppertals Partnerstädten immer noch so wichtig. Aus erbitterten Erbfeinden sind durch persönliche Begegnungen Freunde geworden, die den Wunsch nach Verständigung und europäischer Integration teilen.

Wuppertal ist Mitglied im Netzwerk der "Bürgermeister für den Frieden".

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Frieden ist kostbar und zerbrechlich.

Heute werden wir medial jeden Tag mit gewaltensamen Konflikten und Kriegen überall auf der Welt konfrontiert – sei es in Syrien, Afghanistan oder der Ostukraine. Gewaltsame Konflikte werden nicht mehr nur zwischen Staaten, sondern vermehrt auch innerhalb eines Staates ausgetragen.

Die internationale Ordnung ist aus den Fugen geraten. Gewalt rückt als Mittel der Politik wieder ins Zentrum. Militärische Abschreckung steht vor Entspannungspolitik.Im Frühjahr 2019 haben die USA und Russland den Vertrag über das Verbot nuklearfähiger bodengestützter Mittelstreckenraketen gekündigt. 1987 beendete der INF-Vertrag das jahrzehntelange nukleare Wettrüsten im geteilten Europa.

Obwohl der Einsatz von Atomwaffen katastrophale Folgen für die Menschheit hätte, spielen sie in den nationalen Sicherheitsstrategien wieder eine größere Rolle. Ich fürchte sogar, dass ein erneutes nukleares Wettrüsten beginnt. Das gilt für Europa genauso wie für den Persischen Golf und Nordkorea.

Bewaffnete Konflikte und Kriege entstehen durch Misstrauen und das Pflegen von Feindbildern und Stereotypen. Eine verrohte Sprache ist der Wegbereiter von Gewalt. Sie hetzt auf. Sie schürt Streit. Lautes Einschüchtern, Unberechenbarkeit und imposante Militärmanöver drehen weiter an der Eskalationsspirale.

„Verbale“ Abrüstung muss darum der erste Schritt sein. Respekt und Vertrauen sind weitere Voraussetzungen für Rüstungskontrolle, Abrüstung und Frieden. Es darf nicht wieder um das Recht des Stärkeren, um die „Strategie des maximalen Drucks“ gehen. Die Stärkung des Rechts und der internationalen Organisationen wie der Vereinten Nationen, der OSZE und der Europäischen Union muss in den Fokus rücken.

Wir brauchen mehr Europa anstatt sich ins Nationale zurückzuziehen und abzugrenzen. Deutschland hat als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat nun die Chance, durch eine multilaterale Politik den Weg für eine Entspannungspolitik einzuleiten. Dabei kann die Zivilgesellschaft rund um den Globus helfen und die öffentliche Meinung zum Beispiel durch Veranstaltungen wie diese heute hier beeinflussen. Wuppertal ist deswegen schon seit Jahrzehnten Mitglied im weltweiten Netzwerk der „Mayors for Peace“, die sich für Frieden und Abrüstung einsetzen.

Das heutige Motto der Veranstaltung zum Antikriegstag „Abrüsten statt Aufrüsten! Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ ist daher genau richtig gewählt. Frieden ist wie die soziale und ökologische Frage entscheidend im 21. Jahrhundert.

Denn die Gewissheit von Willy Brandt gilt immer noch: „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ohne Frieden nichts!“

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • DGB Wuppertal
  • Stadt Wuppertal

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