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Ober­bürgermeister

Rede zum Volkstrauertag 2019

OB Andreas Mucke spricht anlässlich der Gedenkstunde zum Volkstrauertag auf dem Ehrenfriedhof Lönsstraße am 17. November 2019.

OB Andreas Mucke redet anlässlich des Volkstrauertags.

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Wuppertalerinnen und Wuppertaler,

zu unserer alljährlichen zentralen Gedenkstunde der Stadt Wuppertal am Volkstrauertag hier auf dem Ehrenfriedhof Lönsstraße begrüße ich Sie alle sehr herzlich.

Ich danke den Mitwirkenden, die die Gedenkstunde gestaltet haben, insbesondere den engagierten Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Langerfeld, die diese Veranstaltung heute mit einem Beitrag bereichern werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Volkstrauertag gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aller Völker und Nationen. Wir erinnern an die Soldaten, die zivilen Kriegsopfer, die Opfer von Massakern und Genoziden. Wir denken an die Toten der Diktaturen.

Wir denken an die vielen Opfer und menschlichen Schicksale, die in Glaubenskriegen, in Schlachten politischer Ideologien und in sinnlosen anderen Krisen und Auseinandersetzungen zu beklagen sind.

2019 jährt sich zum 80. Mal der deutsche Überfall auf unser Nachbarland Polen, mit dem Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg entfesselte.

Der unprovozierte Angriff der deutschen Streitkräfte am 1. September 1939 brachte unfassbares Leid über viele Millionen Menschen, die entsetzliche Tragödien und unvorstellbare Gräuel erleben und erleiden mussten.

Die Schätzungen der Todesopfer, die allein der Zweite Weltkrieg forderte, liegen laut Bundeszentrale für politische Bildung zwischen 60 und 70 Millionen.

Allein die Tatsache, dass selbst Schätzungen Abweichungen von vielen Millionen Opfern ergeben, ist unglaublich und zeigt die schreckliche Dimension dieses von Deutschland entfachten Krieges.

Eine schier erdrückende und unvorstellbare Zahl von Opfern, die unser aller Vorstellungsvermögen übersteigt – aber eben nicht nur eine Zahl,

sondern vielmehr einzelne Namen und einzelne Schicksale, an die wir erinnern und die wir betrauern müssen.

Ganz aktuell betrauern wir die Opfer des rechtextremen Angriffs von Halle vom 9. Oktober. Vor diesem Hintergrund werden wir in der Ratssitzung morgen eine Resolution verabschieden, mit der wir uns deutlich positionieren:

„Wir sind eine weltoffene, vielfältige, tolerante und internationale Stadt, die von unterschiedlichen Herkünften und einem friedlichen Zusammenleben aller ihrer Menschen profitiert. In ihr ist kein Platz für menschenverachtendes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit.“

Nach dem Anschlag von Halle haben sich viele Menschen in unserer Stadt in das Kondolenzbuch im Rathaus eingetragen, um ihre Fassungslosigkeit, ihre Trauer und ihre Solidarität auszudrücken.

Dem Oberbürgermeister von Halle – meinem Amtskollegen - habe ich diese Listen mit einem persönlichen Brief übersandt.

Trauern sollte man gemeinsam.

Und erinnern sollte man gemeinsam.

Denn jedes Schicksal, jede Geschichte ist es wert, dass man sich ihrer erinnert.

Die Erinnerungen sind es, die uns prägen und Erinnerungen beeinflussen unser Handeln und unseren Umgang miteinander.

Nur wer sich erinnert, kann aus der Vergangenheit lernen und so eine bessere Zukunft gestalten.

Deshalb müssen wir die Einzelschicksale sehen, im persönlichen Umfeld nach Spuren suchen und die wenigen Zeitzeugen, die es noch gibt, anhören.

Aus diesen Erkenntnissen heraus, aus der Erinnerung an die bedrückenden Schicksale, muss die Botschaft, die für uns alle von diesem Tag heute ausgeht, lauten:

Nie wieder!

Auch dieses Jahr war wieder von Kriegen, Bürgerkriegen, Massakern, Folter, politischer Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen geprägt.

Ganz gleich, wo wir hinschauen, ob nach Syrien, in die Ukraine, in den Nahen Osten oder nach Afrika:

Vor unseren Augen und auch wieder mit Waffen aus Deutschland und anderen westlichen Staaten werden Konflikte weiterhin gewaltsam ausgetragen, Menschenrechte werden missachtet, Minderheiten unterdrückt und Andersdenkende verfolgt.

Unzählige Menschen wurden in den vielen Krisenherden unserer Welt umgebracht, Millionen sind auf der Flucht vor Hunger, Krieg, Terror, Elend und Gewaltherrschaft.

Und davor dürfen wir nicht die Augen verschließen. Denn das alles findet vor unserer Haustür statt und wir haben hier eine Verantwortung – gerade wir Deutschen müssen uns für Frieden und Freiheit einsetzen.

Die derzeitige weltpolitische Lage macht sehr deutlich, dass unsere Menschheit existenziell gefährdet ist, wenn wir nicht den wirklichen Willen zur Kooperation und zur Schaffung von Frieden – das sind unsere wichtigsten und dringendsten Aufgaben - aufbringen.

Der heutige Tag des Gedenkens mahnt uns zum Gedenken und zum Nachdenken darüber, was wir alle, als Nation, als Kommune und als Einzelner für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit tun können.

Der bekannte Philosoph Karl Jaspers formulierte:

„Die Frage des Friedens ist keine Frage an die Welt, sondern eine Frage an jeden selbst.“

So gilt es, frühzeitig zu erkennen, wenn Menschenrechte ausgehöhlt und mit Füßen getreten werden.

Wir müssen couragiert einschreiten, wo Mitmenschen unsere Hilfe brauchen und niemals dürfen wir gegenüber menschlichem Leid in Gleichgültigkeit verfallen, weil es uns vielleicht nicht direkt „betrifft“.

Aber das ist ein gefährlicher Irrtum – es betrifft uns alle und wir sind mit verantwortlich.

Und wir haben auch die Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten, eben weil die Zahl der Zeitzeugen unaufhaltsam kleiner wird.

Es ist ungemein wichtig, die Erinnerungskultur mit jungen Menschen fortzuführen und deshalb ist der Beitrag der Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Langerfeld bei dieser Veranstaltung heute ein ganz wichtiges Zeichen.

Aber das Erinnern allein reicht nicht – wir müssen wachsam sein, wir müssen für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung einstehen und für sie kämpfen, wenn ihre Gegner sie angreifen.

Denn wer sie angreift, greift uns alle an.

Wir werden unsere Demokratie verteidigen. Denn sie ist die Grundlage für unser friedliches Zusammenleben in Freiheit und mit Toleranz und Respekt gegenüber all unseren Mitmenschen.

Denn dazu verpflichtet uns auch unser Grundgesetz, das in diesem Jahr 70. Geburtstag feiert.

Artikel 1 legt fest: Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Meine Damen und Herren,

die Erfahrungen aus der Geschichte verpflichten uns alle, für  Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzustehen. Antisemitismus, Rassismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit dürfen bei uns keine Chance haben!

Wir müssen den rechten Parteien, die Hass und Hetze verbreiten und als geistige Brandstifter mitverantwortlich sind für Terroranschläge wie am 9. Oktober in Halle und den Mord an Walter Lübcke, die rote Karte zeigen.

Es beginnt bereits mit der Verrohung der Sprache, das früher Unsagbare wir heute ausgesprochen.

Hass und Gewalt in der Sprache sind der Anfang und schnell ist die Grenze zu tätlichen Übergriffen bis hin zu Mord überschritten.

Unsere Demokratie muss zwar viel ertragen – aber sie darf sich nicht selbst in Frage stellen.

Denn, ob gestern oder heute: Die Toten mahnen uns!

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Bildnachweise

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