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Ober­bürgermeister

Wir sind weltoffen, vielfältig und international!

Rede von Andreas Mucke zur interfraktionellen Resolution "Wir sind weltoffen, vielfältig und international!" in der Ratssitzung am 18. November 2019.

Zusammen mit dem Remscheider Stadtdirektor Sven Wiertz (rechts im Bild) erklärte OB Andreas Mucke dem Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde, Leonid Goldberg (Mitte), nach dem Anschlag in Halle seine Anteilnahme und Solidarität.

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der rechtsextremistische Anschlag auf die Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, dem Versöhnungsfest, war ein Angriff auf uns alle.

Auch wenn die Tür der Synagoge dem Angriff standgehalten hat, wurden draußen zwei Menschen willkürlich ermordet und mehrere Menschen schwer verletzt.

Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten den Opfern, ihren Angehörigen und der jüdische Gemeinde, die das eigentliche Ziel dieses Anschlags war.

Ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde haben viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler nach dem Anschlag ausgedrückt, als sie sich zu einer Mahnwache auf dem Geschwister-Scholl-Platz versammelt haben und dann in einem Schweigemarsch zur Synagoge gegangen sind. Sie haben damit ein Zeichen gesetzt.

Erinnern und Handeln

Vor wenigen Tagen haben wir an die Reichspogromnacht erinnert. In dieser Nacht vor über 80 Jahren setzten die Nationalsozialisten und ihre Mitläufer jüdische Geschäfte und Synagogen überall in Deutschland in Brand. Auch hier in Wuppertal. Die Synagogen in der Genügsamkeitsstraße und in der Straße Zur Scheuren gingen in Flammen auf. Jüdische Friedhöfe wurden geschändet. Juden wurden beraubt, misshandelt und verschleppt.

Alle konnten in dieser Nacht sehen, dass Antisemitismus zu blanker Gewalt an Nachbarn, Freunden und Arbeitskollegen eskalierte. Dem vorausgegangen war die Diskriminierung von Juden in der Gesellschaft und Boykott-Aufrufe gegen jüdische Geschäfte. Systematische Verfolgung und Völkermord folgten der Ausgrenzung und Abgrenzung gegenüber denjenigen, die nicht so waren, wie man selbst.

Viele haben damals einfach die Augen geschlossen und weggesehen. Es gab aber auch diejenigen, die wenigen Mutigen, die Widerstand gegen das NS-System geleistet haben. Verfolgte versteckt und geholfen haben.

Der Shoa-Überlebende Max Mannheimer hat gesagt: „Ihr [wir in der Gegenwart] seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“

Es geht also nicht allein um das Erinnern, sondern um den Handlungsauftrag an uns, dass sich die Shoa nie mehr wiederholen darf!

"Wir profitieren von den Menschen unterschiedlicher Herkunft. Kulturelle Vielfalt ist für uns eine Bereicherung."

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Anschlag in Halle reiht sich ein in die Entwicklung braunen Terrors in Deutschland: Jahrelange blieben die schrecklichen Verbrechen des NSU unentdeckt. Auch der rechtsextremistisch motivierte Mord am Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat uns vor Augen geführt, dass Hass und Hetze wieder zu Taten werden.

Der Anschlag in Halle richtete sich nicht nur gegen die jüdische Gemeinde, sondern auch gegen unsere offene und demokratische Gesellschaft als solche. Heute darf niemand mehr wegsehen und die Augen verschließen, wenn Menschen diskriminiert und bedroht werden.

Deshalb ist es richtig, dass der Stadtrat mit dieser Resolution deutlich macht, dass Wuppertal eine weltoffene, vielfältige, tolerante und internationale Stadt ist. Wir profitieren von den Menschen unterschiedlicher Herkunft. Kulturelle Vielfalt ist für uns eine Bereicherung.

Einstehen für ein friedliches Zusammenleben

Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben bei uns keinen Platz. Wir treten gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben ein.

Richtschnur unseres Handeln ist - wie es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes formuliert ist: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Wir achten jede und jeden, unabhängig von Religion und Herkunft. Da gilt für Worte und Taten.

Unser Grundgesetz ist anders als die Weimarer Reichsverfassung als wehrhafte Demokratie konzipiert. Wir werden alle rechtsstaatlichen Instrumente nutzen und die politische Auseinandersetzung nicht scheuen, um unsere offene Gesellschaft gegen diejenigen zu verteidigen, die sich eigentlich abschaffen wollen.

"Die Resolution ist eine Ermutigung an alle Wuppertaler/innen."

Die Resolution ist eine Selbstverpflichtung der demokratischen Fraktionen hier im Rat, die politische Auseinandersetzung respektvoll, ohne Hass und Hetze auszutragen. Meinungsunterschiede werden bei uns friedlich und demokratisch gelöst.

Die Resolution ist auch eine Ermutigung an alle Wuppertaler/innen, im Alltag, im Beruf und im Verein für eine tolerante und freie Gesellschaft einzutreten. Haltung und Zivilcourage zu zeigen. Nicht zum Mitläufer zu werden.

Resolution: Wir sind weltoffen, vielfältig und international!

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal

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