Wenn mein Baby untröstlich weint und schreit

Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Ihr Baby nie schreien würde.

Sie hätten keine Möglichkeit zu erfahren, wann Ihr Baby hungrig ist, wann es Zuwendung braucht, wann es sich unwohl fühlt, wann es sich erschreckt hat, wann es Schmerzen hat oder vielleicht auch krank ist.

Denken Sie daran: Ihr Baby schreit nie ohne Grund und es schreit nicht, um Sie zu ärgern! Ihr kleines Baby schreit, weil es nur auf diese Weise seine Bedürfnisse mitteilen kann. Mit seinem Schreien fordert es Sie heraus, seine Bedürfnisse zu erkunden, sie zu verstehen und um von Ihnen getröstet zu werden.

Sie als Mutter oder Vater werden von ihren Gefühlen geleitet. Sie erwerben zunehmend elterliche Fähigkeiten. Diese ermöglichen Ihnen, ihr Baby zu verstehen, zu trösten und zu beruhigen, wenn es schreit.

Jedes Baby nimmt sich und seine Umwelt anders wahr und so unterscheiden sich auch die Häufigkeit und die Zeitdauer des Schreiens von Baby zu Baby. In den ersten Monaten schreien Babys in der Regel mehr. In den darauffolgenden Monaten bis zum ersten Lebensjahr wird das Schreien weniger, da Ihr kleines Kind allmählich gelernt hat, seine Bedürfnisse auf eine andere Art und Weise auszudrücken. Aber auch Ihr Kleinstkind möchte in bestimmten Situationen von Ihnen getröstet werden.

Einige Tipps, wie Sie als Mutter oder Vater Ihr Baby trösten können.

• Liegt Ihr Baby im Bettchen oder auf einer Decke und beginnt zu quengeln oder zu weinen, streicheln Sie es und sprechen Sie mit ihm. Erspüren Sie, was es braucht. Wenn Sie sicher sind, dass es keinen Hunger hat, keine frische Windel braucht und auch keine Schmerzen hat, braucht es vielleicht Ihre Nähe.

 

• Vielleicht kennen Sie eine bestimmte Körperstelle, an der Ihr Baby gerne Berührung möchte, z.B. am Bauch, an den Beinen oder auf der Brust. Legen Sie Ihre Hand sanft auf die Stelle und sprechen Sie mit Ihrem Baby.

 

• Wird es nicht ruhiger, nehmen Sie Ihr Baby in die Arme. Ihr Baby erkennt den Geruch von Mutter und Vater, wenn es nah am Körper gehalten wird.

 

• Sprechen Sie ruhig und mit einfachen wiederholenden Worten Ihr kleines Baby an. Es erkennt Sie dann an Ihrer Stimme und nimmt Ihre Ruhe auf.

 

• Manche Babys beruhigen sich, wenn Sie aufrecht gegen die Schulter gelegt und mit einem zarten Klopfen auf den Rücken begleitet werden.

 

• Vielleicht wirkt es beruhigend, wenn Sie Ihr Kind noch dichter an sich halten, so dass Ihr Baby ihren Atem und Ihre Haut spüren kann.

 

• Sanftes wiegen stimuliert das Gleichgewichts- und Bewegungsorgan.

 

• Eine aufrechte Haltung führt zu mehr Aufmerksamkeit des Babys.

 

• Ruhiges Schaukeln in der Waagrechten hilft dem Baby beim Einschlafen.

 

• Wenn Ihr Baby am Tag viel erlebt hat (z.B. Sie hatten Besuch, waren unterwegs beim Großeinkauf oder haben eine volles Tagesprogramm absolviert), kann es sein, dass Ihr Kind am Abend häufiger weint, um den Tag zu verarbeiten oder Ihnen zu sagen, "das war für mich heute aber anstrengend".

 

• Lassen sie Ihr Baby nicht alleine, wenn es weint, denn es weint nie ohne Grund.

Sollte Ihr Baby überaus viel quengeln, weinen, schreien, sich nur schwer trösten lassen und nur mit Mühe zur Ruhe finden, dann sprechen Sie

> Ihren Kinderarzt oder

> Ihre / eine Hebamme darauf hin an.

Unaufhörliches Babygeschrei ist anstrengend und nur schwer zu ertragen, es kann zur Hilflosigkeit, Erschöpfung und Verzweiflung führen, es kann wütend machen und zu unbedachten Handlungen führen.

Das Schütteln eines Babys kann zu schweren Verletzungen oder aber auch zu einem Kindstod führen.

 

Bevor so etwas Schlimmes passiert:

 

> legen Sie Ihr Baby an einen sicheren Ort ab. Verlassen Sie für eine kurze Zeit das Zimmer.

 

> Sprechen Sie eine Vertrauensperson an und bitten Sie diese Ihr Kind vorübergehend zu übernehmen, damit Sie selbst wieder zur Ruhe finden können.

 

> Sprechen Sie über Ihre Unsicherheiten, Ängste, Nöte und Sorgen mit Ihnen nahestehenden Menschen. Vielleicht können diese Sie zeitweilig unterstützen und entlasten.

Sie können sich auch an die Informationsstelle des "Familienbüros" wenden. Hier werden Ihnen Ansprechpartner benannt, die Ihnen und Ihrem Baby weiter helfen können.

Dieser Leitfaden ist mit der Schreibabytherapeutin Daniela Schelling in Kooperation mit dem Familienbüro entstanden.