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Der Grüne Zoo Wuppertal

Pressemitteilung des VdZ

Umsiedelung ist keine Alternative
Statement des Zooverbands VdZ zum Wuppertaler Bonobo Bili

Berlin, 12. Februar 2019. Der Verband der Zoologischen Gärten unterstützt die aktuellen Bemühungen des Grünen Zoos Wuppertal zur Eingewöhnung eines Bonobo-Männchens uneingeschränkt. „Wir wissen, dass die Zoologen und Tierpfleger vor Ort alles tun, um die Aggressionen, die dem natürlichen Verhalten der Bonobos entsprechen, gegenüber Bili abzuschwächen und sie ausklingen zu lassen“, sagt Volker Homes, Geschäftsführer des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ). „Durch die zeitweise Aufteilung der Affengruppe in kleinere Einheiten gibt es inzwischen deutlich mehr ruhige  Kontakte zu Bili, der sich deswegen auch merklich entspannt hat.“
Vor diesem Hintergrund lehnt der VdZ die Übersiedelung von Bili in einen anderen Zoo oder eine sogenannte Auffangstation aus fachlichen Gründen ab. „Wir verstehen natürlich, dass sich Zoobesucher wegen Bilis Wunden erschrecken und um seine Gesundheit besorgt sind“, sagt Volker Homes. „Allerdings würde sich seine Situation in einem neuen Zuhause nicht verbessern, sondern unter Umständen sogar verschlechtern.“ Dies gilt besonders für das häufig von Tierfreunden ins Gespräch gebrachte „Wales Ape & Monkey Sanctuary“. Nachdem es am Wochenende zu einem Gespräch zwischen einem Vertreter der walisischen Auffangstation und den Experten des Wuppertaler Zoos gekommen war, steht für den VdZ fest, dass aufgrund mangelnder Expertise die Institution in Wales in keinem Fall eine Lösung sein kann. „Weder gibt es derzeit eine Bonobo-Gruppe, noch sind überhaupt Erfahrungen in der Haltung dieser Menschenaffen vorhanden“, sagt Volker Homes. „Wie will man, wenn man dies über die eigene Auffangstation sagen muss, einen Bonobo wie Bili managen, der es schon seit seiner Geburt nicht einfach hatte? Er würde ganz allein in einem Gehege sitzen und hätte keine Kontakte zu Artgenossen – für sozial veranlagte Tiere wie Bonobos eine absolute Katastrophe!“

Der Grüne Zoo Wuppertal befindet sich bereits seit mehreren Wochen im engen Kontakt zum Jane-Goodall-Institut Deutschland. Bei einem Vor-Ort-Termin am Montag bestätigten die Experten des nach der berühmten Primatologin benannten Instituts den Zoologen in Wuppertal, dass eine Umsiedelung Bilis in eine Einrichtung, in der er allein leben müsste, ein No-Go wäre. Eine erneute Umsetzung des Bonobos in eine nochmals andere Gruppe können sie aus zoologischer Sicht ebenfalls nicht empfehlen.

Bili wurde 2008 in einem Zoo in Großbritannien geboren. Leider wurde er von seiner Mutter nicht angenommen. Um von einem anderen Weibchen, welches zur selben Zeit ein Jungtier hatte, versorgt zu werden, wurde Bili auf Empfehlung des Koordinators des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) in den Zoo Frankfurt gesandt. Dies stellte eine zufriedenstellende Lösung für die ersten Lebensjahre des Bonobos dar, selbst wenn es, durch die Waisenstellung des jungen Tieres bedingt, auch dort zu arttypischen Konflikten innerhalb der Gruppe kam. Dauerhaft konnte Bili ohnehin nicht in Frankfurt bleiben: Durch seine genetische Ähnlichkeit zu den vorhandenen Menschenaffen hätte er nicht Bestandteil der Zuchtgruppe werden können, so dass im EEP entschieden wurde, ihn nach Wuppertal zu senden. Vor dieser Entscheidung wurden alle neun Mitglieder der Europäischen Zoovereinigung EAZA genauestens evaluiert und auch eine mögliche Übergabe des Bonobos in das Programm American Species Survival Plan erwogen. In diesem Fall wäre der Bonobo nach Nordamerika gegangen. Die besten Voraussetzungen für Bili bestanden jedoch in Wuppertal. Um junge Männchen in der matriarchalisch organisierten Bonobo-Gesellschaft vor den arttypischen Attacken der dominanten Weibchen zu bewahren, werden diese Transporte meist zusammen mit dem Muttertier durchgeführt. In diesem Fall wäre Bili durch den Status seiner Mutter geschützt gewesen. Doch die Ablehnung direkt nach seiner Geburt ließ diese wirksame Methode im vorliegenden Fall nicht zu. Die ebenfalls in der Öffentlichkeit häufig diskutierte Frage, ob Bili nicht nach Frankfurt zurückkehren könnte, muss ebenfalls verneint werden. Inzwischen hat sich die Gruppenkonstellation im hessischen Zoo durch den Zuzug von zwei erwachsenen Weibchen derartig geändert, dass eine Reintegration des jungen Bonobos in die Frankfurter Gruppe noch komplizierter sein könnte als in Wuppertal.


Über den VdZ
Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. mit Sitz in Berlin ist die führende Vereinigung wissenschaftlich geleiteter Zoologischer Gärten mit Wirkungsschwerpunkt im deutschsprachigen Raum. Der 1887 gegründete VdZ ist der weltweit älteste Zoo-Verband und gab den Anstoß zur Gründung des Weltzooverbandes (WAZA). Aktuell gehören zum VdZ 71 Mitgliedszoos in Deutschland, Schweiz, Österreich und Spanien. Zu den Schwerpunkten des VdZ gehören die Vertretung der Mitgliederinteressen, die Kommunikation und Kooperation mit Behörden, Politikern, Wissenschaftlern, Verbänden und den Medien. Weiterhin unterstützt der Verband Natur- und Artenschutzprojekte, sowie Bildung und Forschung in Zoos.

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Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal

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