Im Zoo leben verschiedenste Tierarten auf einem Gelände zusammen. Alle großen Tiergruppen (Wirbellose, Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel, Säugetiere) sind im Grünen Zoo Wuppertal vertreten. Auch innerhalb der Säugetiere gibt es noch zahlreiche Untergruppierungen, von denen die meisten hier repräsentiert sind (Paar- und Unpaarhufer, Primaten, Beuteltiere, Raubtiere, Meeressäugetiere, …).
Dieser bunte Querschnitt durch die faszinierende tierische Artenvielfalt unseres Planeten macht einen Zoobesuch besonders reizvoll – und natürlich auch die Arbeit in einem solchen Betrieb. Gleichzeitig bedeutet es auch, dass fast alle Tierseuchen, die zu amtlichen Auflagen und Beschränkungen führen, für den Zoo relevant sind.
In den letzten Monaten und Jahren gab es immer wieder Seuchenmeldungen aus der Nutztierhaltung – sei es die Vogelgrippe, die Schweinepest, die Blauzungenkrankheit oder aktuell die Maul- und Klauenseuche. Auch im Zoo gibt es Tiere, die für all diese Krankheiten empfänglich sind und die es zu schützen gilt.
Ausgedehnte Impfprotokolle werden deshalb für die Zoos immer mehr zur Normalität. Beispielsweise ein Pudu oder ein Rentier im Wuppertaler Zoo ist aktuell gegen mindestens zwei verschiedene Bakterien geimpft, gegen Kuhpockenviren, sowie gegen drei verschiedene Stämme des Blauzungenvirus.
Im kommenden Jahr wird eine vierte Variante des Blauzungenvirus in Deutschland erwartet, die vor Kurzem in den Niederlanden aufgetaucht ist. Gegen ihn existiert bisher kein Impfstoff. Da die Blauzungenkrankheit über Mückenstiche übertragen wird, kann ein Insekten-Abwehrmittel Abhilfe schaffen – doch für scheue Hirsche ist ein regelmäßiges Auftragen von Flüssigkeit auf den Rücken ein großer Stressfaktor. Die Tierärztinnen des Zoos müssen immer wieder den Schutz vor Infektionen gegen die Risiken von häufigen Behandlungen und Blasrohr-Injektionen gegeneinander abwägen.
Gesetze und Auflagen sind grundsätzlich auf die Nutztierhaltung zugeschnitten – der Zoo als eher exotisches Tierhaltungskonzept mit niedrigen Tierzahlen bleibt leider oft unberücksichtigt. So kann es dann passieren, dass Transportbeschränkungen den Austausch von Individuen zwischen den Zoos verhindern, obwohl sie inhaltlich für deren Tiere gar nicht gedacht waren. Für die Artenschutzvorhaben der Zoos ist das verheerend.
Die Wuppertaler Biologin und Kuratorin Silja Herberg ist Zuchtbuch-Koordinatorin der Südlichen Pudus, einer hoch bedrohten Hirsch-Art aus Südamerika. Sie stellt Jahr für Jahr die Pudus, die in den europäischen Zoos geboren wurden, zu neuen Pärchen zusammen. Wenn dann der Transport des jungen Pudu-Männchens von Deutschland nach Polen oder von Frankreich nach Spanien daran scheitert, dass die Behörden nur für Rinder spezifische Regelungen entworfen und die Veterinärämter keine Vorgaben haben, wie sie mit einem Hirschtransport umgehen sollen, ist das frustrierend. Wochen- oder monatelange Beratungen mit den zuständigen Ämtern hier und am Bestimmungsort bedeuten oft genug eine erhebliche Transportverzögerung. In dieser Zeit wird der junge Nachwuchs dann bereits geschlechtsreif und muss daher von den Elterntieren getrennt untergebracht werden. Schlimmstenfalls verpassen dann die füreinander vorgesehenen Zuchtpartner die Paarungszeit im Herbst – so sind sie dann ein ganzes Jahr für das Zuchtprogramm verloren.
Glücklicherweise finden sich aber auch immer wieder kreative Wege durch den Gesetzesdschungel. Besonders hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit zwischen der zoologischen und der tiermedizinischen Abteilung innerhalb unseres Zoos. Aber auch die essentielle Kooperation mit dem zuständigen Veterinäramt und den Behörden im Ausland verläuft stets konstruktiv und zielgerichtet, sodass gemeinsam bestmöglich auf das übergeordnete Ziel des Artenschutzes hingearbeitet wird.