Zuchtbücher- über Genetik, Verbreitung und Arterhalt
Wissenschaftlich geführte Zoos, zu denen der Wuppertaler Zoo gehört, sind in dem europäischen Dachverband, der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria), organisiert. Europaweit werden sogenannte EAZA ex-situ Programme (Abkürzung: EEP) verschiedener Arten geführt. Es gibt jeweils eine/n Koordinator/in pro EEP. Im Wuppertaler Zoo werden die EEPs des Afrikanischen Elefanten, des Hyazintharas, der Purpurtangare und des Südlichen Pudus geführt. Neben dem Ziel gesunde und stabile Populationen innerhalb Europas aufzubauen und zu erhalten gibt es noch weitere Aspekte. Durch Edukationsprogramme und Forschung, die nur im Zoo betrieben werden kann, wird Wissen generiert, das den Arten im angestammten Lebensraum entscheidend helfen kann. Denn nur was man kennt und schätzt, schützt man.
Das EEP der Südlichen Pudus war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich. Die Population hat sich dank der aktiven Steuerung vergrößert, so dass aktuell 74 Tiere in Europa leben, von ehemals 54 Tieren. Selbsterhaltend ist die Population damit leider noch nicht, dafür werden über 100 Tiere benötigt. Doch wer gibt eigentlich vor, wie viele Tiere für eine stabile Population benötigt werden? Dafür gibt es in der EAZA sogenannte Populationsbiologen, die Zugriff auf die gesamten Daten haben und komplexe Berechnungen anstellen. Diese werden anschließend im Langzeit-Managementplan (LTMP) festgehalten. In diesem wird auch definiert, weshalb die Art gehalten und gemanagt wird. Im Fall des Pudus soll zum einen die Reservepopualtion aufgebaut und erhalten werden, und zum anderen Bildung über die südamerikanische Tierwelt vermittelt werden, sind die Südlichen Pudus doch eine der wenigen südamerikanischen Hirscharten, die in menschlicher Obhut gehalten werden und sie gehören zu den kleinsten Hirschen der Welt. Der Südliche Pudu ist auf der Roten Liste der IUCN als potenziell gefährdet eingestuft worden, jedoch gehen die Bestände im angestammten Lebensraum durch Lebensraumverlust und die Bejagung durch den Menschen deutlich zurück, so dass zukünftig auf die Reservepopulation in Zoos zurückgegriffen werden könnte, wenn es um Wiederansiedlungen geht.
Im Wuppertaler Zoo warten schon zwei Neuzugänge bei den Südpudus in der Quarantäne darauf, bald in die Anlage Aralandia zu ziehen. Es handelt sich dabei um zwei männliche Tiere, die in einer sogenannten Bachelorgruppe mit ein bis zwei weiteren männlichen Südlichen Pudus leben werden. Darüber hinaus leben noch mehrere Zuchtgruppen im Grünen Zoo verteilt, zum Beispiel im Südamerikahaus, wo man die Tiere sehr gut durch die Glasscheiben beobachten kann.