Der Sulawesi-Hirscheber wird in der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als „vulnerable“ gelistet. Somit ist diese Tierart gefährdet und es besteht ein hohes Risiko, dass die Art in naher Zukunft in der Natur aussterben wird. Die letzte Bewertung der Population und damit auch die Vergabe dieses Status erhielt die Tierart jedoch bereits 2016.
Tragischerweise gab es nun Berichte, dass auf Sulawesi seit einigen Monaten kein Hirscheber mehr an verschiedenen Beobachtungspunkten gesehen wurde. Wir müssen somit befürchten, dass die Sulawesi-Hirscheber, wie viele andere Tierarten, möglicherweise in der Natur ausgestorben sind. Die IUCN arbeitet aktuell an der Überprüfung dieser Berichte und einer Neubewertung der Situation.
Sulawesi-Hirscheber sind etwa 65 bis 80 cm große bis zu 100 kg schwere Schweine. Bekannt sind sie vor allem durch ihre Eckzähne, die bei den Männchen oben aus der Schnauze herausragen und an das Geweih von Hirschen erinnert – daher der Name „Hirscheber“. Auch die faltige graue Haut, welche nur mit wenigen borstigen Haaren bewachsen ist, macht diese Schweine so unverwechselbar.
Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Echten Schweine bekommen Hirscheber nur ein, selten zwei, Jungtiere. Dies wird ihnen leider in freier Wildbahn auch zum Verhängnis. Durch die geringe Reproduktionsrate kann sich die Population nur sehr langsam und schwer von Dezimierungen erholen.
Der Grund der Reduktion der Hirscheberpopulation ist vielfältig. Die Tiere werden von der Bevölkerung gejagt und das Fleisch wird auf Märkten verkauft. Außerdem leidet die Population, wie viele andere, auch durch den Einfluss der Menschen auf ihren Lebensraum. Kommerzielle Abholzung, Eisenerzabbau und andere Landnutzung durch den Menschen verringert den Lebensraum der Tiere. Auch die Veränderung des Klimas macht der Tierart zu schaffen. Diese und viele weitere Gründe haben bereits vor Jahren zu einer Reduktion der Population geführt. Laut der IUCN ist die Population von 1998 bis 2016 um 30 % zurückgegangen.
2018 wurde die Afrikanische Schweinepest (ASP) das erste Mal in China festgestellt. Verbreitet wurde sie indirekt durch den Menschen. Seitdem breitet sie sich in Asien aus. Leider hat das Virus auch Sulawesi und somit die bereits durch direktes und indirektes menschliches Handeln geschwächte Population der Hirscheber erreicht. Die Sterberate von ASP liegt für empfängliche Arten bei ca. 95%. Für den Menschen ist sie nicht gefährlich. Die Übertragung der Krankheit geschieht schnell – auch durch infizierte Fleisch- und Wurstprodukte oder durch Kontamination von Autos, Schuhen, etc. So kann sie kilometerweit getragen werden. Es steht zu befürchten, dass das Virus die letzten vorhandenen Individuen nahezu ausgerottet hat.
Dieser vermutlich drastische Status der Hirscheber unterstreicht, wie schnell eine Population durch die Konsequenzen des Handelns von Menschen ausgelöscht werden kann. Eine bereits geschwächte Population kann durch ein eingetragenes Virus innerhalb weniger Jahre verloren gehen. Genau deshalb sind zoologische Einrichtungen mit ihren Erhaltungszuchtprogrammen von Nöten.
Seit mehreren Jahrzehnten werden Sulawesi-Hirscheber in Zoos und Tierparks gehalten und erfolgreich gezüchtet. Somit konnte bereits eine Reservepopulation aufgebaut werden, bevor die Tiere so kurz vor dem Aussterben standen. Es ist nun wichtig, diese Reservepopulation weiter durch vermehrte Zucht zu vergrößern. Zum jetzigen Stand leben 60 Hirscheber in europäischen zoologischen Einrichtungen und sind somit Teil des EAZA Ex situ Managementprogrammes (EEP). Für eine nachhaltige und genetisch gesunde Population werden jedoch ca. 100 Individuen benötigt.
Außerdem ist die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die ASP von höchster Relevanz. Hierbei muss es sich um einen oral applizierbaren Impfstoff handeln, damit auch wilde Tiere in großen Mengen geimpft werden können. Das internationale EU-geförderte Kooperationsprojekt ASFaVIP (African Swine Fever attenuated live Vaccines In Pigs) des Friedrich-Loeffler-Institus arbeitet mit Hochdruck an solch einem Impfstoff. Erst, wenn dieser vorhanden ist, ist eine Auswilderung der Tiere aus der Reservepopulation der zoologischen Einrichtungen denkbar.
Bis zu 130 Pflanzen- und Tierarten sterben derzeit täglich aus. Gut 46.300 Arten sind von den IUCN in Bedrohungskategorien eingestuft. Der Hauptgrund hierfür sind wir Menschen. Leider wird es nicht möglich sein auch nur annähernd diese Menge an Arten vom Aussterben zu bewahren. Jede einzelne Art ist jedoch ein Baustein im Ökosystem seines Lebensraums, daher lohnt sich der Kampf immer. Zoologische Einrichtungen sind ein wichtiger Schlüssel zu der Erhaltung bedrohter Tierarten – vielleicht auch der der Hirscheber.