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Der Grüne Zoo Wuppertal

Die Europäischen Waldrentiere

Es ist nun einige Wochen her, dass die drei Europäischen Waldrentierhirsche in ihre neue Anlage gezogen sind und diese komplett nutzen können.

Das Europäische Waldrentier ist eine seltene Unterart der Rentiere, und für ihre Zoopopulation wird ein Europäisches Ex-Situ Zuchtprogramm (EEP) in Finnland koordiniert. Denn die mittlerweile in freier Wildbahn seltenen Hirsche kommen nur noch in kleinen Gebieten in Finnland und Russland vor. In Finnland werden mit Hilfe des EEPs im Zoo geborene Waldrentiere in zwei Gebieten wieder ausgewildert.
Die finnische EEP Koordinatorin gab im Jahr 2019 die Empfehlung Tiere aus dem Zoo Moskau zu importieren, insofern dies für den Wuppertaler Zoo möglich sei. Der Import von Zootieren aus einem Drittland ist aufwändig und streng reglementiert und für viele europäische Institutionen schlichtweg nicht möglich. So muss unter anderem eine für den Import von Huftieren zugelassene Quarantäneeinrichtung vorhanden sein, die der Grüne Zoo vorweisen kann.
Den Importbemühungen schlossen sich die Kolleginnen und Kollegen des Tierpark Bern, Dählhölzli + BärenPark dankbar an, bedeutete der Import doch für das EEP der Waldrentiere eine genetische Auffrischung der kontinental europäischen Population und für sie weniger Bemühungen, als wenn sie selber importieren würden. So wurden vom Grünen Zoo insgesamt vier männliche Waldrentiere aus Russland importiert.

Nach langer Planung konnten die Rentiere im März endlich am Frankfurter Flughafen in Empfang genommen werden. Nach dem Weitertransport nach Wuppertal und einer 30-tägigen Quarantäne mit umfangreichen Untersuchungen war es dann endlich soweit, der eine Hirsch wurde nach Bern transportiert und die drei Hirsche konnten in das Gehege ziehen. Nach einer knappen Woche im Vorgehege und Stall konnten sie die weitläufige Außenanlage, deren Zaun zunächst noch mit einer sogenannten Schattenleine besser für die Tiere sichtbar gemacht wurde, erkunden. Nach guten anderthalb Wochen waren die Tiere so sicher auf der gesamten Anlage, dass auch die Schattenleine entfernt werden konnte.
Nun können die Besucherinnen und Besucher gut die Unterschiede zwischen den Europäischen Waldrentieren und den Domestizierten Rentieren beobachten. Die Waldrentiere sind hochbeiniger, größer und haben kein weit ausladendes Geweih, da sie so perfekt an den Lebensraum, die bewaldete Taiga mit hohem Schnee angepasst sind. Ihre breiten Klauen verhindern ein starkes Einsinken in den Schnee. Das Domestizierte Rentier hingegen ist etwas kleiner, kurzbeiniger und hat ein größeres Geweih, da in der Tundra der Schnee weniger hoch liegt und diese baumlos ist und deshalb das Geweih bei der Fortbewegung nicht stört.
Die Struktur innerhalb der dreiköpfigen Männergruppe, auch Bachelorgruppe genannt, können aufmerksame Besucherinnen und Besucher gut beobachten, haben doch alle Tiere unterschiedlich farbige Ohrmarken. So weicht das bisher kleinste und auch rangniedrigste Tier mit der blauen Ohrmarke zwar bei einer Auseinandersetzung ziemlich schnell den größeren Tieren aus, es ist aber das schnellste, wenn es um das Erkunden neuer Dinge geht. Auch bei den Europäischen Waldrentieren ist es wie bei den Afrikanischen Elefanten von Vorteil, wenn die jungen Hirsche zunächst in eingeschlechtlichen Gruppen das richtige Verhalten untereinander lernen, bevor sie selber Gruppen mit weiblichen Tieren übernehmen.
Ob in den kommenden Jahren eine Zuchtgruppe der Europäischen Waldrentiere oder weiterhin eine Bachelorgruppe gehalten wird, wird das EEP in Absprache mit dem Grünen Zoo entscheiden.

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Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal
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