Am Mittwoch, dem 27. Mai, hat die Afrikanische Elefantenkuh Tika (18) gemeinsam mit ihren Töchtern Kimana (6) und Mali (3) den Grünen Zoo Wuppertal verlassen und ist in den Zoo Basel umgezogen. Nach intensiver Vorbereitung erreichten die drei Elefantenkühe am Abend wohlbehalten ihre neue Heimat in der Schweiz.
Aufwendiger Transport nach intensiver Vorbereitung
Der Transport begann bereits in den frühen Morgenstunden. Zum Einsatz kamen zwei speziell umgebaute Schiffscontainer, zwei Tieflader sowie ein Schwerlastkran. Um den Umzug für die Tiere möglichst stressarm zu gestalten, erhielten die Elefanten zuvor ein leichtes Beruhigungsmittel. Zudem wurden sie in den vergangenen Wochen durch das Tierpflegeteam intensiv auf die Reise vorbereitet. Bereits seit sechs Wochen stand einer der beiden Transportcontainer auf der Außenanlage der Elefanten. Durch regelmäßiges Training konnten sich die Tiere frühzeitig an den Container, die Abläufe sowie die ungewohnte Geräuschkulisse gewöhnen.
Am Mittwochmorgen betrat zunächst Kimana selbstständig den Transportcontainer. Ihre jüngere Schwester Mali reiste gemeinsam mit Mutter Tika in einem weiteren Container. Auch Tika zeigte sich kooperativ und ließ sich problemlos die erforderlichen Sicherungsketten an den Füßen anlegen. Anschließend wurde sie rückwärts in den speziellen Transportcontainer dirigiert. Anders als im Vorfeld erhofft, lief ihre jüngste Tochter Mali jedoch nicht selbstständig in den Container. Mit viel Geduld unterstützte das Tierplfegeteam sie schließlich dabei und führte sie mithilfe eines Seils in die Transportkiste.
Anschließend wurden die Container mit einem Kran auf die Tieflader gehoben und nach Basel transportiert. Die Fahrzeuge fuhren dabei dicht hintereinander, damit die Elefanten jederzeit akustisch in Kontakt bleiben konnten.
Begleitet wurde der Transport von einer vertrauten Tierpflegerin und einem Tierpfleger aus dem Grünen Zoo Wuppertal, die noch einige Tage im Zoo Basel bleiben werden, um den Tieren die Eingewöhnung zu erleichtern. Zudem reisten zwei Tierpfleger aus Basel mit, die ihre neuen Schützlinge bereits in den vergangenen Tagen in Wuppertal kennenlernen konnten.
„Obwohl bereits zahlreiche Elefanten den Grünen Zoo Wuppertal verlassen haben, ist jeder Transport anders und stellt eine besondere logistische Herausforderung dar“, erklärt Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz. „Dank der intensiven Vorbereitung und der hervorragenden Zusammenarbeit aller Beteiligten verlief der gesamte Umzug ruhig und reibungslos. Mein ausdrücklicher Dank gilt dem gesamten Team.“
Spannungen in der Herde
Hintergrund des Umzugs sind zunehmende Spannungen innerhalb der Wuppertaler Elefantenherde sowie die bevorstehenden Umbauarbeiten an der Elefantenanlage.
Elefanten leben in der Natur in Matrilinien, also Familienverbänden bestehend aus einer Leitkuh, ihren weiblichen Nachkommen und Jungtieren. Während junge Bullen mit Eintritt der Geschlechtsreife die Herde verlassen, bleiben weibliche Tiere in der Regel ein Leben lang zusammen. Grundsätzlich wird in der Haltung Afrikanischer Elefanten angestrebt, bestehende Matrilinien dauerhaft zusammenzuhalten.
Im Grünen Zoo Wuppertal ist die Elefantenkuh Sabie Leitkuh der Matrilinie. Tika ist ihre älteste Tochter. In den vergangenen zwei Jahren kam es jedoch wiederholt zu Spannungen zwischen Tika und ihrer Mutter sowie zwischen Tika und ihrer jüngeren Schwester Tuffi. Es entstand der Eindruck, dass Tika die Rolle der Leitkuh übernehmen möchte, die Sabie jedoch weiterhin verteidigt. Zuletzt nahmen die Konflikte deutlich zu, sodass beide Familiengruppen häufiger voneinander getrennt werden mussten.
Im Zuge der anstehenden Erweiterung der Elefantenanlage wird den Tieren während der Bauphase nur eine Außenanlage zur Verfügung stehen. Unter diesen Bedingungen wäre eine tierwohlgerechte Trennung der beiden Familiengruppen kaum möglich. Zudem ist zu befürchten, dass die Spannungen innerhalb der Herde bei begrenztem Platzangebot weiter zunehmen werden.
Unter bestimmten Bedingungen kann es auch im natürlichen Lebensraum der Elefanten zur Abspaltung einzelner Familiengruppen kommen, beispielsweise bei begrenztem Wasser- oder Nahrungsangebot.
Vor diesem Hintergrund wurde auf Empfehlung des EAZA Ex-situ-Programms (EEP), das vom Grünen Zoo Wuppertal geführt wird und die europaweite Haltung und Zucht Afrikanischer Elefanten koordiniert, entschieden, die Matrilinie zu trennen und Tika gemeinsam mit ihren beiden Töchtern an den Zoo Basel abzugeben. Für Tika eröffnet sich damit die Möglichkeit, selbst die Rolle der Leitkuh einzunehmen und gemeinsam mit Kimana und Mali eine eigene Matrilinie aufzubauen.
Der Abschied von den drei Elefantenkühen fällt dem Team des Grünen Zoos Wuppertal dennoch schwer. Alle Tiere wurden in Wuppertal geboren. Viele Mitarbeitende haben sie von Geburt an begleitet und erlebt, wie Tika von einem Jungtier zu einer selbstbewussten Elefantenkuh herangewachsen ist. Gleichzeitig freut sich der Grüne Zoo über die Perspektive, die sich den Tieren in Basel bietet. Dort erwartet die drei Elefanten eine moderne, rund 5.000 Quadratmeter große Anlage sowie ein erfahrenes Team in der Elefantenhaltung. Perspektivisch soll auch im Zoo Basel wieder ein Zuchtbulle gehalten werden, sodass Tika dort künftig erneut zum Erhalt der Afrikanischen Elefanten beitragen kann.
Zukunft der Elefantenhaltung im Grünen Zoo
Im Grünen Zoo Wuppertal leben nun noch die Afrikanischen Elefanten Sabie (34), ihre Tochter Tuffi (10) sowie ihr Sohn Gus (7). Die geplante Erweiterung der Elefantenanlage gibt dem Grünen Zoo die Möglichkeit, neue Wege im Haltungs-und Zuchtmanagement zu beschreiten. Die Anlage soll dafür auf etwa 10.000 Quadratmeter vergrößert werden. Dann wird auch wieder ein Zuchtbulle einziehen. Der Grüne Zoo Wuppertal zählt seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten Zoos Europas in der Zucht Afrikanischer Elefanten. Mit dem Ausbau der Anlage schafft der Zoo die Voraussetzungen, um auch künftig einen wichtigen Beitrag zum EEP für Afrikanische Elefanten zu leisten.