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Der Grüne Zoo Wuppertal

Die moderne Zootiermedizin verbindet moderne und traditionelle Therapieansätze

Dr. Dominik Fischer

Die moderne Zootiermedizin ist komplex und vielseitig, nicht nur auf Grund ihrer Patienten, die sich in Größe, Alter, Art und Tierklasse deutlich mehr unterscheiden als in der üblichen Kleintier- oder Nutztierpraxis. Über viele Tierarten und deren Krankheitsbilder ist oft nur wenig bekannt und es fehlt meist an Studien mit vielen Individuen, wie es diese bei vielen Haustierarten oder gar in der Humanmedizin gibt. So hört man häufig den Spruch „Als Zootierärztin oder Zootierarzt ist man spezialisiert aufs Improvisieren!“. Das stimmt natürlich zum Teil auch, da man häufig mit Hilfe des Handwerkerteams erst passende Schienen, Halterungen oder Apparaturen entwerfen und herstellen muss, um entsprechende Behandlungen bei verschiedenen Zootieren erfolgreich durchführen zu können. Da gibt es leider meist nichts passendes „von der Stange“ und Kreativität, handwerkliches Geschick und Flexibilität tragen erheblich zum Therapieerfolg bei.

Dennoch ist es in der Zootiermedizin mit Nichten so, dass man täglich nur neue Dinge ausprobieren muss und gar nichts bekannt ist. Die Zootiermedizin hat sich insbesondere in den letzten Jahrzenten als eigene Disziplin in der Veterinärmedizin enorm weiterentwickelt. In Deutschland ist die Weiterbildung zum/zur Fachtierarzt/Fachtierärztin für Zoo- und Gehegetiere als berufliche Spezialisierung in der Tiermedizin anerkannt, die auch am Grünen Zoo angeboten wird und von mehreren Kolleginnen und Kollegen bereits erfolgreich absolviert wurde. Auf europäischer Ebene gibt es außerdem eine internationale, englischsprachige Spezialisierung des European College of Zoological Medicine (ECZM). Es werden zudem regelmäßig auf nationalen und internationalen Tagungen und Seminaren Erfahrungen und Erkenntnisse ausgetauscht und Studienergebnisse geteilt, um die Kenntnisse über die tiermedizinische Versorgung der unterschiedlichsten Zootiere zu vermehren und die Qualität der Versorgung beständig zu optimieren. Die Tierärztinnen und Tierärzte des Grünen Zoos tragen regelmäßig durch wissenschaftliche Studien und Forschungsprojekte, Vorträge und Lehrgänge aktiv zu diesem Erkenntnisgewinn bei und leisten sogar im internationalen Vergleich eine herausragende Arbeit.

Um die Gesundheit der Zootiere bestmöglich zu erhalten und im Falle einer Erkrankung oder Verletzung bestmöglich behandeln zu können ist ein interdisziplinärer Austausch und eine gute Kooperation mit anderen Disziplinen der Tiermedizin und der Humanmedizin sehr wichtig. So tauschen sich die Veterinäre des Grünen Zoos beispielsweise bei der Versorgung der Menschenaffen regelmäßig mit humanmedizinischen Kolleginnen und Kollegen aus oder holen bei Zahnproblemen der Zootiere die Expertise von Zahnärztinnen und Zahnärzten ein, während bei der Behandlung der Huftiere auf Kolleginnen und Kolleginnen aus dem Bereich der Schaf- oder Rindermedizin zurückgreifen.

Die Therapieansätze selbst sind teils hoch modern und teils traditionell, solange sie effektiv und gut sind. So wird auch bei den Zootieren eine bereits bei den Ägyptern vor mehr als 2000 Jahren angewandte Blutegeltherapie (Hirundotherapie) eingesetzt, um die Durchblutung in bestimmten Körperregionen zu verbessern oder Blutergüsse und Ödeme schonend abzubauen. Wie auch bereits bei Pferden, Hunden und Katzen wird diese beim Menschen seit langer Zeit etablierte Methode nun auch bei exotischen Tieren eingesetzt.

Am Grünen Zoo wurde so zuletzt das Flügelspitzenödem bei einem wilden und verletzt aufgenommenen Wanderfalken behandelt, um das Absterben der Flügelspitze zu verhindern und die Durchblutung des Flügels wieder herzustellen. Dank einer guten Kooperation mit dem Bbez (Biebertaler Blutegelzucht) war hier eine schnelle und effektive Hilfe für den Falken möglich. Andererseits sind die Behandlungsansätze jedoch auch hoch modern und die Erkenntnisse aus der Tiermedizin bringen einen Vorteil für die Behandlung von Tieren und Menschen gleichermaßen. So werden bei Zootieren Laserbehandlungen, Ozontherapie und Kaltplasma eingesetzt, die auch in der Humanmedizin noch nicht allerorts etabliert sind. Während man die Begriffe Laser und Ozon häufig hört, so ist der Begriff „Plasma“ vielen auch im medizinischen Bereich unbekannt. Plasma beschreibt neben flüssig, gasförmig und fest den vierten Aggregatzustand, den Materie einnehmen kann. Es ist ein Zwischending zwischen gasförmig und flüssig und entsteht bei ausreichender Energie beispielsweise in der Sonne oder am Himmel im direkten Umfeld eines Blitzes oder bei den Polarlichtern (Aurora). Technisch kennt man vielleicht die Plasmaschneider, die unter Entstehung großer Hitze zum Abtrennen und Bearbeiten von Metall genutzt werden. Medizinisch nutzbar sind aber nur deutlich kältere Varianten, wie das <40°C warme Kaltplasma, das mittels spezieller Plasmajet-Geräte unter Nutzung bestimmter Gase (z.B. Argon) erzeugt wird. Am Grünen Zoo kam diese Technik in Kooperation mit der Greifswalder Firma Neoplas bereits mehrfach bei Vögeln, Reptilien und Säugetieren zum Einsatz, um die desinfizierende und heilungsfördernde Wirkung des Kaltplasmas bei unterschiedlichen Verletzungen zu nutzen.

Die Erkenntnisse aus dieser klinischen Forschung werden zukünftig helfen die Kaltplasmatherapie zu verbessern und einen Beitrag zur vielseitigen, komplexen, anspruchsvollen und interessanten Zootiermedizin zu leisten. Der Grüne Zoo Wuppertal trägt hier als wissenschaftlich geleiteter Zoo mit seinem Fachpersonal und seinem Tierbestand dazu bei, dass solche Erkenntnisse, die an/mit Zootieren erworben wurden auch der Versorgung der wildlebenden Artgenossen zu gute kommt, um hier effektive Therapieansätze und Behandlungsmethoden anwenden zu können.       

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