Von Lisa Grund
Seit kurzem sind die Hirscheber, hochbedrohte Wildschweine aus Südostasien, in ihre neue Anlage im Wuppertaler Zoo eingezogen und sie wurde feierlich eröffnet. Die Finanzierung diesers Geheges wurde vom Wuppertaler Zoo-Verein ermöglicht – jede Mitgliedschaft im Verein, jeder Kauf an einem der Kioske und jede Spende an den Sammelstellen im Zoo haben also mit dazu beigetragen.
Gärtnerei- und Handwerkerteams haben viele Monate mit schwerem Gerät daran gearbeitet und eine naturnahe und abwechslungsreiche Landschaft gestaltet, in der die neugierigen Schweine und später auch die vorwitzigen Kurzkrallenotter viel zu entdecken und zu tun haben. Sich in einer Lehmsuhle wälzen, im Dickicht schnüffeln, im Sand wühlen, über Steine klettern oder durch das Wasser stapfen – all das können die Hirscheber jetzt noch viel ausgiebiger tun als bisher. Und auch Besucherinnen und Besucher müssen sich über abenteuerliche Pfade bewegen, durch kleine Fenster im Dickicht spähen oder mit Ruhe und Geduld am Wasser sitzen, um die Anlage und ihre tierischen Bewohner zu erleben.
Die Geschichte der Hirscheber könnte dramatischer kaum sein und ist ein Beispiel dafür, wie schnell eine Tierart in der Natur an den Rand der Ausrottung gebracht werden kann. Als inselbewohnende Tiere sind die relativ kleinen Populationen ohnehin empfindlich für Störungen von außen. Als sich dann das Virus der Afrikanischen Schweinepest weltweit ausbreitete, gegen das die asiatischen Wildschweinarten keinerlei Abwehrmechanismen haben, wurde die Zahl der wildlebenden Hirscheber innerhalb weniger Jahre extrem dezimiert. Bis heute ist nicht ganz klar, wie viele Individuen übriggeblieben sind und ob sie noch eine Chance haben, sich nachhaltig wieder zu vermehren. Die Fachwelt wartet mit Spannung auf die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Afrikanische Schweinepest, der mittels Futterköder auch den wildlebenden Hirschebern verabreicht werden kann. Sobald die Möglichkeit der Impfung besteht, kommt auch der Aufbau eines Auswilderungsprojekts mit Nachzuchttieren aus Zoos in Betracht. Solche Projekte müssen sorgfältig vorbereitet und fachgerecht durchgeführt werden – und vor allem muss dafür eine gesunde Reservepopulation zur Verfügung stehen.
Der Grüne Zoo Wuppertal züchtet schon seit Jahren erfolgreich Hirscheber für das internationale Zuchtprogramm der Zoos. Auf der neuen Sulawesi-Anlage sind zurzeit die drei Weibchen Yala, Kendari und Kalia zu sehen. Schon bald werden sie Gesellschaft von einem Männchen bekommen, sodass es wieder Nachwuchs geben kann. Doch auch hier in Deutschland ist die Afrikanische Schweinepest inzwischen verbreitet – das Veterinär- und Tierpflegeteam schützen die Tiere mit verschiedensten Maßnahmen vor potenziell ansteckendem Material. Deshalb dürfen unsere Besucherinnen und Besucher auch auf keinen Fall Lebensmittel oder andere Gegenstände in das Gehege der Hirscheber werfen. Mit der Beachtung dieser einfachen Regel steht einer spannenden Begegnung mit der südostasiatischen Tierwelt nichts mehr im Wege, und wir arbeiten gemeinsam an der Rettung dieser faszinierenden Tierart.