Bereits Ende Mai hatte unsere Karpatenluchs-Katze Missy ein Jungtier zur Welt gebracht, das leider tot geboren wurde. Kürzlich gab es erneut Nachwuchs, allerdings zu einem für Luchse äußerst ungewöhnlichen Zeitpunkt: Im August brachte Missy ein weibliches Jungtier zur Welt. Leider überlebte auch dieser Nachwuchs nicht und verstarb am folgenden Tag.
Luchse sind Einzelgänger und kommen normalerweise nur einmal im Jahr zur Paarungszeit – zwischen Februar und April – zusammen. Die Jungtiere werden dann im Mai oder Juni geboren. Eine Geburt im August ist eine ausgesprochen seltene Ausnahme.
Missy und Viktor leben bei uns im Zoo dauerhaft zusammen und begegnen sich nicht nur zur Paarungszeit. Nach dem Verlust des ersten Wurfes kam es dann zu einer erneuten Paarung. Auch in der Natur wurden solche außergewöhnlichen zweiten Würfe jedoch bereits vereinzelt beobachtet.
Nachdem das Jungtier am 13. August entdeckt worden war, wurde der Weg an der Luchsanlage abgesperrt, um Missy die nötige Ruhe für die Aufzucht ihres Jungtieres zu gewährleisten. Zur Beobachtung der Tiere standen uns Wildkameras zur Verfügung, die der BUND finanziert und bereits einige Wochen zuvor in der Anlage angebracht hatte.
Die Aufnahmen zeigten, dass Missy im Umgang mit ihrem Jungtier noch sehr unsicher war. Sie trug es lange umher, es konnte jedoch nicht beobachtet werden, dass sie es säugte. Am folgenden Tag verstarb das Jungtier. Die pathologische Untersuchung ergab, dass es keine Nahrung aufgenommen hatte.
Auf eine Handaufzucht wurde aus mehreren Gründen bewusst verzichtet: Eine Aufzucht durch den Menschen kann dazu führen, dass Jungtiere kein normales Sozialverhalten gegenüber Artgenossen entwickeln. Dies kann sich später unter anderem auf die Fortpflanzung und die eigene Jungtieraufzucht auswirken.
Gleichzeitig könnte der Nachwuchs von Missy und Viktor perspektivisch für eine Auswilderung infrage kommen. Dafür ist es besonders wichtig, den Kontakt zu Menschen so gering wie möglich zu halten und den Tieren die Möglichkeit zu geben, ein natürliches Verhalten zu entwickeln.
Auch für Missy selbst ist die Erfahrung mit einem Jungtier von Bedeutung. Die Zeit, die sie mit ihrem Nachwuchs verbringen konnte, bot ihr die Möglichkeit, Erfahrungen im Umgang mit einem Jungtier zu sammeln.
Inzwischen wurde die Luchsanlage noch einmal angepasst, um Missy künftig noch mehr Rückzugsmöglichkeiten und Ruhe zu bieten. Dafür wurden unter anderem zusätzliche geschützte Höhlen geschaffen.
Auch wenn wir uns auch diesmal einen glücklicheren Ausgang gewünscht hätten, ist diese Geburt ein wichtiger Erfolg. Wir sind froh, dass unser Luchspaar so gut harmoniert und hoffen, dass es Missy beim nächsten Mal gelingt, ihren Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen. Dieser könnte künftig eine wichtige Rolle bei der Wiederansiedlung des Karpatenluchses in Nordrhein-Westfalen spielen.
Der letzte wildlebende Luchs in NRW wurde 1745 erlegt. Das Luchsprojekt NRW setzt sich durch das Einbeziehen vieler verschiedener Stakeholder für die Rückkehr der Art ein. Ziel ist es, geeignete Lebensräume zu erschließen, bestehende Luchsvorkommen für einen genetischen Austausch besser miteinander zu vernetzen und langfristig die Voraussetzungen für die Auswilderung geeigneter Tiere zu schaffen.