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Der Grüne Zoo Wuppertal

Artenschutz in Zoos wird aktiv gemanagt!

Um im Zoo Reservepopulationen für gefährdete Tierarten zu schaffen ist sehr viel Planung, Timing und Management erforderlich.

Antonia Colán Bräunig & Dr. Dominik Fischer

Populationsmangement wird in Zuchtbüchern, sogenannten EAZA-Ex-situ-Programmen (kurz EEP) geleistet. Im Grünen Zoo Wuppertal werden gleich fünf EEPs koordiniert: für den Südlichen Pudu (Pudu Puda), den Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana), den Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus), den Afrikanischen Nördlichen Löwen (Panthera leo leo) und die Purpurtangare (Ramphocelus bresilius). Doch was steckt eigentlich hinter diesen Programmen und was bedeutet es, ein solches EEP zu führen?

EEPs wurden von der European Association of Zoos and Aquaria (= EAZA) ins Leben gerufen, einem Zusammenschluss von über 400 wissenschaftlich geführten Zoos in Europa und Asien. Ziel dieser Programme ist es, die in Zoos gehaltenen Tierpopulationen gezielt zu managen und dadurch langfristig und verantwortungsvoll zu erhalten. Gut betreute Populationen können gesund bleiben, genetisch vielfältig sein und als Reserve für den Artenschutz dienen. Auch Auswilderungen und Wiederansiedlungen in der Natur können aus diesen Zoopopulationen entstehen, eines der zentralen Ziele moderner Zootierhaltung.

Derzeit gibt es 515 EEPs, die jeweils von Koordinatorinnen und Koordinatoren geführt werden. Ihre Aufgabe ist es, den Überblick über alle Tiere dieser Art in den beteiligten Zoos zu behalten und gemeinsam mit einem Spezialistengremium aus Zoomitarbeitenden, dem sogenanntes Species Committee, Entscheidungen für die gesamte Zoopopulation zu treffen. Das Species Committee besteht aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Zoos, in denen die jeweilige Tierart gehalten wird. Es sichert Zuchtbuch-Entscheidungen wie Zucht- und Transportempfehlungen oder auch bewusste Zuchtpausen fachlich ab. Dabei gilt es viele Faktoren zu bedenken. Inzucht muss vermieden, die genetische Vielfalt erhalten und bei manchen Arten auch die getrennte Zucht von Unterarten berücksichtigt werden. Gleichzeitig ist der enge Austausch mit den Zoos unverzichtbar. Gerade bei großen Populationen ist hierfür eine gute Abstimmung und eine intensive, internationale Kommunikation entscheidend.

Grundlage für all diese Entscheidungen sind verlässliche Daten. Alle Informationen zu den einzelnen Tieren werden in der internationalen Tierdatenbank ZIMS (= Zoological Information Management System) erfasst. Von dort aus fließen sie in das Programm PMx (= Population Management x), eine hochkomplexe Spezialsoftware, mit der sich Verwandtschaftsverhältnisse, genetische Vielfalt und Inzuchtkoeffizienten von Tierpopulationen berechnen lassen. So können mögliche Paarungen simuliert und ihre Auswirkungen auf die Population abgeschätzt werden.

Neben der Zucht fließen auch viele artspezifische Haltungs-, Fütterungs- und Verhaltensaspekte in das Populationsmanagement ein. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren sind als zentrale Ansprechpersonen für alle fachlichen Fragen, gemeinsam mit den veterinärmedizinischen Beraterinnen und Beratern und weiteren Fachleuten aus Wissenschaft und Tierschutz für die Erstellung von Haltungs- und Managementempfehlungen (sog. Best Practice Guidelines) verantwortlich in denen auch Forschungs- und Artenschutzprojekte einfließen.

Mehrere EEPs verwandter Tierarten werden in sogenannten Taxon Advisory Groups, kurz TAGs, organisiert. Solche Gruppen gibt es etwa für Katzen, Hirsche oder Hühnervögel. In einer TAG arbeiten nicht nur die EEP-Koordinatorinnen und -Koordinatoren zusammen, sondern auch Fachleute aus den Bereichen Tiermedizin, Haltung, Forschung und Bildung. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder einer TAG, um über den aktuellen Stand der Programme zu sprechen, Probleme zu diskutieren und gemeinsame Strategien zu entwickeln. Gleichzeitig entstehen hier wichtige Kontakte, und es wird geplant, wie Schutzprojekte in den natürlichen Lebensräumen der Tiere unterstützt werden können. Auch Forschungsprojekte werden vorgestellt und an die Zoos vermittelt. Ergänzt wird dieses Treffen durch eine jährliche große EAZA-Konferenz, auf der alle Mitgliedszoos über die neuesten Entwicklungen in den EEPs informiert werden.

So zeigt sich: Hinter den fünf EEPs im Grünen Zoo Wuppertal steckt weit mehr als reine Verwaltung. Es ist eine anspruchsvolle, internationale Zusammenarbeit, die dem langfristigen Schutz bedrohter Tierarten dient und viel Fleiß, Zeit, Sachkunde und Engagement erfordert.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Birgit Klee

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