Forschung im Zoo – Wie Zootiere nach ihrem Tod dazu beitragen.
Text: Laura Platner
Das Leben ist ein ewiger Kreislauf – auch bei uns im Zoo werden Tiere geboren und andere sterben. Ein Erdmännchen kann in hohem Alter im Kreis seiner Artgenossen versterben, ein Pinguin kann mitunter trotz aufwändiger Therapie einer Krankheit erliegen und ein schwer verletzter Pudu muss unter Umständen von den Tierärztinnen und Tierärzten des Zoos eingeschläfert werden.
Zur Verfütterung können nur Tierkörper von gesunden Tieren genutzt werden, um eine Ausbreitung von Krankheiten zwischen den Tieren zu verhindern. Doch was geschieht nach dem Tod mit dem Tierkörper, wenn er nicht verfüttert werden kann?
Als geschlossener Betrieb nach europäischem Tiergesundheitsrecht genießt der Zoo Wuppertal in Bezug auf Tiertransporte einige Erleichterungen hinsichtlich Voruntersuchungen und Quarantänepflichten, solange Tiere mit anderen geschlossenen Betrieben ausgetauscht werden. Der Status des „geschlossenen Betriebes“ ist an Bedingungen zur Krankheitsüberwachung im Bestand geknüpft. Neben den regelmäßigen Untersuchungen unserer lebenden Tiere gehört auch die Untersuchung der toten Tierkörper dazu. Auf diese Weise findet ein fortlaufendes Monitoring der Tiergesundheit im gesamten Bestand statt und Krankheiten, die mehrere Tiere betreffen könnten, werden schnell festgestellt.
Aus dem „Vier-Säulen-Konzept“ wissenschaftlich geführter Zoos (Artenschutz, Bildung, Erholung und Forschung) sind dem Zoo Wuppertal ganz besonders der Artenschutz und die Forschung wichtig. Dabei ist Forschung kein Selbstzweck, sondern leistet über den generierten Wissensgewinn einen Beitrag zum Artenschutz und trägt so dazu bei, gefährdete Tierarten langfristig in ihrem natürlichen Lebensraum zu schützen.
Neben Studienarbeiten am lebenden Tier, wie z.B. der Untersuchung von Verdauungsprozessen im Darm von Hirschen oder dem Bewegungsverhalten von gruppenlebenden Aras, gibt es viele Fragestellungen, die am lebenden Tier nicht bearbeitet werden können. Für Forschungsgruppen, die sich diesen widmen, stellen die Körper unserer toten Tiere eine wichtige Ressource dar. Nicht nur sind entsprechende Gewebeproben frisch entnommen, sachgemäß bearbeitet und gelagert und… stammen die Proben aus seriösen Quellen, sondern das Leben der Tiere ist auch über Jahre gut dokumentiert. Alter, Fütterung, Haltung, vorangegangene Krankheiten und vieles mehr können die Forschungsergebnisse teils stark beeinflussen und Kenntnisse darüber sind hilfreich bei der Interpretation.
Selten lässt sich das Versterben eines Tieres im Vorfeld genau planen, doch die Probengewinnung muss zeitnah erfolgen, da Verwesungsprozesse die Aussage schmälern. Deshalb führt der Zoo Wuppertal eine Liste, in die Probenanfragen von Forschungsgruppen nach sorgfältiger Prüfung eingetragen werden. Geprüft wird, ob die Anfrage von einer seriösen Forschungsgruppe, Universität oder wissenschaftlichen Einrichtung stammt und ob es sich um ein unterstützenswertes Projekt handelt. Teilweise werden Forschungsanfragen auch direkt über den Europäischen Zooverband (EAZA) an den Zoo weitergeleitet.
In den letzten Jahren sind Teile von Tieren aus dem Wuppertaler Zoo in eine Reihe von Forschungsprojekten und wissenschaftliche Sammlungen eingeflossen: Schädel in eine Studie zu Hornwachstum bei Ziegenartigen, Hoden in Studien zur Reproduktion, Blutproben diverser Tiere in Untersuchungen zur Verbreitung verschiedener Krankheiten, Muskel- und Hautproben zur Erstellung von Zellkulturen und Gen-Datenbanken, Zähne in eine Studie zur Ermittlung von Eigenschaften des Zahnmaterials, Gehirne und Herzen in Studien zur Erforschung der Anatomie bzw. Erkrankungen dieser Organsysteme bei Menschenaffen und bei Papageien, um nur einige Bespiele zu nennen.
Viele unserer Tiere können so auch nach ihrem Tod einen Beitrag zum Erkenntnisgewinn über Wildtiere und zum Schutz ihrer Artgenossen im natürlichen Lebensraum leisten.
Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass ein Großteil der Forschung im Zoo am lebenden Tier stattfindet und auch die meisten Proben vor dem Tod genommen werden – oft sogar, ohne dass die Tiere es merken. Regelmäßig werden Kot und Urinproben gesammelt und auf Hormone und Parasiten untersucht, außerdem laufen Studien zum Mikrobiom und dessen Veränderung im Zuge der Fütterung bei Affen. Es werden immer wieder Haar- und Federproben gesammelt, Beobachtungen durchgeführt und unzählige Videoaufnahmen und Fotos erstellt, sowie umfangreiche Dokumentation über Fütterung und Futteraufnahme, Verhalten etc. angefertigt. Diese Daten werden global in einer Datenbank gesammelt und können von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in aller Welt genutzt werden.
Im Zoo gewonnene Erkenntnisse über Anatomie, Physiologie, Verhalten und Bedürfnisse von Zoo- und Wildtieren können zur weiteren Verbesserung der Haltung von Zootieren und in Projekten zum Schutz von Tieren im natürlichen Lebensraum direkt umgesetzt werden. Erkenntnisse über die Aussagekraft von Probenmaterialien oder die Praxistauglichkeit von Monitoring-Methoden können häufig vom Zoo auf die Natur übertragen werden. Hier im Zoo Wuppertal wurden bei Aras, Faultieren und Roten Pandas Halsbänder mit Peilsendern getestet, die später bei Auswilderungsprojekten zum Einsatz kommen können. Mit solchen Studien tragen die Zootiere abermals dazu bei, ihren wildlebenden Artgenossen beim Überleben zu helfen.