Der Grüne Zoo Wuppertal freut sich über Nachwuchs bei den hoch bedrohten Sibirischen Tigern: Am 23. Juli 2025 brachte Tigerkatze Tullia drei Jungtiere zur Welt. Es ist der erste Wurf des jungen Paares und die Freude ist groß, dass sie sich um zwei der drei Jungtiere kümmert. Ein lebensschwaches Jungtier wurde von der Mutter gefressen- ein Verhalten was auch häufig in der Natur vorkommt. Was für uns Menschen martialisch erscheint, dient der Vermeidung von Infektionen und verhindert das Anlocken von Beutegreifern. Außerdem ist der Tierkörper eine Energiequelle.
Die beiden überlebenden Jungtiere entwickeln sich augenscheinlich gut. Dennoch muss in dieser frühen Phase der Aufzucht weiterhin mit Rückschlägen gerechnet werden, insbesondere bei einer noch unerfahrenen Mutter wie Tullia.
In vorsorglicher Absprache mit dem EAZA Ex-situ-Programm, das die Zucht in menschlicher Obhut koordiniert, wurde vereinbart, in jedem Fall auf eine Handaufzucht der jungen Tiger zu verzichten. So soll eine Fehlprägung auf den Menschen vermieden und Tullia ermöglicht werden, die Jungtieraufzucht zu erlernen.
Die Tigermutter hält sich mit ihrem Nachwuchs in der Wurfbox der Innenanlagen auf und ist deshalb für Zoobesucherinnen und Zoobesucher noch nicht zu sehen. Da die Familie viel Ruhe benötigt, beobachtet auch das Tierpflegeteam die Aufzucht nur mit viel Abstand. Kameras in den Innenanlagen ermöglichen eine Überwachung, ohne die Tiere zu stören.
Tullia kam im November 2023 aus dem polnischen ZOO Płock nach Wuppertal. Vater des Nachwuchses ist der vierjährige Tigerkater Kasimir, der im Zoo Duisburg geboren wurde und seit August 2023 im Grünen Zoo lebt. Beide Tiere wurden auf Empfehlung des EAZA Ex-situ-Programms (EEP) zusammengeführt. Ziel des EEP ist es, durch koordinierte Haltung und Zucht eine genetisch vielfältige Reservepopulation einer bedrohten Tierart aufzubauen.
Der Sibirische Tiger, auch Amurtiger genannt, ist die größte Tiger-Unterart und damit die größte lebende Katze der Welt. Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt nur noch in Russland und im Nordosten Chinas. Durch Lebensraumverlust und Wilderei sind seine Bestände stark zurückgegangen. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Sibirischen Tiger in ihrer Roten Liste als „stark gefährdet“ ein.
Weitere Informationen zum Thema Jungtiersterblichkeit bei Amurtigern finden Sie hier (Öffnet in einem neuen Tab):
Update 26.07.25:
Das Wichtigste zuerst: Unseren beiden Tiger-Jungtieren geht es weiterhin gut. Tullia kümmert sich fürsorglich um ihren ersten Nachwuchs.
Es wurde nun allerdings ein totes Jungtier in der Anlage gefunden. Ob es sich dabei um ein bislang unentdecktes viertes Jungtier handelt oder möglicherweise doch um das dritte Jungtier, das entgegen der ersten Annahme gar nicht gefressen wurde, lässt sich nicht mehr eindeutig klären.
Auch wenn der Fund uns traurig stimmt, spiegelt er das wider, was in der Natur häufig vorkommt: Nur etwa die Hälfte der Jungtiere überlebt die ersten Lebensmonate. Besonders bei unerfahrenen Müttern wie Tullia gehören solche Rückschläge zum natürlichen Verlauf.