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Der Grüne Zoo Wuppertal

Hirsch ist nicht gleich Hirsch

Folgen des Klimawandels für Zootiere

Viele Besucherinnen und Besucher kennen die weitläufige Waldanlage im Grünen Zoo, die zwischen Löwen und Elefanten liegt und auf der anfangs Milu-Hirsche zu sehen waren. Diese seltenen Hirsche stammen aus Asien und sind hoch bedroht. Ihre Haltung im Wuppertaler Zoo hatte eine lange Tradition und extra für sie wurde das neue Gehege angelegt – die alte Anlage war einfach nicht mehr groß genug. Kurz nach dem Umzug fanden WissenschaftlerInnen aus Belgien und Deutschland jedoch heraus, dass Bergahornpflanzen, die auf der Anlage zahlreich wachsen, für diese Hirsche giftig sind. Vergiftungen durch Bergahorn waren bisher nur bei Pferden bekannt, und dort sind sie eine zunehmende Problematik. Der Bergahorn ist nämlich ein Gewinner des Klimawandels – er kann sich an die neuen Wetter- und Wasserbedingungen gut anpassen und wird in ganz Europa insgesamt immer häufiger. Nicht die Blätter des Bergahorns sind gefährlich, sondern vor allem dessen Samen, die im Herbst durch ihre spezielle Propellerform vom Wind weit getragen werden können. Auch die jungen Bäumchen, die im Frühling aus dem Boden sprießen, enthalten eine hohe Konzentration an Giftstoffen. Zweimal im Jahr hat diese Erkrankung daher Hochsaison. Eine Befreiung der Milu-Anlage vom Bergahorn war nicht möglich, und selbst ein sorgfältig durchdachtes Gefahrenmanagement konnte die Milus nicht gut genug schützen. Der Zoo Wuppertal entschied sich daher nach eingehender Beratung mit den WissenschaftlerInnen dazu, die Haltung der Milus in Wuppertal zu beenden, um sie nicht zu gefährden.

Das war 2019 – in der Zwischenzeit ist viel passiert. Europäische Hirscharten kennen Bergahorn seit vielen Tausend Jahren – sie können besser mit den Inhaltsstoffen umgehen. Nach eingehender Recherche und langer Vorbereitungszeit sind deshalb vor wenigen Tagen die ersten finnischen Waldrentiere in den Wuppertaler Zoo eingezogen. Diese seltene Unterart des Rentiers ist in einem europäischen Waldhabitat optimal aufgehoben und lebt sich gerade zunächst im Stallgebäude und dem Vorgehege ein. Besucherinnen und Besucher können jetzt die feinen Unterschiede zwischen Wald- und Hausrentieren beobachten und deren Anpassung an verschiedene Lebensräume nachvollziehen – ein eindrucksvolles Beispiel für die Wandlungsfähigkeit unserer Tierwelt.

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Bildnachweise

  • Grüner Zoo Wuppertal
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