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Der Grüne Zoo Wuppertal

Engagement für den Artenschutz im Zoo und anderswo

Tierpfleger Matthias Schmitz im Grünen Zoo Wuppertal

Ein tierisches Maß an Eigeninitiative, die Leidenschaft für Menschenaffen und die untrennbare Verbindung der Zoos mit dem Artenschutz, führten Matthias Schmitz auf eine Reise nach Kamerun zur „vergessenen Affenart Afrikas“ – den stark gefährdeten Drills.

Der sonst eher ruhige Tierpfleger Matthias Schmitz eilt mit etwas angespannter Miene den Besucherraum im Menschenaffenhaus des Grünen Zoo Wuppertal auf und ab. Konzentriert beobachtet er, was im Gehege der Bonobos geschieht. Gerade rückt das Männchen Mato aus der 9-köpfigen Bonobogruppe in das Nebengehege zu dem neuen Männchen Bili. Die Tiere werden im Wechsel und in kleineren Gruppen miteinander vergesellschaftet, um Bili optimal in seine neue Familie integrieren zu können. Grundsätzlich kann es bei Zusammenführungen neuer Gruppenmitglieder auch schon mal Ärger geben. In freier Wildbahn werden die männlichen Jungtiere von ihren Müttern geschützt – Bili genießt diesen Schutz leider nicht. Doch alles geht gut – unter aufgeregtem Gekreische begrüßt der alte Mato Bili neugierig – ein spannendes Spektakel auch für die Besucher.

Schmitz arbeitet schon lange im Menschenaffenhaus mit Orang Utans, Gorillas und den Bonobos. Für ihn dient die öffentliche Zusammenführung der Tiere auch dem Artenschutz. Die Hoffnung: Über das Erleben und Verstehen der Tiere im Zoo lernt der Besucher sie zu schätzen und ein Bewusstsein für den notwendigen Schutz der bedrohten Tiere zu entwickeln.

Das Leben der Drills ist mehrfach bedroht

Die Arbeit im Zoo ist dabei von besonderem Wert – die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, bleibt dabei für viele unerreichbar. Matthias Schmitz wollte aber unbedingt auch die Affen in ihrer Ursprungsheimat erleben. Nachdem er im Zoo Wuppertal einen spannenden Vortrag von Kathrin Paulsen, der Vorsitzenden von "Rettet den Drill e. V.", hörte, ist sein Entschluss für eine große Reise gefasst.

Der Verein "Rettet den Drill e. V." arbeitet seit vielen Jahren eng mit der amerikanischen Partnerorganisation "Pandrillus" zusammen, die schon 1991 eine erste Schutzstation für die Drills in Kamerun errichtete. Paulsen berichtet in ihrem Vortrag von der gemeinsamen Arbeit in den Rehabilitations- und Zuchtzentren des Afi-Mountain-Reservat in Nigeria und dem Limbe Wildlife Center in Kamerun. Genau wie in Nigeria, wird sich auch in der Auffangstation in Limbe um verwaiste Drills gekümmert. Zusätzlich nimmt die Station noch Graupapageien, Schimpansen, Gorillas und andere Primatenarten, wie Vollbart- oder Weißnasenmeerkatzen auf. Da will Schmitz hin! Er bewirbt sich mit der Unterstützung des Grünen Zoo Wuppertal als freiwilliger Helfer und reist schließlich mehrfach geimpft und mit Visum im Gepäck für vier Wochen auf eigene Kosten nach Kamerun.

In Limbe lernt er viel über die Drills und ihre schwierigen Lebensbedingungen. "Die Jungtiere haben schon einiges erlebt, bevor sie hierherkommen." klagt Matthias Schmitz. "Und manchmal sind die Mitarbeiter mit der hohen Anzahl gelieferter Tiere überfordert." Elterntiere werden von Wilderern erschossen oder über Fallen gestellt, die Jungtiere dann häufig auf der Straße als Haustiere verkauft. Wenn die Tiere ab einem Alter von drei bis vier Jahren schwere Verhaltensauffälligkeiten zeigen, fristen sie ihr Dasein oft nur noch in verschlossenen Käfigen. Beliebt sind die jungen Drills auch als Haustiere in den Arabischen Emiraten oder sie landen als Delikatesse illegal auf den Tellern spezieller Restaurants – unter anderem auch in Frankfurt. Die Organisation "TRAFFIC" (Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce) gibt an, dass allein im Jahr 2018 bis heute weltweit an Flughäfen um die 60.000 kg Buschfleisch konfisziert wurden. Die Dunkelziffer wird weitaus höher geschätzt.

Für die Bevölkerung in den Regenwäldern ist der Verzehr von Buschfleisch zudem so normal wie für einige von uns die Jagd auf heimisches Wild und der Genuss von Wildfleisch. Nicht nur bedrohte, sondern auch nicht bedrohte Arten, wie z. B. Wildschweine oder Ratten, dienen den Menschen in den Regenwäldern als wichtige Proteinquelle. Zusammen mit dem rasanten Abbau der tropischen Wälder und dem stetigen Wachstum der Bevölkerung entsteht ein gefährliches Ungleichgewicht. Das Überleben bedrohter Arten – und nicht nur das der Drills – wird in Zukunft immer mehr von der Errichtung geeigneter Schutzgebiete abhängen.

Das wichtigste Ziel in der Auffangstation in Limbe bleibt die Auswilderung der häufig traumatisierten und misshandelten Tiere. Doch dieses Hauptanliegen ist nicht immer so leicht umsetzbar, wie die Unterstützer es sich wünschen. "Es gilt nicht nur geeignete Gebiete zu finden, es bedarf auch einer Genehmigung der jeweiligen Regierung", erklärt Dr. Heike Weber, sie ist Tierärztin im Tierpark Nordhorn und Vorstandsmitglied von "Rettet den Drill e. V.". Und es kann schon einmal passieren, dass bereits genehmigte Anträge nach einem Regierungswechsel erlöschen oder Korruption und gewaltsame Auseinandersetzungen in angrenzenden Regionen den Einsatz massiv erschweren. An dem Nutzen des Einsatzes vor Ort zweifelt Weber jedoch nicht. Ein wichtiger Teil der Arbeit sei eben auch die Schaffung von Arbeitsplätzen und der Bildungsauftrag. Schüler würden bei Führungen im Limbe Wildlife Center für den Umwelt- und Artenschutz sensibilisiert. Und der Partner "Pandrillus" sei mittlerweile der größte Arbeitgeber in den Regionen: Ehemalige Wilderer etwa, verdienen sich nun ihren Unterhalt als Wildhüter oder Tierpfleger, auch die Futteranlieferungen und Baumaterialien der Gehege würden regional erworben. Dieser nachhaltige Ansatz und wachsender Ökotourismus sorgen auch bei den Regierungen für eine positive Stimmung für die Errichtung von Schutzgebieten.

Vieles können die Helfer nicht steuern. Und auch das Wetter muss mitspielen: Ein heftiger Sturm bescherte den Forschern in Nigeria 2017 eine "spontane" Auswilderung, als eine Gruppe Drills über einen vom Sturm beschädigten Zaun aus dem Gehege ausbrach. Doch der vorübergehende Ausflug – letztlich kehrten die Tiere freiwillig in das Camp zurück – brachte auch wertvolle Erkenntnisse. So wurde die ca. 50-köpfige Drillfamilie über mehrere Wochen von einem engagierten Tracking-Team verfolgt. Wichtige Daten über das Gruppenverhalten, die Kommunikation oder etwa die Wahl von Futterstandorten konnten so gewonnen werden. Und die gute Nachricht war, dass die Drills auch nach jahrelanger Haltung in menschlicher Obhut artgerechtes Verhalten in ihrem angestammten Lebensraum zeigten. Die gesammelten Erkenntnisse werden zukünftig geplanten Auswilderungen nützen.

Der Zoo-Verein des Grünen Zoo Wuppertal wird die Arbeit von "Rettet den Drill e. V." auch zukünftig finanziell unterstützen – für den Grünen Zoo Wuppertal ist das Engagement im Artenschutz grundsätzlich ein sehr wichtiger Auftrag. Und Matthias Schmitz? Die Reise wird auch noch eine wertvolle Erinnerung bleiben, wenn er wieder entspannt durch sein Affenhaus schlendert.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Stadt Wuppertal

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