Die Stadt und der Sparzwang: Wer macht zukünftig was?

Blick ins Bergische ServiceCenter, Mitarbeiterin mit Headset im Großraumbüro
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Pflicht oder Kür? Ein Personalentwicklungskonzept soll die Aufgaben definieren, die mit weniger Mitarbeitern von der Stadt künftig geleistet werden können.

Die Bürger bekommen Einschränkungen und Sparmaßnahmen zu spüren

Wenn ein Freibad geöffnet wird, muss ein Hallenbad dafür geschlossen werden. Krankheitsfälle können zu reduzierten Beratungszeiten oder sogar Teilschließungen führen. Wartezeiten verlängern sich, wenn sich statt zwei nur ein Mitarbeiter um die Anliegen der Bürger kümmert. Förderanträge werden später bearbeitet. Grünanlagen weniger gepflegt.

 

Der Personalabbau in der Stadtverwaltung ist, verstärkt durch die Vorgaben der Bezirksregierung, inzwischen auch bei den Bürgern angekommen - und der Bestand wird zur Haushaltssanierung weiter sinken müssen. Mit einem Personalentwicklungskonzept will die Stadt diesen Prozess steuern. Aufgaben sollen dazu priorisiert und Mitarbeiter dann gezielt für diese Aufgaben qualifiziert werden.

Stadtdirektor Dr. Slawig
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Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig

Was muss, was kann und was darf sein?

"Die strukturelle Senkung unserer Personalkosten um jährlich bis zu drei Millionen Euro ist ein wesentliches Element unseres Haushaltssicherungskonzeptes", erläutert Stadtdirektor Dr. Johannes Slawig. "Nachdem wir den Wegfall von über 500 Stellen in den letzten zehn Jahren noch überwiegend durch Umstrukturierungen und Prozessoptimierung auffangen konnten, geht es jetzt ans Eingemachte. In der Krise gehören alle unsere Aufgaben konsequent auf den Prüfstand."

 

Was ist zwingend, weil es zum Beispiel rechtlich vorgeschrieben ist? Was sind Pflichtaufgaben dem Grunde nach, deren Standards die Stadt aber selbst festlegt? Was ist notwendig? Was ist wünschenswert? Aber auch: Auf was muss die Stadt zukünftig verzichten?

"Um hierzu einen Überblick zu erhalten, haben wir einen verwaltungsweiten Priorisierungsprozess gestartet."

Parallel seien in Gesprächen mit sämtlichen Führungskräften der aktuelle Personalbestand in den Ämtern und die zu erwartende Fluktuation bis in das Jahr 2014 analysiert worden.

Qualifizierung und Gesundheitsförderung

"Diese Fluktuation trifft die unterschiedlichen Aufgabenbereiche ja zunächst zufällig, je nachdem wo Mitarbeiter gerade die Altersgrenze erreicht haben oder aus anderen Gründen zeitweise oder ganz aus der Verwaltung ausscheiden", so Slawig.

"Unsere Aufgabe wird es künftig sein, diese Zufälligkeiten in einen gesteuerten Prozess zu überführen, um mit einer reduzierten Mitarbeiterzahl die erarbeiteten Prioritäten auch bewältigen zu können."

 

Erreicht werden soll dies durch zielgerichtete Qualifizierung und Einarbeitungshilfen. Auch sollen Wissen und Erfahrung ausscheidender Mitarbeiter genutzt werden. Besonderes Augenmerk liegt außerdem auf der betrieblichen Gesundheitsförderung. Alleine im Jahr 2010 bis einschließlich Juli wurden 58 Vollzeitstellen in der Stadtverwaltung abgebaut. Die planbare Fluktuation umfasst bis zum Haushaltsjahr 2014 weitere 466 Stellen. Viele davon werden nicht wiederbesetzt werden.

"Die Flexibilität hat dabei natürlich ihre Grenzen", macht Johannes Slawig deutlich. "Wir haben viele Fachberufe in unserem Unternehmen, die nur mit Qualitätsverlusten intern zu ersetzen sind. Und jede interne Besetzung löst wiederum eine Lücke an anderer Stelle aus."

"Vor diesem Hintergrund hat das Personalentwicklungskonzept auch Bedeutung für die Gesamtentwicklung unserer Stadt", betont Slawig. "Wir werden Prioritäten setzen, uns aber auch von lieb gewordenen Angeboten verabschieden oder sie in andere Hände legen müssen."
Der Stadtdirektor stellt klar: "Auch wenn alle unsere Forderungen an Bund und Land umfassend erfüllt würden, hieße das nicht, dass alles so bleiben kann, wie es jetzt ist. An der Notwendigkeit eines konsequenten Sparkurses änderte sich nichts. Aber wir würden wieder kleine Investitionsspielräume gewinnen, um zum Beispiel nach einer Entscheidung über Bäderschließungen die verbleibenden erhalten zu können."
13.09.2010
 

Zitate

Dr. Slawig:

"Die Verwaltung des Mangels ist Aufgabe der Verwaltung. Strukturelle Entscheidungen muss die Politik treffen."

"Bäderschließungen sind schon alleine aufgrund des Personalbestandes unausweichlich, weil wir in diesem freiwilligen Bereich keine externen Einstellungen genehmigt bekommen."

"Die Beförderungssperre spart wenig und demotiviert viel. Nur mit engagierten Beschäftigten ist Haushaltskonsolidierung zu machen."