Stadtwaldinventur: Größer, holzreicher, weniger kleinteilig

Wuppertaler Laubwald
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Die Entwicklung der grünen Lunge Wuppertals, des Stadtwalds, befindet sich auf einem sehr guten Weg. Seine Fläche wächst kontinuierlich, und auch die Menge des Holzvorrats nähert sich dem Idealzustand. Das zeigen die Ergebnisse der aktuell fertiggestellten Wuppertaler Stadtwaldinventur - auch "Forsteinrichtung" genannt.

Das Landesforstgesetz schreibt vor, dass Kommunalwald nach einem Forstbetriebsplan bewirtschaftet werden muss. Im Zehn-Jahres-Rhythmus beauftragt deshalb das Land NRW Forstwissenschaftler, die die nachhaltige Bewirtschaftung der Kommunalwälder überprüfen und die Forstbetriebsplanung für das kommende Jahrzehnt erstellen.

 

Die Wuppertaler Stadtforst-Inventur wäre bereits 2007 wieder an der Reihe gewesen. Sie musste jedoch um sechs Jahre verschoben werden. Zuvor mussten nämlich die besonders stark von Orkan "Kyrill" im Januar des gleichen Jahres geschädigten Forstbetriebe im Sauerland inventarisiert und kartografisch überarbeitet werden.

In Wuppertal sind Stadt und Wald häufig sehr nah beieinander.
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Anderthalb Millionen Quadratmeter mehr Waldfläche seit 1997

Die erste Taxation - Wertermittlung - der Wuppertaler Stadtwälder im Jahr 1950 ergab eine Forstbetriebsfläche von 977 Hektar. Seit damals hat die Fläche durch Aufforstung von Brachflächen und durch Ankauf von Privatwäldern kontinuierlich zugenommen auf nun 1.761 Hektar.

 

Allein in der abgelaufenen Planungsperiode hat die Stadtwaldfläche um 155 Hektar, oder 1,55 Millionen Quadratmeter, zugenommen. Das heißt, in den vergangenen 16 Jahren vergrößerte sich die Stadtwaldfläche pro Jahr um etwa 100.000 Quadratmeter oder entsprechend zehn große Fußballplätze.

 

Wo Wald durch Bauprojekte verloren ging, gab es Ersatz durch großflächige Aufforstungen. Dies geschah in der Regel auf Brachland-Grundstücken, auf denen vorher kein Wald stand, zum Beispiel in den Bereichen Buchenhofen, Dorner Weg, Gepa-Weg, am Kothener Wald, Oberbergische Straße, Robert-Lütters-Weg, Sonnenberg, Stübchensberg und Sudberg. Das Landesforstgesetz schreibt solche "Ersatzaufforstungen" in mindestens gleicher Fläche zwingend vor.

Tabelle 1: Flächenentwicklung der städtischen Wälder von 1950 bis 2013

(siehe Link im Kasten rechts)

 

Zu den in der Tabelle aufgeführten Nichtholzbodenflächen, die zum städtischen Forstbetrieb gehören, zählen beispielsweise Waldwege und Plätze, Forstgebäude und Betriebshöfe, Waldwiesen, ökologisch wertvolle Freiflächen, Teiche und Bäche. Auch Brachflächen, die für künftige Ersatzaufforstungen in Frage kommen, gehören dazu. 

 

Die Wuppertaler Stadt- und Privatwälder waren in der Vergangenheit extrem klein parzelliert. Deshalb machte sich die städtische Forstverwaltung im vergangenen Jahrzehnt an eine "Flurbereinigung" - gemeinsam mit Privatwaldeigentümern, städtischem Grundstücksmanagement und Katasteramt. So reduzierte sich die Zahl der städtischen und privaten Waldgrundstücke um 920 Flurstücke. Es entstanden größere, zusammenhängende private und kommunale Waldgrundstücke.

Bewaldete Hänge am Ufer der Wupper.
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Vorrat an Holz fast bei 100 Prozent

Nach mehr als vier Jahrhunderten übermäßiger Waldnutzung, vor allem dann seit der Frühindustrialisierung, und weitgehender Zerstörung im Zweiten Weltkrieg begann 1950 die planmäßige, nachhaltige Forstwirtschaft in Wuppertal. Seitdem wuchs nicht nur die Fläche des Waldes, es stieg auch die Menge des Holzes.

 

Ab 1950 wurde in den Stadtwäldern immer etwas weniger Holz geerntet als nachwächst. So sollten Kalamitätsschäden durch Orkane und Borkenkäfer ausgeglichen und der normale Waldzustand wieder erreicht werden. Als "Kalamität" werden in der Forstwirtschaft massenhafte Erkrankungen von Waldbeständen oder auch Sturmschäden bezeichnet, die zu großflächigen Ausfällen führen. Während nach dem Zeiten Weltkrieg ein großer Teil der Stadtwälder vernichtet war (Holzvorrat 1950: 65.600 Festmeter), liegt der Holzvorrat heute mit 288.000 Festmetern bei 95 Prozent des Zielvorrats (Stand 2013).

 

Dass es noch nicht 100 Prozent sind, ist dem Jahrhundertsturm von 2007 zuzurechnen, weiß Wuppertals Umweltdezernent Frank Meyer: "Ohne die Schäden durch den Orkan ´Kyrill´, der in den Stadtwäldern den Holzzuwachs von drei Jahren zu Boden warf, wäre der ideale Pflegezustand der Wuppertaler Stadtwälder bereits erreicht." Doch sei die Qualität der Stadtwälder seit Jahrhunderten nicht so gut gewesen wie jetzt. Meyer betont daher: "Durch die bevorzugte Entnahme kranker Bäume bei jeder Durchforstung und durch das Begünstigen der vitalsten Bäume hat sich der Zustand der Stadtwälder in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert."

Tabelle 2: Entwicklung des Holzvorrates der Wuppertaler Stadtwälder (in Erntefestmetern Efm)

(siehe Link im Kasten rechts)

 

Der wirkliche Vorrat beträgt inzwischen 95 Prozent des (Ziel-)Normalvorrates. Der Untervorrat an Holz zeigt noch heute, wie sehr die Wuppertaler Stadtwälder im Zweiten Weltkrieg und in der Notzeit danach ausgeplündert worden sind. Die heute 50- bis 65-jährigen  Nachkriegs-Aufforstungen werden erst in den nächsten Jahren die riesigen Verluste, die der Zweite Weltkrieg verursacht hat, wieder ausgleichen können.

20.08.2014
 
 
Wuppertaler Laubwald

Forsteinrichtung 2014

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