Umfrage in bergischen Unternehmen zu "Pflege und Beruf"

Wie sich die bergischen Unternehmen als Arbeitgeber darauf vorbereiten, dass immer mehr Menschen Angehörige pflegen, will das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bergisches Städtedreieck wissen und kooperiert bei seiner Umfrage mit der Barmer GEK, der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid und den Kreishandwerkerschaften.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutete lange Zeit, Kindererziehung und Arbeitsalltag unter einen Hut zu bekommen und war vor allem ein Thema für Frauen. Durch den demografischen Wandel werden zukünftig aber immer mehr Beschäftigte, auch Männer, in die Situation kommen, einen Angehörigen zu pflegen oder zu betreuen. In einigen Jahren wird es mehr Pflegebedürftige als Kinder unter drei Jahren geben.

Wie sich die bergischen Unternehmen als Arbeitgeber auf diese Problematik vorbereiten, will das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bergisches Städtedreieck in einer Umfrage klären.

Ab sofort können die Firmen im Bergischen Land an der Online-Befragung unter der Internetadresse www.bergisch-kompetent teilnehmen. "Wir wollen erfahren, ob die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in den einzelnen Unternehmen ein Thema ist und wenn ja, welche Maßnahmen bisher geplant oder ergriffen wurden. Uns interessiert aber natürlich auch, wo die Betriebe an Grenzen stoßen", erläutert Christine Jentzsch vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bergisches Städtedreieck.

Die Antworten sollen in eine Broschüre einfließen, die den Arbeitsmarktakteuren der Region und den Arbeitgebern als Arbeitshilfe zur Verfügung gestellt wird.

Hilfe beim Umgang mit dem Thema können die Betriebe sicherlich benötigen. Christine Jentzsch weiß: "Anders als bei der Kinderbetreuung ist das Thema Pflege oft für viele Betroffene ein Tabuthema. Sie reden nicht gern über ihre Belastungssituation. Entweder befürchten sie Nachteile und möchten verhindern, dass sie als 'nicht belastbar' gelten, oder sie sprechen nicht gern darüber, weil es für die Pflegenden oft schwierige Situationen gibt, wenn jemand gepflegt werden muss oder an Demenz erkrankt."

Faktisch ist die Vereinbarkeit der Pflege eines Angehörigen mit der Berufstätigkeit ein Spagat, der große physische und psychische Belastungen mit sich bringt. Christine Jentzsch appelliert daher: "Unternehmen könnten sich mit Hilfe des Kompe-tenzzentrums dieses Themas annehmen und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege als wichtigen Bestandteil der Personalpolitik kommunizieren."

Ebenso wie bei der Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Beruf sind Möglichkeiten der Arbeitszeitflexibilisierung und Änderungen in der Arbeitsorganisation hilfreich. Aber auch andere, individuelle Lösungen können den Bedürfnissen der Beschäftigten entgegengekommen und dafür sorgen, dass sie als Fachkräfte beim Unternehmen bleiben. Christine Jentzsch freut sich über viele Beispiele aus der Praxis, die es auch anderen Unternehmen erleichtern, diese Lösungen für ihr Unternehmen zu finden.

02.09.2014