Nordbahntrasse: Brücke Bracken kommt am 24. April

Die Brücke in der Montagehalle der Spezialfirma in Meißen (Foto: Stahl- und Maschinenbau GRAF GmbH).
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Auf der Nordbahntrasse steht einer der spannendsten und von vielen sehnlichst erwartete Moment kurz bevor, denn: Sie kommt!
Sie - das ist die Brücke Bracken. "Der einzige komplette Brücken-Neubau beim Projekt Nordbahntrasse ist nun fertig", berichtet Projektleiter Rainer Widmann, "die so lang schon von vielen erwartete Brücke wird in der kommenden Woche mit einem Spezialtransportfahrzeug aus Meißen angeliefert". Der Aufbau soll am Freitag, 24. April, erfolgen. Spezialkräne werden die Brücke voraussichtlich gegen 11 Uhr einhängen.

Die im nördlich von Dresden gelegenen Meißen gefertigte, 30 Tonnen schwere Konstruktion wird mit einem Spezialtieflader (siehe Skizze) ab Mittwochnacht, 22. April, aus Sachsen nach Wuppertal transportiert. Weil der Transport nur in den Nachtstunden fahren darf, kommt er am Morgen des 24. April hier an.

Die Stadt bittet Zuschauer darum, die weiträumigen Absperrungen aus Sicherheitsgründen unbedingt zu beachten und die Arbeiten nicht zu behindern. Die beste Sicht haben Neugierige wahrscheinlich von der die Trasse überquerenden Straßenbrücke auf der Wittener Straße, südlich der Bushaltestelle Silberkuhle.

Ist die Brücke eingehoben, ist sie jedoch noch nicht begehbar. Es folgen Restarbeiten an den Brückenköpfen, der Anschluss an den Weg muss fertiggestellt werden, so dass die endgültige Freigabe drei bis vier Wochen später erfolgen kann. Der Beton an den Brückenköpfen braucht so lang zum Aushärten.
Bis dahin gilt noch die beschilderte Umleitung über Silberkuhle, Wittener Straße und Straße Bracken.

Letztes Bindeglied

Mit 23 Brücken, davon vier großen Viadukten, sechs Tunnelbauwerken, vier Fußgängerunterführungen und über 200 Stützbauwerken sei die Nordbahntrasse eines der ambitioniertesten Geh- und Radwegeprojekte und so in Deutschland wohl einmalig, beschreibt es Widmann. "Und vermutlich gibt es weit und breit kaum ein vergleichbares Projekt mit so vielen Ingenieurbauwerken wie an einer Perlenschnur aufgereiht auf einer rund 23 Kilometer langen Kette", schwärmt der Projektleiter der Stadt.

 

Das letzte noch fehlende Bindeglied, ist die im Wuppertaler Nordosten liegende Brücke Bracken. Sie befindet sich in dem sechs Kilometer langen Abschnitt der ehemaligen Kohlenbahnstrecke von Wichlinghausen zum Tunnel Schee, die von 1884 bis 1992 in Betrieb war. Bereits vor einigen Jahren musste die alte Natursteinbrücke aus Sicherheitsgründen - damals noch durch die Deutsche Bahn - abgetragen werden. Das 130 Jahre alte Mauerwerk wies erhebliche Schäden auf. Eine Reparatur wäre unwirtschaftlich gewesen.

Transportskizze für den Schwerlasttransport (Skizze: Kahl Schwerlast GmbH).
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Anschauungsobjekt für Bauingenieure

Seit Herbst 2014 wird für die wortwörtliche Überbrückung der entstandenen Lücke, rund 1.300 Meter vor dem Tunnel Schee, an einer neuen und vor allem ungewöhnlichen Brückenkonstruktion gearbeitet. Sie wird die Straße Bracken in einer Höhe von neun Metern überspannen.

Ungewöhnlich deshalb, weil mit der gewählten Fachwerkkonstruktion eine gewählt worden ist, die sich besonders gut ins Landschaftsbild einpasst. Für Profis und Bauexperten: Eine Konstruktion aus Stahl mit Rundhohlprofilen und aufgeständerter Gehwegplatte; eine schwungvolle, leicht nach oben geneigte 33 Meter lange Einfeldbrücke, die außerdem mit 314.000 Euro Baukosten auch noch günstiger ist als eine herkömmliche Konstruktion mit zwei Pfeilern.

"Das Besondere ist hier, dass auch die Farben so gewählt wurden, dass die statischen Zug- und Druckkräfte im Fachwerk durch die Farben Blau (Zug) und Rot (Druck) abgebildet werden und die Brücke so sicherlich zu einem interessanten Anschauungsobjekt nicht nur für Bauingenieursstudenten werden könnte" erläutert der Leiter der Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau im Ressort Straßen und Verkehr, Thorsten Warning.

Nachdem sich der Bau wegen technischer Probleme bei der statischen Berechnung des Baugrundes, der insgesamt hohen Komplexität und schließlich Anfang 2015 noch einmal wegen Lieferschwierigkeiten beim gewünschten Stahl immer wieder verzögerte, befindet sich die Brücke nun kurz vor ihrer Reise nach Wuppertal.

Weil sie im so genannten Tourismusförderbereich des Projekts Nordbahntrasse liegt, der mit 90 Prozent Fördermitteln aus dem EU-Ziel-2-Programm und vom Land NRW gefördert wird, können die Projektkosten (314.000 Euro) noch bis Ende Juni 2015 abgerechnet werden.

16.04.2015
 

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