"Pflege und Beruf" ist Thema in Unternehmen

Wie sich die bergischen Unternehmen als Arbeitgeber darauf vorbereiten, dass immer mehr Menschen Angehörige pflegen, wollte das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bergisches Städtedreieck im Herbst vergangenen Jahres mit einer Online-Befragung, unterstützt durch die Industrie- und Handelskammern, erfahren. 32 Unternehmen haben teilgenommen und den Online-Fragebogen mit den 29 Fragen ausgefüllt.
Von diesen 32 Unternehmen gehören rund 69 Prozent zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten, die im Bergischen Städtedreieck sehr zahlreich vertreten sind. Insgesamt gaben 19 Unternehmen an, dass dort bereits pflegende Angehörige bekannt sind. "Das sind fast ausnahmslos die Unternehmen bei denen der Altersdurchschnitt über 30 Jahren bzw. 45 Jahren liegt oder die einen hohen Frauenanteil aufweisen", erklärt Christine Jentzsch vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bergisches Städtedreieck.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass 81 Prozent der Unternehmen flexible Arbeitszeiten und Teilzeit anbieten, knapp ein Drittel der Unternehmen bieten auch flexible Arbeitsorte. Auch die familienbewusste Arbeitsorganisation wurde in den meisten Unternehmen als Instrument erkannt und umgesetzt. Die differenzierten Ergebnisse bei den Fragen nach der betrieblichen Information und Kommunikation, dem Führungskräfteverhalten, der Personalentwicklung und dem Service für Pflegende zeigen, dass für viele Unternehmen noch weitere Möglichkeiten bestehen, auf diesen Ebenen tätig zu werden.

Den bergischen Ergebnisse steht eine bundesweite Studie der berufundfamilie gGmbH gegenüber, die ebenfalls eine Befragung zum Thema "Beruf und Pflege" durchgeführt und im November 2014 in einer Studie veröffentlicht hat. Bei dieser Umfrage wurden 500 Unternehmen und 500 Beschäftigte ab 35 Jahren aus ganz Deutschland befragt.

Danach gewinnt das Pflegethema an Brisanz - zwei von drei Beschäftigten (69 %) rechnen damit, dass sie künftig einen Angehörigen pflegen werden. Jedoch tragen Arbeitgeber dieser Entwicklung immer noch nicht in ausreichendem Maße Rechnung. Nicht einmal ein Drittel bietet nach eigenen Angaben pflegegerechte Maßnahmen an.

Die bundesweite Befragung ergab weiterhin, dass sich die Hälfte der 500 Unternehmen bereits mit dem Thema "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" beschäftigt haben. Zum Vergleich: Die bergische Umfrage ergab, dass sich von den 32 beteiligten Unternehmen laut eigenen Angaben bisher lediglich 28 Prozent aktiv mit dem Thema Pflege auseinander gesetzt haben. Hinsichtlich der betrieblichen Maßnahmen und Angebote bedarf es einer besseren Transparenz und Information in den Unternehmen. Denn während bundesweit 30 Prozent der Unternehmer angaben, dass diese Angebote existieren, bestätigten dies nur 17 Prozent der Beschäftigten. Das bisherige Angebot an pflegegerechten Maßnahmen deckt zudem nur unzureichend den Bedarf ab, den pflegende Beschäftigte haben.

Christine Jentzsch: "Unternehmen können verhindern, dass erfahrene Fachkräfte aufgrund der Übernahme von Pflegeaufgaben die Berufstätigkeit stark einschränken oder gar aufgeben. Sie können durch entsprechende Angebote und individuelle Lösungen die Motivation und Leistungsfähigkeit der Betroffenen stärken. Arbeitgeber und Personalverantwortliche können mit den Beschäftigten im Austausch bleiben und nach gemeinsamen Lösungen suchen."

Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bergisches Städtedreieck bietet Unternehmen Informationsgespräche an. Unternehmen, die bereits Erfahrungen machen konnten und Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für ihre Beschäftigten gefunden haben, können als gutes Praxisbeispiel mit guter Arbeitgeberattraktivität punkten. Auf der Website http://www.bergisch-kompetent.de/ sind vielfältige Instrumente und in Kürze Best Practice-Beispiele in bergischen Unternehmen veröffentlicht. Der geplante Handlungsleitfaden für Unternehmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wird ebenfalls viele Informationen, Instrumente und Tipps enthalten.

09.03.2015
 
 
Interessenten wenden sich bitte an das Kompetenzzentrum: Stadt Wuppertal, Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck.
 

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