OB: Digitalisierung als Jobmotor nutzen

Symbolbild: Schriftzug "Digital" auf Hintergrund aus Zahlen
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Wuppertals Arbeitsmarkt befindet sich derzeit im Aufwind: Im November ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,6 Prozent auf 8,9 Prozent gesunken. Eine Entwicklung, die Oberbürgermeister Andreas Mucke weiter vorantreiben will.

"Wir haben in unserer Stadt derzeit die niedrigste Arbeitslosenquote seit 20 Jahren und einen Höchststand an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Das beweist, dass Unternehmen und Verwaltung die richtigen wirtschaftspolitischen Weichen gestellt haben", sagt Mucke. Der positive Trend sei jedoch keineswegs selbstverständlich. Um den Arbeitsmarkt langfristig zu stabilisieren, müsse sich Wuppertal verstärkt auf die Digitalisierung einstellen.

Bildung in der digitalen Welt

Die Digitalisierung übe einen enormen Druck auf Beschäftigte, Arbeitgeber und Staat aus. Viele Menschen fürchteten Arbeitsplatzverlust durch Automatisierung und prekäre Beschäftigungsverhältnisse. "Die digitale Wirtschaft kann aber zum Jobmotor werden, wenn wir in Schule und Ausbildung auf die neue Arbeitswelt vorbereiten", ist der Rathauschef überzeugt.

Er begrüßt daher die Initiative der Bergischen Industrie- und Handelskammer, den Ausbildungsberuf "E-Commerce" in Wuppertal einführen zu wollen. Die Ausbildung verbindet kaufmännische Fähigkeiten mit dem Wissen, wie Online-Marketing und Online-Shops technisch funktionieren.

Kritik am Bund

An die veränderten Berufsbilder müssen auch Land und Schule ihre Bildungsinhalte anpassen. "Die Stadt als Schulträger unterstützt die pädagogische Arbeit mit schnellem Internet, moderner Technik und digitalen Lernanwendungen. Investiert werden rund 28 Millionen Euro", berichtet Mucke. Er kritisiert allerdings, dass bisher noch kein Cent aus dem vom Bund angekündigten "Digitalpakt Schule" geflossen ist.

Der Pakt sah ein Fünf-Milliarden-Euro-Programm für die schulische Technikausstattung vor. Im Gegenzug sollten sich die Länder verpflichten, pädagogische Konzepte zu entwickeln und die Lehreraus- und -fortbildung anzupassen. "Das Ping-Pong-Spiel zwischen Bund und Ländern schadet unseren Schulen, die die Digitalisierung bereits zum Gegenstand der Unterrichtsentwicklung gemacht haben", ärgert sich Mucke. Er pocht darauf, dass die finanziellen Zusagen endlich eingehalten werden. Wuppertal könnte dann mit weiteren 20 Millionen Euro rechnen.

Langzeitarbeitslosigkeit bekämpfen

"Von der guten Arbeitsmarktentwicklung profitieren aber leider nicht alle Wuppertaler", bedauert Mucke. Die Unterbeschäftigungsquote stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,7 Prozent auf 16,5 Prozent. Mucke fordert den Bund auf, die Mittel für Maßnahmen der Beschäftigungsförderung zu erhöhen. "Die Kassen der Bundesagentur für Arbeit, des Bundesfinanzministers und der Rentenversicherung sind prall gefüllt. Mit zusätzlichen Mitteln könnte unser Jobcenter noch mehr Stellen auf dem zweiten Arbeitsmarkt und zudem auch verstärkt 'digitale' Qualifizierungsmaßnahmen anbieten", erklärt er.

"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um schwerpunktmäßig die Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dazu gehören auch stärkere Anstrengungen bei der medizinische Rehabilitation, damit gesundheitlich eingeschränkte Arbeitslose schnell wieder berufstätig werden können", so Mucke abschließend.

07.12.2017